19.01.2008 - 25.01.2008

Weekend Nichts mit Ausschlafen, die Nachbarn haben ein geniales Soundsystem für ihren TV und beginnen damit um 7 Uhr zu protzen. 21.01.2008 Montag Back to school. Um 3 Uhr in der Früh weckte mich ein komischer Lärm. Ein Würgen und Husten, Spucken und Röcheln. Einer meiner Nachbarn, die jenseits der mit Glassplittern gespickten Mauern leben und die ich nie sehe aber immerzu höre, übergab sich für mindestens eine viertel Stunde. Erst machte ich mir Sorgen, ob das denn nicht langsam aber sicher weh tue, dann begann ich mich zu nerven, dass ihm niemand ein Glas Wasser brachte – ich wollte endlich weiter schlafen. Um 6 Uhr quakte mein Handy und riss mich aus dem Tiefschlaf. Was ich hier schätze ist, dass ich eine menge heisses Wasser habe, nicht nur einen knappen Liter wie zuvor, wenn ich will, kann ich das Becken ganz füllen. Das Wasser wird jeweils am Abend über dem Feuer heiss gemacht, in Plastikkübel gefüllt und in mit Stoff isolierten Körben bis zum Morgen gelagert. Das mit diesen Körben funktioniert erstaunlich gut, das Wasser ist noch heiss, man muss es verdünnen mit Kaltem aus der Leitung. Wenn ich will, kann ich auch noch am Abend ein Bad nehmen, das Wasser ist dann immer noch angenehm warm. Ja.. wie gesagt, man muss das heisse mit kaltem Wasser aus der Leitung verdünnen – und hat dann ein Problem, wenn kein Wasser in der Leitung ist, wie diesen Morgen. Ich musste mit einem Plastikkrug aus dem Haus rennen, bei einem Hahn im Hinterhof Wasser zapfen, zurück ins Bad und wieder raus, bis das Badewasser die richtige Temperatur hatte. Ach ja, dieser Plastikkrug ist auch so was tolles, ich kann damit Wasser über mich schütten, das ist dann wie eine Dusche, einfach grossartig! Jedenfalls war ich nach der Rennerei dann wach und pünktlich aus dem Haus. In den letzen Tagen hatten wir immer Brot gehabt und auch Blueband. Ich werde sie zwingen, mir Butter zu kaufen, wenn diese hier alle ist. Ich sage einfach: Mrs. Chege, es hat kein Blueband mehr! Und dann werden wir ja sehen, ob sie es wagt, mir zu befehlen, es selbst zu kaufen! Meine erste richtige Woche in der Schule. Es ist jetzt alles anders, die Bücher sind da, die Schule kann richtig beginnen. Das heisst, die Kleinen wurden in zwei Klassen aufgeteilt. Mit Vivianne bin ich nun für die 2-4 Jährigen zuständig, das ist Play Group und Baby Class. Beliné und Stephanie (sie ist halb Kenianerin, halb Italienerin, war aber nie dort und spricht auch nicht Italienisch, weil ihr Vater starb, als sie noch ein Baby war) unterrichten die 4-6 jährigen, das ist Nursery School und Pre-Unit. Kerubo rief mich an und schrie mich an, was ich rede von nach Hause gehe und warum ich dann immer noch in der Schule sei, ich hätte den Leuten ja gesagt, ich käme nicht mehr und blaaablaaa. Ich hatte den Leuten gesagt, dass ich am Samstag nicht an das Lehrertreffen käme, wo sie Stundenpläne anfertigten, weil ich Zeit brauchte, mich selbst zu organisieren und wenn möglich das Flugticket umzubuchen. Ich hatte auch auf den Masai Markt gewollt, um Mitbringsel einzukaufen, war aber dann davon gelaufen, weil mich die Leute so bestürmt hatten, dass ich kurz vor einem Schreikrampf stand. Jedenfalls hatte ich nicht mit der Direktorin reden können, weil sie nicht in der Schule gewesen war am Freitag und hatte darum alles der Sekretärin erklärt. Die hat wohl mit der Direktorin gesprochen, und die wiederum mit Kerubo. Es gibt doch dieses Telefonspiel, wo man sich reihum ein Wort ins Ohr flüstert und dann kommt es schlussendlich meistens ganz anders raus als es ursprünglich war. Kommt