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29.09 - 08.10.2007

29.09.2007

 

Ich dachte, es sei kurz vor oder nach sechs Uhr as usually wenn ich erwache, doch es war tatsächlich schon 8! Raus aus dem Bett, Kleider zusammengesucht und nach draussen, um zu waschen – doch es regnete! Also verbrachte ich den Morgen mit Janet – ein UNO nach dem anderen, bis sie von Gladis den Befehl bekam, Schuhe zu putzen. Ich bot ihr meine Hilfe an und so putze schliesslich ich die Schuhe, während Janet mir wortreich erklärte, wie es gemacht werden muss.

Gegen Mittag fuhr ich dann in die Stadt (und konnte es einfach nicht unterlassen, unterwegs im Sarit Centre einen Jamdoughnut zu verspeisen).

Ich traf mich mit Lynn aus England, wir gingen Mittagessen und anschliessend ins Internetkaffee, wo ich nach einer Woche endlich wieder mal meine Mails abrufen konnte. Ausserdem funktionierte auf dem PC, an dem ich sass, Internet UND msn Messanger – o Wunder. Normalerweise muss ich wählen, ob ich ins Internet will oder in den Chat. So konnte ich nun heute mit Marius und Tobias „sprechen“, ich hatte meinen Spass, liebe Brüder, danke! (Und ich vermisse euch beide und bin jetzt bereit, das zuzugeben, hihi).

Im Java Kaffeehaus trafen Lynn und ich auf Erin, Christin und eine andere Frau aus Deutschland, die ebenfalls als Volontärin hier ist und ihren fünfjährigen Sohn mitgebracht hatte, der nun in den Kindergarten geht, wo sie arbeitet. Der Kleine macht sich ganz gut hier, er ist überhaupt nicht scheu, springt auf alle zu und lallt sein „Good morning, how are you?“.

 

Ich ging dann nach Hause, vom schlechten Gewissen geplagt, weil ich meiner Gastfamilie noch nicht gesagt hatte, dass ich morgen ausziehen werde und wusste, wie sehr ich Janet verletzten würde. Sie ist noch zu klein um Verdacht zu schöpfen und war einfach nur glücklich über die riesige Portion Pommes, die ich ihr mitbrachte.

Als wir dann alle nach dem Essen vor dem Fernseher sassen (wir können jetzt dort sitzen, weil der Vater ja nicht mehr daheim ist), zeigte ich meiner Gastmutter Kerubos SMS. Sie hatte mir geschrieben, dass sie mich morgens um 14.30 Uhr abholen und in die neue Gastfamilie bringen wird. Janet begann zu weinen und ich fühlte mich mies. Es ist wirklich langweilig für sie, sie ist ständig unter Erwachsenen, und wenn ich gehe, hat sie nicht einmal mehr jemand, der mit ihr spielt. Ich sagte, ich würde sie nächstes Wochenende abholen, um mit ihr in der Stadt Pommes und Hotdog zu essen, doch sie ist immer noch wütend auf mich /=

Meine Gastmutter erklärte, dies werde immer noch mein Zuhause bleiben und wenn meine Eltern nach Kenia komme, werde ich sie sofort hier her bringen und sie werden hier wohnen, bis sie wieder gehen. Habt ihr gehört? Gut, auf Besuch hierher müsst ihr dann schon kommen, damit ihr diese Leute mal live erlebt (=

Und ausserdem muss ich anscheinend im Dezember mit ihnen aufs Land in ihr zweites Zuhause dort, doch ich glaube eher nicht, wo ich mich dazu zwingen lasse…

Dann brach auch noch die Hölle los, weil Erics Arbeit immer noch nicht gedruckt ist und die Gastmutter drohte mir, ich MÜSSE das morgen tun, sonst bestehe er das College nicht! Als wäre es mein Fehler, dass ihr Drucker nicht funktioniert, und überhaupt; ohne mich hätte er nach all den Wochen vielleicht 8 Seiten geschafft! Ich machte ihnen jedoch klar, dass ich nicht bereit war, zu bezahlen und liess mir Geld geben. Hilfe, meine Gastmutter ist wirklich ein Drache, wie die die Augen aufreissen kann! Habe wirklich fast Angst bekommen (;

 

30.09.2007

 

Um 8 Uhr Morgens traf ich mich mit Erin, Lisa, Malena und Christin beim Hilton, und zusammen machten wir uns auf den Weg zu meiner Kontaktperson Kennedy nach Hause, um zu frühstücken. Seine Schwestern hatten French Toast für uns gemacht, dazu heisse Schokolade oder Kaffee – ich wollte für immer dort bleiben. Zwei Stunden später gingen wir dann wieder zurück in die Stadt -  die anderen wollten irgendwo verwaiste Babyelefanten besuchen gehen. Ich konnte nicht mit, weil ich mich ja mit Eric treffen musste, um seine Arbeit zu drucken. Meine Bedingung war, dass er wenigstens selbst in die Stadt kam, obwohl mir die Familie aufgetragen hatte, die Blätter zu drucken und heim zu bringen. Jedenfalls tauchte Eric nicht auf und ich ging nach Hause zurück – ohne die Arbeit. Erics Schwester Risper war ganz schön wütend, doch ich liess mich nicht aus der Ruhe bringen. Die müssen gar nicht meinen! Wenn es Eric nicht wichtig genug ist, sich seine Arbeit zumindest abzuholen, dann ist es ihm sowieso nicht wirklich darum, das College zu bestehen.

Ich packte dann die wenigen Sachen, die nicht schon sowieso im Koffer waren und war um 13.00 bereit. Kerubo kam nicht, ich sass mit der Grossmutter vor dem Fernseher und amüsierte mich köstlich, als sie sich quietschend an mich klammerte, weil sich so ein verrückter Typ im TV eine Schlange in den Mund stopfte (= Eine halbe Stunde später tauchte Kerubos Ehemann auf und holte mich mit dem Auto ab. Die Grossmutter sagte, sie werde mich vermissen, ich versprach, bald wieder zu kommen und weg war ich.

Weil Kerubo noch in einem Meeting bzw. in der Kirche war, fuhren wir erst zu ihr nach Hause, wo ich zwei Stunden vor dem Fernseher platziert wurde. Der Präsident Kibaki versucht im Moment gerade, sich mit speziellen Anlässen und Veranstaltungen die Widerwahl zu sichern, doch die jungen Leute hier haben genug von den alten Knackern, die nicht ihre Interessen vertreten und wollen endlich junge Leute in der Regierung. Auf jedem Kanal das selbe Szenario: wartende Menschen in einem Stadion Nairobis. Wenigstens sass ich heute auf einem bequemen Sofa – ich konnte ja noch nicht ahnen, dass ich mir noch früh genug wie all diese Leute im TV den Hintern auf einer unbequemen Holzbank wund sitzen würde, nur um den Präsident zu sehen…

Wir verliessen dann Kerubos trautes Heim – eine so sehr im westlichen Stil eingerichtete Wohnung habe ich noch nie zuvor gesehen in Kenia und werde ich wohl auch nie mehr sehen, jetzt weiss ich, wo das Geld hingeht, das wir ICYE bezahlen – holten Kerubo von der Kirche ab und fuhren zu Emma, meiner neuen „Gastfamilie“.

Emma ist 26, arbeitet in der Tourismusbranche und geht nebenbei dreimal die Woche abends aufs College, wo sie Wirtschaft studiert. Die Wohnung besteht aus einem kleinen Wohnzimmer mit flimmerndem TV, ein kleines Schlafzimmer, einer Küche mit einem Gas- und einem Parafinkoffer, einem kleinen Hinterhof und in einem weiteren Raum mit Trennwand die Toilette und ein Wasserhahn – das Badezimmer.

Kerubo erklärte Emma, dass ich alles essen werde was sie esse, dass sie der Boss im Haus sei und mir halt sagen müsse, was zu tun sei, dass ich in ein gutes Krankenhaus gebracht werden müsse, wenn ich krank sei und ob sie noch Fragen habe. Aus diesem Gespräch schloss ich, dass Kerubo Emma davor noch nicht getroffen hatte, wie sie es mir gesagt hatte und eigentlich hätte tun sollen. Auch die Wohnung hatte sie sich nicht angeschaut, denn sonst hätte sie gewusst, dass meine einzige Bedingung – zumindest ein eigenes Bett zu haben – nicht erfüllt werden würde.

Doch das war mir nun egal. Ich mochte Emma von Anfang an und sagte, es sei okay, mit ihr das Doppelbett zu teilen. Es gibt ein anderes kleines Bett, doch es ist nicht bequem, findet als Ablagefläche bessere Verwendung und überhaupt –das Bett sei zu gross für Emma alleine.

Emmas Verlobter ist für ein Jahr in Dubai, wo er als Housekeeper arbeitet. Sein Bruder Gerard ist unser Nachbar und zudem ein Cousin von Kerubo, wenn ich das richtig verstanden habe. Anyway, er wurde beauftragt, mir den Weg zur Arbeit zu zeigen. Emma schlug vor, Gerard werde mich die ersten zwei Monate begleiten, doch Kerubo fand, die ersten zwei Tage würden ausreichen, um mich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen, und für einmal stimmte ich mit ihr überein. Emma und Gerard führten mich dann durch die Nachbarschaft (niemand beachtete mich, unglaublich angenehm) und brachten die Hausschlüssel zu einem Schlüsselschneider, um Kopien für mich herzustellen. Dann gingen wir zu Gerard nach Hause, wo wir einen amerikanischen Film schauten. Ich hatte das echt vermisst – „richtige“ Filme, ich meine Filme, in denen eine gewisse schauspielerische Leistung erbracht wird (= Ausserdem ist Gerards Fernseher riesig und flimmert nicht *gg. Emmas beste Freundin, Millicent (ich hoffe, das schreibt sich so, doch sie wird sowieso nur Mili gerufen), gesellte sich etwas später zu uns und löste eine Diskussion über die verschiedenen Stämme Kenias aus. Sie findet, die Luos sprechen die schönste Sprache (sie ist Luo), doch Emma, eine Kamba, war anderer Meinung und Gerard, ein Kisii durfte gar nichts sagen. Ich als Muzungu hörte nur zu und hatte meinen Spass.

Gegen sieben Uhr gingen wir zurück in Emmas Haus, wo sie die Anzüge ihres Verlobten aus dem Schrank räumte, um für mich Platz zu schaffen. Sie trug mir auf, auszupacken, während sie Abendessen kochte. Ich habe nun etwa 10 Kleiderbügel und konnte endlich meinen Koffer ausräumen. Das Essen war einfach köstlich – Reis und Fleisch an einer würzigen Sauce – darum verkraftete ich auch ganz gut, dass in Emmas TV die gleichen dummen Soaps laufen. Doch sie mag sie auch nicht und schaut nur, weil sie keine anderen Sender hat (= Emma und ich zeigten uns dann noch gegenseitig Fotos von unserer Familie – auch sie hat nur zwei Geschwister, einen Bruder und eine Schwester – und gingen dann schlafen.

 

1.10.2007

 

Eine neue Woche, ein neuer Monat, ein neuer Anfang.

 

Ich erwachte nur so halbwegs, als Emma um kurz nach fünf aufstand um zur Arbeit zu gehen. Ich selbst war um acht Uhr bereit, als Gerard auftauchte, um mich abzuholen. Er ist übrigens Arbeitslos, darum wohl ganz froh, etwas zu tun zu haben. Nachdem er das College abgebrochen hatte, versuchte er sich eine Weile als Matatukondukteur, liess aber dann auch das sein, weil ihm diese Arbeit keinen Spass machte. Jetzt tut er gar nichts und weiss auch nicht, was er tun möchte…

 

Maria tauchte heute nicht auf, also gab es etwas mehr Arbeit für mich – ich war ganz froh darüber. Ein neues Baby, Brenda, die am ganzen Körper ein ziemlich hässliches Ekzem hat, das weh tun oder zumindest jucken muss und irgendwie ansteckend aussieht, war heute in Projekt und schrie den ganzen Tag.

 

Um 16 Uhr stand ich draussen vor dem Projekt, wo ich auf Gerard wartete. Ich dachte erst, ich würde den Heimweg selbst finden, gab aber dann zu, dass es doch ganz nett wäre, wenn er mich abholen käme.