mir hier so vor, ist nicht das erste Mal, dass Dinge ganz falsch weitergeleitet wurden. Etwas anstrengend. Kerubo meinte, das sei nicht der richtige Weg, Dinge zu handhaben, mit der Sekretärin zu sprechen anstatt mit der Direktorin usw. Leider verpasste ich es, ihr zu sagen, dass ihre Art, ihre Dinge zu regeln, auch nicht gerade toll sei. Es ist nun ganz anders nur mit den Babies, keines ist über 3 Jahre alt. Vivianne erzählt eine Geschichte, doch sie können sich nicht lange konzentrieren. Nach der Teepause durften sie dann in den Sandkasten – und ich wurde zur Direktorin gerufen. Das schockte mich im ersten Moment etwas, weil ich dachte, ich fange mir jetzt gleich eine weitere Standpauke ein, sie ist so schrecklich streng. Doch dann dachte ich, die kann mich mal und wenn sie meint, sie könne mich wegen IRGENDWAS zusammenstauchen, dann hat sie mich das letzte mal gesehen in ihrer Bonzenschule. Es kam dann alles ganz anders. Elise, so heisst sie, begann mit mir zu reden, total nett. Warum ich denn nach Hause möchte, was das Problem sei, ob sie mir irgendwie helfen könne. Ob sie mich Leuten vorstellen solle, die Camps organisieren übers Wochenende, damit ich mit denen herumreisen und Spass haben könne. Dass sie mich eigentlich durch ein ganzes Training hatte laufen wollen lassen, damit ich am Ende fähig wäre, die Kleinkinder selbst zu unterrichten… Ich verliess das Büro und war verwirrt. Ein neues Kind kam an, ein winziges Mädchen, Linett. Sie weinte erst und wollte nicht bleiben, doch als sie sich erstmal beruhigt hatte, benahm sie sich, als wäre sie schon immer hier gewesen. Nach dem Mittagessen und Austoben auf dem Spielplatz wurde unser „Klassenzimmer“ mit Matten ausgelegt und alle Vorschulkinder mussten sich hinlegen und schlafen. Ich glaubte nicht so daran, dass dies hinhauen würde, sie lagen so eng aufeinander. Doch 10 Minuten später ratzte alles. Um 15 Uhr, nur eine knappe Stunde später, wurden die Kinder auch schon wieder aus dem Schlaf hochgerissen und in den Bus gepackt. „Wakiewakie“ und sie werden gepackt, auf die Beine gestellt und so lange gehalten, bis sie es schaffen, selbst zu stehen. Brutale Sache. Ich fuhr wie immer mit dem Bus mit, liess mich dann, als schon fast alle Kinder abgesetzt waren, beim Shopping Centre selbst absetzen und ging in die Stadt. Ich stand am Strassenrand, ein Matatu Nr.33 kam, das geht nach Ngumo. Der Kondakta wollte mich zum Einsteigen überreden, doch ich schüttelte bloss den Kopf. Wo ich denn hinwolle. In die Stadt. Er wandte sich dann seinem sowieso schon überfüllten Matatu zu und begann in Kiswahili über den Muzungu zu lästern, der in die Stadt will und auf der falschen Strassenseite steht. Der ganze Bus lachte, doch niemand sagte mir, dass ich falsch sei. Doch ich hatte verstanden und ging. Irgendjemand hatte mir gesagt, dass Erin morgen nach Hause gehe und ich wollte ihr noch Bye sagen, darum ging ich nach St.Bridgets. Doch sie sagte, sie gehe erst am Donnerstag, oder wenn möglich am Donnerstag, denn für dann sind wieder Demos angesagt. Sie lud mich für ihre Abschiedsparty am Mittwoch ein. Um etwa halb neun war ich zu Hause. Es war schon dunkel, doch es wanderten so viele Leute auf der Strasse zwischen meinem Estate und Container, dass es wirklich nicht gefährlich war. Esther liess mich ins Haus und deutete auf den Tisch – dort lag das Packet meiner Eltern und einen Brief der Grosseltern!!! Endlich! Die Chege kam die Treppe runter, stellte sich vor mich hin, zitterte vor Zorn und begann, mich anzuschreien. Warum zum Teufel ich so spät sei, dass es nicht sicher sei, dass