Ziwani ist keine angenehme Gegend. In dieser halben Stunde, wo ich draussen wartete, fragten mich drei Leute für Geld, lud mich eine Gruppe alter Männer zu ihnen nach Hause ein und pfiffen mir rund 10 weitere Typen zu. Dann hielt endlich ein Matatu und der Kondukteur schrie zu mir herüber, die Muzungu solle sich gefälligst beeilen und hier einsteigen. Ich wehrte mich, obwohl es die richtige Nummer gewesen wäre, weil ich ja auf Gerard wartete, bis ich begriff, dass er bereits im Matatu sass (=

Wir fuhren nach Hause und schauten uns Border town an, ein Film mit Jennifer Lopez, die in Mexiko die Vergewaltigungen und anschliessenden Morde an hunderten von Fabrikarbeiterinnen aufzuklären hatte. Die Frauen fuhren abends mit dem Bus nachhause, und sobald nur noch eine im Bus verblieb, wurde sie jeweils vom Fahrer gefragt, ob es ihr was ausmache, wenn er tanken gehe. Dann fuhr der Chauffeur den Bus aus der Stadt hinaus ins Niemandsland, wo ein Kumpel auf ihn wartete… (Ihr werdet später sehen, warum diese Details „wichtig“ sind *gg).

Mein Handy hatte aus Akkumangel den Geist aufgegeben, ohne dass ich es bemerkt hatte, und so bekam Gerard einen aufgebrachten Anruf von Emma, ob es mir gut gehe und wo ich denn sei und dass es ihr leid tue, dass sie mir nicht gezeigt hatte, wie der Kocher funktioniert und ich kaltes Wasser zum „Duschen“ gebrauchen musste im Morgen und dass ich doch hoffentlich nicht krank geworden sei davon. Ich eilte nach Hause und es tat mir sehr leid, sie so aufgebracht zu haben und gleichzeitig tat es mir sehr gut, dass sie so rührend besorgt war.

Wir wärmten das Essen vom Vortag und schauten Little Miss Sunshine, bevor wir schlafen gingen.

 

2.10.2007

 

Diesen Morgen erwachte ich, weil plötzlich ein Mann im Schlafzimmer herumrumorten. Emma sagte, ich solle weiterschlafen, das sei nur ein weiterer Bruder ihres Verlobten, der ein paar Dinge abhole. Also schlief ich weiter.

Um acht Uhr stand ich an der Strasse und stieg in eines der raren Matatus Nummer 8b nach Ziwani. Wir fuhren eine Weile, dann starb der Motor ab und ein paar Männer mussten aussteigen, um den Wagen wieder anzuschieben (kommt dir das bekannt vor, Latschgä? Hihi). Die Fahrt ging ohne weitere Zwischenfälle weiter – bis sie dann plötzlich zu Ende war, ohne dass wir das San Bridgets Hospital, wo ich hätte aussteigen sollen, passiert hatten. Alle Leute stiegen aus, nur verblieb allein und nur ganz leicht ratlos im Bus (hier an die Details aus dem Film denken…mir jedenfalls kamen sie in diesem Moment in den Sinn *chch). Der Kondukteur fragte mich, was mit mir sei und wo ich hin wolle, ich sagte es ihm und er brachte mich zu Fuss zum Projekt. Ich kam total ausser Atem dort an, denn der Typ marschierte im Stechschritt durch die Strassen. Doch ich verzieh im das breitwillig, wenn er ja schon so unglaublich freundlich und hilfsbereit war, und mir nicht nur den Weg zeigte, sondern ihn auch noch mit mir ging, damit ich auch sicher ankomme!

 

Weder Betty noch Maria waren in der Baby Care Baracke, dafür eine Frau Namens Cheroque, die froh war, dass ich da war, weil ich die Kinder kannte und sie sich allein leicht gestresst fühlte. Dann bekam ich aber einen Anruf von Maria, warum ich nicht bei dem Training sei, von dem mir Angelina (die Projektleiterin) letzte Woche erzählt hatte… Ach richtig, Angelina war irgendwann mal da gewesen und hatte gesagt, sie würde zurückkommen und mir die Details durchgeben. Sie kam nie, und ich vergass es. Und auch wenn ich es nicht vergessen hätte; wie sollte ich wissen, wo ich hin musste. Es brach dann ein ziemliches Chaos mit viel herumgetelefoniere aus, denn Betty und Maria wollten unbedingt, dass ich dort hingehe, Angelina anscheinend auch, doch Cheroque wollte mich bei den Kindern behalten. Maria rief wider an und sagte, ich solle zu …..( hier sollte der Name des Ortes oder was auch immer sie meinte stehen, doch ich verstand sie nicht) kommen. Ich sagte okay, aber WO das denn sei. Maria sagte „jaja, komm zu …. wir holen dich dort ab. Okay, aber WOOOO? Jaja, bis später. Ich gab auf. Etwas später wurde ich von Avey abgeholt, der mich in die Stadt brachte. Avey ist eigentlich ein ganz netter Typ, doch da ich oft sowieso schon Mühe habe, neben der dröhnend lauten Musik in den Matatus ein Gespräch zu führen, wurde es mit Avey besonders kompliziert, denn er hat eine Hasenscharte und kann nur sehr undeutlich sprechen. Ich profitierte sehr davon, dass ich das Frage-Antwort-Spiel inzwischen so ziemlich auswendig kenne (How do you like Kenya. When did you arrive? Have you been to the coast? usw).

 

Ungefähr eine Stunde zu spät (doch ich war nicht die Letzte, die ankam, hihi), setzte ich mich neben Maria und Betty in ein Klassenzimmer. Ein Amerikaner erzählte uns einen Tag lang, wie Kindertagesstätten überall auf der Welt funktionieren, was bei der Einrichtung eines Kinderhortes zu beachten sei usw. Und all das sollte den Leuten hier in Kenia helfen, als hätten sie genügend Geld zur Verfügung, um sich über Dinge wie Pflanzen zur angenehmeren Raumgestaltung Gedanken zu machen. Oder um Erhöhungen im Raum, um verschiedene Ebenen zu schaffen?? Ich meine, die sind hier schon froh, wenn sie für 30 Kinder ein paar Quadratmeter zur Verfügung haben. Ich fühlte mich wie zurück in der Schule und nahm fleissig Notizen in einem wilden Durcheinander aus Englisch und Deutsch. Der Anfang war eigentlich ganz Interessant, auch wenn ich all die Pädagogen und Pädagoginnen, die vorgestellt wurden, schon kannte. Es gibt anscheinend viele Kinderhorte, die vorgeben, nach Maria Montessoris Prinzipien zu erziehen und daher von den Eltern mehr Geld verlangen können, nur weil die diesen Namen schon gehört haben und glauben, ihre Kinder in guten Händen zu lassen. Im Kinderhort selbst finden sich dann aber wenige oder keine der 40 typischen Montessori Materialien, was die Eltern jedoch nicht wissen können…

Jedenfalls bekamen wir am Ende des Trainings alle ein Certificate of Participation, conducted by the International Child Resource Institute mit unserem Namen drauf. Hier bekommt man für alles Mögliche so ein A4 grosses Stück Pergament, ich hatte ein paar von Janet gesehen, die sie für Aufführungen mit ihrer Klasse von der Schule bekommen hat. Mir bringt der Zettel wohl nichts, doch Maria sagte, sie könne den bei einer Stellensuche vorweisen, das Zertifikat ist also wertvoll.