ich gefälligst versuchen solle, früh daheim zu sein. Sie hörte mir überhaupt nicht zu, als ich ihr zu erklären versuchte, dass mir inmitten all den Leuten da draussen auf der Strasse niemand was anhaben kann. Und wir haben da wirklich ein Problem, wenn sie nämlich nicht will, dass ich auswärts schlafe, wo ich sicher bin aber auch nicht, dass ich nach Einbruch der Dunkelheit komme, dann kann ich ja meine Leute nie treffen. Es beeindruckte mich nicht gross, dass sie mich anbrüllte, soll sie mich doch BITTE rausschmeissen. Ich bedankte mich mit einem zuckersüssen Lächeln für das Packet, das ihr wohl Kerubo mitgegeben hatte, wünschte eine gute Nacht, ging in mein Zimmer und feierte Weihnachten – mit 1.859 Kg Schweizer Schokolade. 22.01.2008 Dienstag Alles Gute zum Geburtstag Mami!!! Kurz nach 7 Uhr war ich bei Container, wurde aber erst 40 Minuten später von Richard aufgelesen – Stau! Es ist ganz amüsant, den Stau zu beobachten. Bei Container treffen drei Strassen aufeinander und jeder versucht, sich vorzudrängeln und manchmal geht für über 5 Minuten gar nichts mehr, bis jemand aussteigt und den Verkehr regelt. Sobald sich das Chaos dann etwas gelichtet hat, geht es wieder einem nicht schnell genug und alles steckt von neuem fest. Richard motzt wieder über die verrückten Autofahrer, aber wenn er selbst das Trottoir benützt, um schneller voran zu kommen, ist das natürlich okay. Die Kinder sollten heute den Unterschied zwischen „Drinnen“ und „Draussen“ lernen. Wir gingen nach draussen, wo Vivianne die Kinder nacheinander aufforderte, Bälle IN einen Korb oder AUS einem Korb raus zu nehmen. Dann legten wir Reifen auf den Boden und die Kinder sollten auf Befehl IN oder AUS ihrem Reifen heraus steigen. Wir haben wieder ein neues Kind, Elsie, ein fettes Mädchen, das nichts tut ausser davonlaufen, sobald man es von der Hand lässt. Ich hob sie in und aus ihrem Reifen, weil sie nicht zu bewegen war und hatte danach Rückenschmerzen. Nach der Arbeit ging ich wiederum in die Stadt, um Mariah zu treffen. Ich hatte sie seit der Arbeit in meinem ersten Projekt nicht mehr gesehen und sie dauernd versetzt, wenn sie mich treffen wollte. Sie kam eine halbe Stunde zu spät, dann brachte sie mich zum Kleidershop ihrer Schwester, wo diese auf mich einredete, ich solle in Kenia bleiben und ob ich ihr helfen könne, nach Europa zu kommen – denn Euopa sei so ein schönes Land - und dass ich am nächsten Wochenende zu ihr auf Besuch komme, das ist ein Befehl. Ich wollte dann los, um es doch nicht zu übertreiben mit den armen Nerven meiner Gastmutter strapazieren. Mariah brachte mich zum Matatu und kaufte mir unterwegs eine Art Pflaumen, die ich dann im Matatu ass, ohne sie zu waschen – ich war sooo hungrig. Es passierte nichts, auch wenn ich fest damit gerechnet hatte, zumindest Durchfall zu bekommen. Am Kiosk an der Strasse kaufte ich Fanta. Der Liter kostete mich 50 Bob, diese dumme Kuh bescheisst mich nun schon das zweite Mal, hatte auch schon Milch für 30 gekauft bei ihr. Bin selbst zu blöd, wieder an den selben Kiosk zu gehen, als hätte es nicht genug am Strassenrand. Aber egal, Esther freute sich riesig über die Fanta, God bless you! Ich war vor der Chege im Haus, aber es war knapp. 23.01.2008 Mittwoch Die Chege schrie am Morgen Esther an, weil sie nicht aufstand. Dabei hatte ich mit ihr vereinbart, dass sie bloss um 7 aufstehen muss, um mich aus dem Haus zu lassen und wieder abzuschliessen, denn ich kann den Tee kochen und das Frühstück bereitstellen, es macht keinen Sinn, wenn sie nur wegen mir um 6 aus dem Bett muss. Ich sagte das auch der Chege, doch die fuhr mir über den Mund, die Esther müsse um 6 auf, da beginne ihr Arbeitstag. Ich beginne, die Arbeit wirklich zu mögen. Auch mit Vivianne komme ich gut aus, wir können gut zusammen palavern. Sie will nicht, dass ich gehe, weil sie dann mit den Babies alleine ist. Aber eigentlich möchte sie selbst gehen, denn der Job ist schlecht bezahlt: 1000 Franken im Monat. In der Mittagsstunde zwischen 14 und 15 Uhr wenn die Kinder schlafen, basteln wir, es gibt immer etwas auszuschneiden oder anzumalen. Abuk, ein Mädchen, das nie tut was sie soll und weswegen ich sie mag, erledigt nie ihre Hausaufgaben. Ihre Eltern kontrollieren sie nicht und verstehen die Aufforderung der Schule dazu nicht, weil sie vom Sudan kommen und weder Kiswahili noch Englisch sprechen. Ich redete mit ihr, fragte, warum sie denn die Hausaufgaben nicht mache. Sie sagte, sie habe keinen Bleistift. Ich gab ihr einen Bleistift, einen dieser coolen Migrosbudget Bleistifte und liess sie mir versprechen, dass sie die Hausaufgaben machen wird. Mal sehen… Nach der Schule ging ich dann an Erins Abschiedsparty. In der Stadt attackierte mich Julia, sie hatte mich schon von Weitem gesehen – natürlich (= Wir gingen zusammen zu Mayas Haus, wo das Fest stattfand und wo schon ganz viele Leute da waren, zum Teil von ICYE, zum Teil Freunde von Kenia. Irgendjemand hatte Essen organisiert, es war toll. Auch endlich wieder Mal andere Austauscher zu sehen, zu tratschen und lästern, schön. Ich musste dann schon vor der Torte gehen, ich war wirklich spät dran. Heute hatte es nicht mehr so viele Leute auf dem Heimweg. Ich versteckte das Handy im Ärmel, Geld hatte ich fast keines dabei, und marschierte los. Auf einem Stück des Weges ging ich hinter einem Mann, der plötzlich langsamer wurde, auch von Hinten kam jemand an mich heran und ich dachte schon, jetzt passierts, denn genau so hatten sie es damals in Tanzania gemacht, mit einem Vorne und einem Hinten, als zwei Typen versuchten, Pedro und mich zu beklauen. Hatte ich ganz vergessen, dann habe ich ja doch ein ganz kleines bisschen Erfahrung wie alle anderen. Es passierte aber nichts, ich kam zu Hause an und rechnete mit Ärger, weil es schon nach 9 Uhr war, doch Patrick, der Priester Junge, war da und begann sofort ein Gespräch mit mir, so dass die Alte keine Chance bekam, mit mir zu reden. 24.01.2008 „Teacha! Teachaaa!! I DOED my homework!!!“ Awww, Abuk ist so süess, sie doed ihre Hausaufgaben. Bin stolz auf mich, so einfach war das! Ich habe schon ganz viele kleine Freunde. Die dicke Elsie zum Beispiel hört nur auf mich, wenn ich ihr sage, sie solle sich hinsetzen und dort bleiben, dann tut sie es. Auch das Baby Linett will nur mich. Sie schlief schon vor dem Mittagessen ein, und als wir sie dann weckten, war sie gar nicht gut gelaunt. Die Lehrer reichten sie herum, weil sie nicht aufhören wollte, zu weinen. Sie sagte immer zu: „ich will dich nicht“. Dann fragten sie, wer willst du? Und sie zeigte auf mich. Sie liess sich dann auch nicht füttern von den anderen und Beliné gab auf. Linett sagte, es sei heiss, und Beliné motze sie bloss an, das Essen sei nicht heiss. Linett aber meinte die Sonne, ich konnte das sehen, weil sie sich den Nacken rieb, wo die Sonne hin brannte. Ich setze sie in den Schatten an einen Tisch, gab ihr den Löffel und sie begann sogar selbst zu essen! Die Lehrerinnen hören einfach nicht auf sie, weil sie so klein ist. Doch sie spricht schon ganz gut, wenn auch nur Kiswahili und weiss, was sie will. Sie wollte zum Beispiel nicht in der Sonne stehen, als wir die Kinder in den