Es war schon 17 Uhr, als das Training endete, ich war todmüde und ich hatte keine Ahnung, wo ich ein Matatu von der Stadt aus zurück nach Hause nehmen konnte. Auch Maria wusste es nicht, und sie interessierte sich sowieso mehr dafür, über Cheroque abzulästern, die nicht wollte, dass ich in dieses Training komme, nur weil sie einen angenehmen Tag und mich die Arbeit tun lassen wollte…

Also musste ich zurück zum Projekt, weil ich von dort her zu wissen glaubte, wie ich heim käme. Um diese Zeit ist es sowieso schwierig mit den Matatus, weil ALLE nach Hause wollen, und so war es 18 Uhr, als ich vor dem Projekt auf der Strasse stand. Es wurde langsam dunkel und ich wusste nicht, ob ich sehen würde, wo ich auszusteigen hatte, denn ich war auf die aufgemalten Werbungen an den Häusern angewiesen, um zu wissen, wo ich mich jeweils befand. So muss ich an einer Kreuzung raus, wo ein Haus auf der einen Seite mit einem riesigen Kübel Kochfett bemalt ist, auf der anderen Strassenseite das Gemälde eines tanzenden Teebeutels die Fassade verziert und an einem dritten Haus zwei Meter grosse bunte Flaschen Fruchtsaft aufgemalt sind.

Ich wartete etwa 5 Minuten, dann hielte ein Auto neben mir und ein Ehepaar fragte, ob ich ein Problem habe. Neinnein, ich warte auf mein Matatu. Get the hell in the car! Es sei gefährlich, hier zu stehen, all die Leute, die da die Strasse rauf kommen, haben keinen Job und werden mir was antun. Ich zögerte, stieg ein, liess mich ein paar Meter die Strasse herunterfahren und fand heraus, dass ich nicht in Ngara wohne, wie mir Kerubo gesagte hatte. Denn als mich die beiden im Auto fragten, wo ich hinwolle und ich mit Ngara antworteten und dass ich Nummer 8b nehmen müsse, sagten sie, Ngara sei in die andere Richtung. Egal, dann halt nicht Ngara, aber 8b. Sie liessen mich dann stehen und ich wartete, nun wurde es WIRKLICH dunkel. Als dann endlich eine 8b auftauchte, drängten sich eine riesige Menschentraube auf den winzigen Bus zu. Ich geriet nun langsam in Panik und prügelte mir den Weg ins Matatu, ich MUSSTE einfach da rein! Los ging die Fahrt, ich sah tatsächlich noch gerade knapp, wo ich abspringen musste und marschierte im Dunkeln zum Haus. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird auch diese freundliche Gegend hier unangenehm… die Leute begannen mir nachzurufen, ich ignorierte alle, stolperte im Stechschritt weiter, schloss mit zitternden Fingern die beiden Türen auf, schloss hinter mir ab und begann zu heulen vor Erleichterung (= Es war das erste Mal, dass ich wirklich Angst gehabt hatte und mir nicht mehr so sicher gewesen war, dass ich so unbreakable bin.

 

Emma sagte, heute müssten wir die Leber fertig essen. Hatte sie mir wirklich sagen müssen, was es war, ich hatte das Fleisch zuvor gemocht *lol.

 

3.10.2007

 

Diesen Morgen fand ich meinen Weg ins Projekt, weil ich nun wusste, welchen Weg ich zu gehen hatte – das Matatu hielt nämlich an derselben Stelle wie am Vortag.

Ich kam ins Projekt und Cheroque fragte, ob ich bereit sei, wir müssten los. Sure, bin bereit, aber öööh, wohin gehen wir? Trade Show. Gut, dass ich immer im Voraus informiert werde. Mit Angelina und Cheroque fuhr ich also erst in die Stadt und dann mit einem anderen Bus weiter bis zur Endstation: „This area is called Kibera, it’s the biggest slum in Nairobi, lets go!“.

Die Trade Show ist etwas zwischen Bea und Expo. Neben Tiershows und Wettbewerben werden einheimische Pflanzen ausgestellt und jegliche Ministerien Kenias haben ihre Stände auf dem Gelände zwischen Restaurants und Fastfood Buden. Angelina hatte ebenfalls einen Stand mit eine Menge Hefte zu Familienplanung und Aids. Ich bekam ein T-Shirt in dem es auf Kiswahili „zusammen gegen Aids“ hiess. Cheroque wollte, dass ich den Präsidenten sehe, der heute die Trade fair offiziell eröffnen sollte. Also sassen wir so ziemlich den ganzen Tag auf schrägen Holzbänken in der prallen Sonne, die gegen Mittag doch noch durch die Wolken brach und beobachteten die relativ öden Darbietungen der kenianischen Polizei hoch zu Ross. Auch wer Pferde mag, hat irgendwann mal genug davon, zuzuschauen, wie sie im Kreis herumgaloppieren. Auch die anschliessende Musikkapelle wurde nach einer halben Stunde langweilig, dann folgten Tanzauftritte – traditionelle Tänze verschiedener Stämme Kenias. Das war ganz interessant und schön anzusehen – nur leider sehr weit weg… Wir beschlossen dann, aus dem Stadion heraus zu gehen und etwas zu Essen – es war schon später Nachmittag – doch da wurden plötzlich die Tore geschlossen und niemand durfte mehr heraus. Gut, das bedeutet dann wohl, dass der Präsident im Anmarsch ist… doch wir warteten noch mindestens eineinhalb Stunden, bis er dann ENDLICH kam. Kibaki drehte zu Fuss eine Runde durch die ganze Arena und liess sich bejubeln. Wow, ich habe noch nie zuvor ein Mensch gesehen.

Als Musik einsetzte, riss mich Cheroque von meiner Bank hoch, an der ich inzwischen angewachsen zu sein schien, denn die Nationalhymne wurde gespielt. Man muss sogar aufstehen, wenn die im TV gespielt wird.

Plötzlich ertönte das Brummen eines Flugzeuges über unseren Köpfen und das ganze Stadion begann aufgeregt herumzuhüpfen: Zwölf Fallschirmspringer stürzten sich aus dem Flugzeug, drehten bunt gefärbte Rauchstreifen hinter sich herziehend ein paar Runden über dem Stadion und landeten dann einer nach dem anderen in der Arena – und zwar jeder zweite mehr oder weniger Kopfüber. Es sah wirklich brutal aus, und das Publikum schrie jedes Mal mitleidig auf (und Cheroque, die sich vor Begeisterung an mich klammerte, quetschte mir fast den Arm ab).

Nachdem auch der letzte Fallschirmspringer bruchgelandet war, fand Cheroque, dass wir das Stadion endlich verlassen können, denn nun würden nur noch eine Rede nach der anderen Folgen, und auch sie wollte nicht zuhören. Doch bis auf einen kleinen Seiteneingang waren die Tore immer noch geschlossen, und eine ganze Menge anderer Leute hatten die selben Pläne wie Cheroque und ich: raus. (Das Gedränge war schlimmer als das Anstehen fürs Simple Plan Konzert, Latschgä, kannst du dir das vorstellen?? *gg). Wir schafften es dennoch, und ich war tatsächlich noch im Besitz meiner Tasche UND meines Handys.

Neben Angelinas Stand diskutierte ein Moderator mit einem Typen, der gegen Kondome war, liess aber von ihm ab, als er mich sah. Ich schlüpfte zu Angelina hinter den Stand, doch der Moderator kämpfte sich den Weg zu mir durch. Nun musste ich all den Leuten um uns herum erzählen, was ich über Aids wusste, wie es mit Aids in der Schweiz so sei, und was ich den Kenianern rate, um das Problem hier einzudämmen. Als er dann wissen wollte, welche Art von Kondomen ich bevorzuge, forderte ihn Angelina endlich auf, sich zum nächsten Stand zu scheren.

Cheroque blieb am Stand zurück, Angelina und ich machten uns auf den Heimweg. Obwohl ich Gerard geschrieben hatte, ich sei wieder in der Stadt und ob er mir sagen könne, wo ich die Matatus von dort aus nehmen konnte, war mir nicht so wohl, mir sass immer noch der Schrecken vom Vortag im Nacken und es war schon wieder spät – würde also wieder dunkel sein, wenn ich ankommen würde. Angelina brachte mich zum Matatu, telefonierte mit Gerard, er solle an der Strasse auf mich warten und trug dem Kondukteur auf, mich an der richtigen Stelle abzusetzen. Dieser nahm seinen Job todernst, er setzte sich neben mich und liess mich nicht aussteigen, als wir in die Strasse vor Emmas Haus einbogen und ich raus wollte, weil ich wusste, wo ich war. Am Ende der Strasse durfte ich dann aussteigen. Gerard wartete schon und wir gingen Fernsehen – mittwochs laufen für ein paar rare Stunden jeweils Rockmusikclips, das muss man schon ausnützen in diesem HipHopträchtigen Land.

Ich liess mich später zu Emmas Haus eskortieren, wo Mili bereits wartete. Sie hat jeweils am Donnerstag frei und würde darum heute hier schlafen. Wir rüsteten zusammen Kartoffeln und als sie sah, wie sehr ich mich mit dem riesigen Messer abmühte, stellte sie nur fest, dass ich mir wohl nicht gewöhnt sei, mit dem Messer zu rüsten, aber es schnell lernen würde. Ich hätte sie küssen können dafür. Die Leute hier sind so anders, sie wissen nicht nur, dass ich von anderswo herkomme, sondern verstehen und akzeptieren es irgendwie auch – und glauben, dass ich alles lernen kann, anstatt einfach über mich den Kopf zu schütteln oder zu lachen.

 

4.10.2007

 

Diesen Morgen vermisste ich es schon fast, allein zu sein. Es ist so toll, nach so langer Zeit mal unbeobachtet zu sein. Die vergangenen Morgen hatte ich unglaublich genossen, mit einer Tasse Kaffee ein oder zwei Folgen der Serie Friends zu schauen, bevor ich ins Projekt ging. Wenn ich einmal wieder in die Stadt komme, kaufe ich Brot und Butter, doch ich komme ganz gut zurecht mit dem Kaffee, und wenige Stunden später bekomme ich ja meinen Becher Uji und bin dann satt bis zum Mittagessen.

Das Matatu setzte mich irgendwo ab, jedenfalls nicht an der selben Stelle wie an den Vortagen und ich marschierte etwa fünf Minuten eine schäbige Strasse entlang und überlegte, was ich jetzt tun sollte. Schliesslich fragte ich eine Frau, welches Matatu in die Stadt fährt, würde ich halt erst mal dort hin gehen. Ich stieg in eine Nummer 4, die zu hinterst noch einen Platz frei hatte und prügelte mir dann nach fünfminütiger Fahrt den Weg nach draussen, weil ich das San Bridgid’s Hospital sichtete.

Heute war Maria an der Reihe, Angelina an die Trade Show zu begleiten, also waren wir nur zu zweit. Ausserdem war die Köchin des Projektes nicht da, weil jemand in ihrer Verwandtschaft gestorben ist und sie zur Beerdingung in ihre Heimat aufs Land gefahren ist. Eine Frau namens Catharina, die sie eigentlich vertreten sollte, gab vor, nicht zu wissen, wie man Ugali für viele Leute kocht (das musste eine Lüge sein, sie wurde hier geboren!!) und so musste Betty kochen, während ich mit dem neuen schreienden Baby (das mit dem Ekzem) auf dem einen Arm versuchte, zehn andere Kinder in den Griff zu kriegen. Diese schlauen kleinen Monster sind die reinsten Engel, solange Betty im Raum ist, doch sie nützen es schamlos aus, dass ich neu bin und keine Ahnung habe. Sie stossen alles mit Absicht um, kippen die Hafen aus, versuchen die Tür aufzudrücken und nach draussen zu gelangen, klettern auf den Betten herum, bis sie herunterfallen, nehmen einander das Spielzeug weg uuuund so weiter.