Schulbus packten, um ins Schwimmbad zu fahren. Sie sagte wiederum, sie habe heiss, doch die Lehrerin zerrte sie zum Bus ohne hinzuhören, obwohl sie noch lange nicht einsteigen konnte. Natürlich wehrte sich die Kleine und begann, zu heulen. Sie wurde dann zu mir weitergereicht, ich brachte sie in den Schatten und alles war gut. Und ich brauchte sie dann nicht zurück zum Bus zu zerren sonder sagte ihr, dass wir jetzt IN den Bus gehen, wo es keine Sonne hat und sie war okay, denn auch verstehen tut sie alles ganz gut. Sie sagt auch selbst von sich, ICH BIN KEIN BABY, wenn die Leute „Hi Babyyyy“ zu ihr sagen. Alle lieben sie, weil sie so klein und süss ist. Schwimmbad. Erst einmal hatten wir ein Problem, loszufahren, weil Elsi in den höchsten Tönen schrie und plötzlich ganz aktiv wie nie zuvor um sich schlug. Auch ich konnte sie nicht beruhigen und hätte sie eh nicht auf dem Schoss halten können. Wir kamen dann aber an und dann begann die Vergewaltigung. Die Kinder wurden ins Wasser GEZWUNGEN! Die meisten wollten nicht, klammerten sich in panischer Angst an die Lehrerinnen und schrieen wie verrückt. Ich hatte mein Badekleid nicht und war ganz froh darüber, ich wollte nicht Teil dieser Folter sein. Abby, die sowieso schon immer heruntergemacht wird, weil sie so still ist und nie antwortet, ihr kleiner Bruder aber, der in der Babyklasse ist, schon ganz viel weiss und alles kann, ging plötzlich unter und musste an die Wasseroberfläche gezerrt werden. Natürlich hatte sie danach einen riesen Schock und ich fand, man hätte sie einfach in Ruhe lassen können, doch sie MUSSTE zurück ins Wasser, da konnte sie noch so kreischen. Ich war froh, als die Tortur endlich vorbei war und wir wieder in den Bus stiegen. Ich lud diesmal Elsi ein und sie schwieg, doch als sie mich dann absetzten, wollte sie auch aussteigen mit mir und begann wieder zu toben, weil sie zurückgehalten wurde. Keine Ahnung, wie es dann ausgegangen ist, ich machte mich aus dem Staub, damit sie mich nicht mehr sehen konnte. Zuhause sass ich eine Stunde vor dem Eingangstor, weil Esther nicht im Haus war. Ich hatte ihr angerufen und gefragt, wo sie sei und sie sagte, ich solle 10 Minuten warten… Sie war in Ngumo gewesen, keine Ahnung, wie sie den Weg in einer Stunde geschafft hat, aber sie war dann da. Ich machte mich ans Waschen, hatte mich natürlich nicht an meine eigene Regel gehalten und hatte wieder einen riesen Berg. Weil es das ganze Wochenende geregnet hatte, war South C bis ein Sumpf, bis heute, wo die Strassen nun endlich wieder getrocknet sind – jedenfalls die oberste Drecksschicht, es kann schon mal passieren, dass man einbricht. Ich hatte jeden Tag neue Jeans anziehen müssen, weil sie bis zu den Knien rauf verdreckt waren – nur vom zum Container laufen. Meine Schuhe hatte ich gar nicht mehr erst geputzt, auch wenn die Leute hier einen Fimmel haben, was Schuhe betrifft – die müssen immer blitzblank sein. Aber ich sah einfach keinen Sinn darin, jeden Abend den Dreck abzukratzen und dann am nächsten Tag nach fünf Minuten ausser Haus die gleiche Drecksschicht wieder am Schuh zu haben. Aber auch das tat ich heute, Schuhe schrubben. Die Alte kam nach Hause und fragte, ob mich Kerubo angerufen habe. Warum, fragte ich. Sie habe mit Kerubo gesprochen, weil ich um 9 nach Hause gekommen sei, das gäbe es hier nicht. Auch ihre Töchter seien nie so spät gekommen, und die haben sogar 4 Auszeichnungen (???). Ich fragte, ob ich dann in der Stadt bleiben und bei Freunden übernachten soll. Nein. Was ich denn tun soll, ich wolle doch mit meinen Freunden sprechen. Sie wisse