Ich war völlig k.o, als die Kinder dann endlich im Bett waren (bis auf Brenda, die immer noch schrie) – doch nicht so die Kinder selbst. Weil Catharina auch vorgab, nicht zu wissen, wie das Geschirr abzuwaschen sei, musste ihr Betty wiederum helfen, war also wieder nicht da und mein „Funga maji na lala“ (Schliess die Augen und schlaf), wurde frischfröhlich ignoriert.

Jetzt wo ich wusste, wo ich ins Matatu nach Hause steigen konnte, wollte ich nach der Arbeit in die Stadt und es stresste mich ungemein, dass ich ununterbrochen Brenda herumtrug (ja, meine Arme begannen langsam abzusterben, doch ich glaube nicht, wo das Baby aus Mitleid mit mir heulte), der Betty die nassen Windeln ausgezogen hatte. Ich rechnete jeden Moment damit, dass sie mich anpinkeln würde, was sie aber glücklicherweise unterliess.

Noch ein Wort zu Windeln. Pampers gibt es nicht, die Windeln bestehen aus einem Tuch, das gefaltet (ich weiss aus meiner Bäbizeit her immer noch, wie das funktionier *gg) und mit einem Gummi festgeklammert wird. Dann kommt ein dreieckiges Stück Plastik darum. Das ganze leckt schon beim winzigsten Pipi…

 

Um 16.00 ging ich in die Stadt, obwohl ich ein schlechtes Gewissen hatte, Betty allein zu lassen. Ich traf mich mit Omo, wir gingen in das Restaurant seiner Freunde und tranken Soda und dann liess ich mich zurück zum Hilton bringen, wo ich mich kurz mit Christin, Erin, Pedro und Co treffen wollte. Sie tauchten aber nicht auf und ich wollte nicht im Dunkeln heim, also ging ich heim.

 

Ach, ich weiss jetzt auch, wo ich wohne: in Uhuru (ist übrigens Kiswahili und heisst Unabhängikeit. Schön, nicht? *gg).

 

5.010.2007

 

Ich stand früh auf, um Kleider zu waschen, wollte dann zur Arbeit und ging wieder verloren. Was kann ich dafür, dass diese verflixten Matatus JEDEN TAG eine andere Route fahren? Also verblieb ich wieder mal als einzige im Bus und liess mich an einer Kreuzung absetzten, von der aus ich zum San Bridgid’s Hospital und von dort ins Projekt laufen konnte. Langsam gewöhne ich mich an die ständige Ahnungslosigkeit, warum sollte ich mich stressen lassen (solange es hell ist!!).

Maria war immer noch an der Show, und Catharina ging nach Hause, weil heute nicht so viele Kinder da waren – ihre Eltern hatten sie ebenfalls mit zur Show genommen.

So war ich wieder allein mit all den Kids, doch wenigstens war Avey da (der Mann mit der Hasenscharte), der den ganzen Tag Brenda herumtrug.

 

Emma würde heute spät kommen, weil sie auf dem College war, also setzte ich mich an den Computer – ich hatte seit einer Ewigkeit nicht mehr geschrieben.

Morgen gehe ich zum Coiffeur (ich muss einfach, ich sehe nicht mehr unter meinen Haaren hervor – vielleicht ist das der Grund, warum ich täglich verloren gehe) und am Abend endlich mal mit den anderen Abendessen und dann in den Ausgang…

 

07.10.2007

 

Um sechs Uhr trommelte die Müllabfuhr (was, die gibt’s wirklich hier??) an die Tür, doch ich war sowieso schon wach gewesen – ich habe verlernt, lange zu schlafen. Emma ging dann bald mal aus dem Haus, um ihre Mutter zu besuchen und ich machte mich ans Waschen.

Erin schrieb mir eine SMS, sie sei krank (sie kriegt alle paar Wochen Malaria, obwohl sie die Tabletten nimmt, oder genommen hat, bis sie Christin darauf aufmerksam gemacht hatte, dass sie bei DEM Alkoholkonsum die Tabletten sowieso gleich weglassen könne), der Ausgang fiel also ins Wasser. Also würde ich mich stattdessen von Philip zum Essen einladen lassen – hörte sich sowieso besser an als eine Nacht lang auf Erin aufzupassen (=

Um halb zwei sollte mich eigentlich Gerard abholen und zu Emmas Coiffeur bringen, doch er kam erst um drei – der Verkehr oder so was. Eine Stunde später sass ich in einem Salon und tröstete mich damit, dass es unmöglich schlimmer herauskommen konnte als es sowieso schon war. Es konnte! Als ich ZWEIEINHALB STUNDEN später ENDLICH wieder auf der Strasse stand -  ich sass eine Stunde mit Lockenwickler unter der Trockenhaube *lol* - sah mein Haar aus, als hätte ich es seit zwei Wochen nicht gewaschen. Keine Ahnung, was die mir ins Haar geschmiert hatten!

In einer Stunde sollte ich mich eigentlich mit Philip treffen, doch inzwischen hatte es in Strömen zu regnen begonnen, ich hatte immer noch keinen Schirm; meine Gastmutter hat zwar mein Geld, mir aber nie wie versprochen einen Schirm mitgebracht, war innerhalb weniger Sekunden tropfnass und musste einfach nach Hause. Philip sagte, dann würde er mich halt in Uhuru abholen, was er dann auch tat.

Mit seinem schicken Auto fuhren wir in ein noch schickeres Chinarestaurant. Wir waren beide eigentlich schon nach der Vorspeise satt, doch Philip bestand auf zwei weitere Gänge, von denen wir jeweils knapp die Hälfte schafften. Wir liessen uns den Rest Einpacken, Philip händigte dem Kellner einen Betrag in der Höhe eines Monatslohnes aus (okay, wahrscheinlich nicht ein Monatslohn Philips, doch den eines Durchschnittbürgers hier&hellip und die Hauptstrasse meidend – Philips Führerschein ist abgelaufen - fuhren wir nach South B. Dort holten wir einen Freund Philips ab, Frank, der uns nach Westlands dirigierte, wo wir in etwa eine Stunde in einer Bar sassen und Cola tranken. Dann war es schon nach Mitternacht und Philip fuhr mich ins St Brigids Hospital, wo ich für diese Nacht bei Christin und Erin bleiben konnte.

 

08.10.2007

 

Zum Frühstück briet Christin für uns Tomaten, dazu gabs Spiegeleier, Toast mit Butter und Kaffee. Ich glaube, ich komme nächstes Wochenende wieder (=

Um neun fuhr ich nach Hause, um zu versuchen, diese Schleimpaste aus meinem Haar herauszukriegen.

Eine Frau, die ich nicht kannte, lag im Bett. Sie erwachte irgendwann und stellte sich als Emmas Schwester vor. Ich „duschte“ und fuhr zurück in die Stadt, um nach einer Woche wieder mal aus Internet zu gehen.

 

 

 

3 Kommentare 7.10.07 11:29, kommentieren

06. -11.10.2007

06.10.2007

 

Um sechs Uhr trommelte die Müllabfuhr (was, die gibt’s wirklich hier??) an die Tür, doch ich war sowieso schon wach gewesen – ich habe verlernt, lange zu schlafen. Emma ging dann bald mal aus dem Haus, um ihre Mutter zu besuchen und ich machte mich ans Waschen.

Erin schrieb mir eine SMS, sie sei krank (sie kriegt alle paar Wochen Malaria, obwohl sie die Tabletten nimmt, oder genommen hat, bis sie Christin darauf aufmerksam gemacht hatte, dass sie bei DEM Alkoholkonsum die Tabletten sowieso gleich weglassen könne), der Ausgang fiel also ins Wasser. Also würde ich mich stattdessen von Philip zum Essen einladen lassen – hörte sich sowieso besser an als eine Nacht lang auf Erin aufzupassen (=

Um halb zwei sollte mich eigentlich Gerard abholen und zu Emmas Coiffeur bringen, doch er kam erst um drei – der Verkehr oder so was. Eine Stunde später sass ich in einem Salon und tröstete mich damit, dass es unmöglich schlimmer herauskommen konnte als es sowieso schon war. Es konnte! Als ich ZWEIEINHALB STUNDEN später ENDLICH wieder auf der Strasse stand -  ich sass eine Stunde mit Lockenwickler unter der Trockenhaube *lol* - sah mein Haar aus, als hätte ich es seit zwei Wochen nicht gewaschen. Keine Ahnung, was die mir ins Haar geschmiert hatten!

In einer Stunde sollte ich mich eigentlich mit Philip treffen, doch inzwischen hatte es in Strömen zu regnen begonnen, ich hatte immer noch keinen Schirm; meine Gastmutter hat zwar mein Geld, mir aber nie wie versprochen einen Schirm mitgebracht, war innerhalb weniger Sekunden tropfnass und musste einfach nach Hause. Philip sagte, dann würde er mich halt in Uhuru abholen, was er dann auch tat.

Mit seinem schicken Auto fuhren wir in ein noch schickeres Chinarestaurant. Wir waren beide eigentlich schon nach der Vorspeise satt, doch Philip bestand auf zwei weitere Gänge, von denen wir jeweils knapp die Hälfte schafften. Wir liessen uns den Rest Einpacken, Philip händigte dem Kellner einen Betrag in der Höhe eines Monatslohnes aus (okay, wahrscheinlich nicht ein Monatslohn Philips, doch den eines Durchschnittbürgers hier&hellip und die Hauptstrasse meidend – Philips Führerschein ist abgelaufen - fuhren wir nach South B. Dort holten wir einen Freund Philips ab, Frank, der uns nach Westlands dirigierte, wo wir in etwa eine Stunde in einer Bar sassen und Cola tranken. Dann war es schon nach Mitternacht und Philip fuhr mich ins St Brigids Hospital, wo ich für diese Nacht bei Christin und Erin bleiben konnte.

 

07.10.2007

 

Zum Frühstück briet Christin für uns Tomaten, dazu gabs Spiegeleier, Toast mit Butter und Kaffee. Ich glaube, ich komme nächstes Wochenende wieder (=

Um neun fuhr ich nach Hause, um zu versuchen, diese Schleimpaste aus meinem Haar herauszukriegen.

Eine Frau, die ich nicht kannte, lag im Bett. Sie erwachte irgendwann und stellte sich als Emmas Schwester vor. Ich „duschte“ und fuhr zurück in die Stadt, um nach einer Woche wieder mal aus Internet zu gehen.

 

08.10.2007

 

Es regnete die ganze Nacht – ich kann das so genau sagen, weil ich nicht geschlafen habe. Morgen kaufe ich ein Moskitonetz, ich kämpfe Nacht für Nacht mit diesen Viechern. Das heisst, ich muss erst Emma fragen, ob sie was dagegen hat, sie muss ja dann zwangsläufig auch darunter schlafen.

Übrigens bekomme ich voraussichtlich in zwei Wochen Malaria, denn obwohl ich sogar spüre, wie ich gestochen werde, habe ich keine sichtbare Stiche – das heisst, die weibliche Malariamücke war am Werk.

Gegen Morgen konnte ich dann schlafen – und erwachte nach halb acht, also zu spät. Als ich ein paar Minuten später ohne Kaffee und Frühstück das Haus verliess, stand Gerard vor der Tür – er würde mich heute mit dem Auto ins Projekt bringen, denn bei Regen hätte ich keine Chance mit den Matatus, weil sie da andere Routen fahren. Ich hatte nichts dagegen, auch wenn sein Auto nicht nur schrottreif aussieht, sondern es wirklich ist. Ich musste durch eine der hinteren Wagentüren einsteigen, auf den Beifahrersitz klettern und von innen für Gerard die Tür zum Fahrersitz öffnen…

Die Köchin ist immer noch nicht zurück, dafür aber Maria, also war ich heute nicht alleine. Das Baby Brenda schreit immer noch praktisch ununterbrochen, und als dann alle anderen Kinder schliefen hielt ich es nicht mehr aus, nahm sie aus der Schaukel und auf den Arm – und sie schlief ENDLICH ein. Als sie dann aufwachte, schaffte ich es sogar, ihr Milch einzuflössen – mit dem Löffel, einen Schoppen gibt es nicht.

Mit dem von Emma geborgten riesigen Regenschirm bewaffnet, marschierte ich relativ sicheren Schrittes die gefährliche Strasse vor dem Projekt zu den Matatus hinunter und wollte in eine 8b steigen. Ein Schreier (also ein Kondukteur, der vor den Matatus herumbrüllt, wie viel die Fahrt kostet und wohin es geht) fragte, wo ich hin wolle, dieses Matatu ginge nur bis Jericho, doch bevor ich antworten konnte, sagte ein anderer, es sei okay, ich solle einsteigen – die kennen mich also schon auf dieser Strecke.