auch nicht, was ich tun soll, aber ich müsse früh nach Hause kommen. Das könne ich nicht. Doch, das könne ich, ich brauche schliesslich nicht mit meinen Freunden zu sprechen!! Hahaha. Im Gegensatz zu ihr habe ich Freunde (das sagte ich nicht). Regeln in diesem Haus hätten schon immer bestanden und ändern nicht, ich sei ein Mädchen. Und wenn ich mich nicht daran halte, dann solle ich besser gehen (ja bitte). Und sie kenne die Kerubo (warum sagt sie mir das) sie sei wie eine Mutter für sie gewesen, als sie noch zur Schule gingen (aha). Sie ging dann nach Oben, um Kerubo anzurufen, nehme ich an, denn kaum war sie wieder Unten, läutete mein Handy. Kerubo. Sie sagte, ich müsse mich an die Regeln halten, weil es jetzt nicht sicher sei draussen und dass sie wolle, dass ich mit der Chege wohne und dass wir gut auskämen. Ich hatte wieder mal keine Chance, und schon gar nicht am Telefon. Die Chege und die Kerubo sind alle beide vom gleichen Schlag, die reden und reden und hören nie zu. Ich liess es gut sein für den Moment, ich werde mir Hilfe holen und aufs Office gehen, um die Sache auszudiskutieren. 25.01.2008 Freitag „Esther! Eeesther!“ schrie die Alte vom oberen Stockwerk runter. Esther und ich sassen beim Frühstück, kurz nach 6am. Esther geht, kommt mit einem Stück Papier zurück und reicht es mir: 25 – Jan 08 Good morning. As I told you in my house Girls do not come home late. IF you must come at 9pm, please tell Kerubo to get you else where. I own the house and must be respected Your Host M. Chege (mrs) I was asked out of respect and your staying with me is not a must. Fast wäre ich zu spät aus dem Haus gekommen, so lange brauchte ich, um das Gekrakel zu entziffern. Good morning! Sie weiss nicht mal meinen Namen. Und geschrieben hat sie, weil sie glaubt, dass ich kein Englisch spreche. Ich wartete wie die ganze Woche 40 Minuten auf den Bus. Das wird langsam anstrengend, ich werde fragen, ob ich später bereit sein kann, Richard kann die Route ja selbst bestimmen und später bei Container vorbeifahren, falls es mal ausnahmsweise weniger Stau hat und er früher dran ist. Richard war aber heute nicht da, ein anderer Driva, der keine Ahnung hatte, wo die Kinder wohnen. Von mir wurde dann erwartet, dass ich ihm den Weg weisen konnte, und für dass ich erst ein paar Tage im Bus mitfahre, tat ich meinen Job ganz gut. Eines der älteren Mädchen hatte sich gestern im Schulbus übergeben und es stinkt immer noch nach Erbrochenem – jedes Mal wenn ich die Tür öffne und ein Luftstrom herein schwappt, steigt uns allen der Geruch in die Nase. Heute kam wieder ein neues Kind, Kimberly. Sie ist ein Rowdie, entreisst den anderen Kindern das Spielzeug und prügelt auf sie ein, wenn diese es sich zurückholen wollen. Mit ihr werden wir was zu tun haben. Aber auch sie wird sich eingewöhnen, wie Elsie, die inzwischen schon in die Hände klatscht, wenn wir Lieder singen und mit den anderen Kindern mit rennt, stellt euch vor! Freitags und Montags gibt es immer Chai in der Pause von 10 bis 10.30 und Mandazi, diese leckeren Teigbrötchen. Dienstag bis Donnerstag gibt es in der Pause Uji, Porridge. Aber ich liebe ihn hier, er ist nicht so scheusslich wie im ersten Projekt, sondern süss, mit Zimt und Zitrone. Ich ging nach der Schule in die Stadt, meine Leute treffen und war um 20.00 Uhr zu Hause. Die Chege sagte nichts. Ich fragte sie, ob ich Toilettenpapier haben könne – auf dem Klo, das Esther und ich benutzen, hat es seit 3 Tagen keines mehr gehabt! Sie konnte schlecht nein sagen (=

26.1.08 11:54

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