Es war erst kurz vor 17 Uhr, als ich zum Haus zurück kam. In der Strasse, die zum Haus führt, gibt es eine Menge kleiner Kioskartiger Buden, und die werden um diese Zeit von den Oberstufenschüler der Uhuru Secondary School, die ein paar Meter die Strasse hinunter liegt, belagert. Ich beschloss, in Zukunft doch lieber erst nach Hause zu kommen, wenn es dunkel wird, es ist einfach zu unangenehm, in diesem Gejohle und Gepfeife hier durch zu gehen. Ughs, und die wissen jetzt alle, wo ich wohne.

Emma kaufte für uns heute so genannte Passua, das sind Brottaschen gefüllt mit Pommes, und dann kippt man Ketchup oder sonstige Sauce darüber. Lecker – und man kann die gleich bei uns vor dem Haus kaufen (=

 

09.10.2007

 

Ich hatte so was von keine Lust, zur Arbeit zu gehen. Es muss an diesem lausigen Wetter liegen, ich möchte den ganzen Tag im Trockenen bleiben und Fernsehen. Gerard holte mich heute nicht ab, und so stand ich eine halbe Stunde an der Strasse und fragte fünf Matatukondukteure, ob sie zum Kariokamarket gehen. Sie verneinten alle, und weil ich heute nicht verloren gehen wollte, nahm ich ein Matatu in die Stadt und stieg dort um. Eine Stunde zu spät war ich dann im Projekt.

Maria schockte mich, als sie vorgab, nichts von dem Feiertag zu wissen, der morgen sein sollte (wenn ich auch noch nicht herausgefunden habe, weshalb genau, etwas mit dem Präsidenten). Auch Betty wusste nichts davon, und erst als am Abend die Kinder abgeholt wurden und einige Eltern sagten, sie würden die Kleinen erst am Donnerstag wieder bringen, waren die beiden überzeugt – uff, ich sah den morgigen Tag mit Ausflug auf den Toimarket (ein riesiger Kleidermarkt) mit den anderen Austauschern schon schwinden…

 

Das Wetter klarte auf, ich half Betty nach dem Mittagessen das Geschirr zu spülen und holte mir dabei den Sonnenbrand meines Lebens in Ausschnitt, Nacken und Gesicht. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so rot gewesen zu sein. Und obwohl ich mich in Grund und Boden schämte, denn nichts kommt so touristisch herüber wie rote Weisse (KNALLROTE Weisse), ging ich nach der Arbeit in die Stadt zurück, um endlich ein Moskitonetz zu kaufen.

Im Internetkaffee traf ich Erin, und als ich mich auf den Heimweg machte rannte ich in Christin und eine andere Volontärarbeiterin aus Deutschland, die auch im St. Bridgets arbeitet, deren Namen ich aber vergessen habe. Wir fallen halt schon auf in dem Menschengewusel, mit unserer Hautfarbe, darum treffen wir auch immer wieder zufällig aufeinander.

Um heim zu fahren bezahlte ich 40 anstatt den üblichen 20 Schilling. Zwar hatte ich gehört, wie der Kondukteur etwas von 40 herumgeschrieen hatte, doch hinter dem „40“ kam ein anderes Wort, und es war nicht „bob“ (Slang für Schilling), also dachte ich, er rufe etwas von einem Routenwechsel aus, oder dass sie nur bis zu einer bestimmten Stelle fahren würden. Jedenfalls rechnete ich mehr damit, wieder einmal verloren zu gehen, als wirklich so viel zu bezahlen.

 

10.10.2007

 

Nun habe ich herausgefunden, was heute für ein spezieller Tag ist: Moi day, der Geburtstag des letzten Präsidenten, so wie ich das verstanden habe.

Doch anyway, ob Feiertag oder nicht; um sieben standen wir auf und putzten das Haus. Dann waschen – Ich hasse Regenwetter, denn Socken sind besonders schwer sauber zu kriegen, weil meine Schuhsohlen abfärben. Als ich dann diese ursprünglich weiss-gelben Dinger endlich wieder einigermassen weiss-gelb geschrubbt hatte, entdeckte ich ein riesiges Loch in der einen Socke, also weg damit, waschen für nix.

 

Kurz vor 10 Uhr tauchte Mili auf und wir brachen etwas später zu dritt auf, um Emmas Eltern zu besuchen. Sie wohnen etwa 10 Minuten Matatufahrt entfernt. Emmas Mutter umarmte mich zur Begrüssung und schickte jemanden, ein paar Flaschen Soda zu kaufen.

Die ganze Familie war da, die Eltern, Emmas Bruder Eric, der irgendwo in der Nachbarschaft wohnt und gerade vor ein paar Tagen neben dem Haus eine Videothek eröffnet hatte und die Schwester Irene, die noch bei den Eltern wohnt. Sie sieht aus wie Pocahontas, ehrlich (=

Gegessen wurde vor dem TV und ich war ganz froh, dass die Flimmerkiste die allgemeine Aufmerksamkeit aller Anwesenden einen Moment lang von mir ablenkte. Nach dem Essen – ich hatte das Gefühl zu platzen, doch der Meinung der anderen nach hatte ich nur „a little“ gegessen - gab es nochmals Soda. Das muss der Augenblick gewesen sein, wo mir schlecht wurde und ich mir sicher war, eine Woche lang kein weiteres Schlückchen Cola oder Ähnliches den Hals herunter zu kriegen, doch Emma, Mili und ich zogen ein paar Häuser weiter zu Emmas Tante, welche sogleich ihren Sohn nach SODA schickte… Emmas Tante erzählte, wie ihr und einer Freundin die Handys geklaut wurden, als sie mitten am Tag die Strecke gegangen waren, die ich morgens und abends vom und zum Matatu für zur Arbeit gehen sollte… Ziwani ist also wirklich keine gute Gegend und ich solle schleunigst meine Organisation informieren, damit sie mir mehr Geld geben und ich jeweils erst in die Stadt und dann eine sichere Route nach Ziwani fahren kann. Ich zweifle, dass sich Kerubo über diesen Vorschlag freuen wird und weiss im Moment auch nicht, was machen… vielleicht warten, bis mir wirklich mal endlich jemand die Tasche klaut. Eine Stunde später kehrten wir zu Emmas Elternhaus zurück, um uns zu verabschieden -  Emmas Mutter sagte, heute sei ich Gast gewesen, doch am Samstag werde ich als ihr Grosskind zurück kommen und kochen helfen, denn sie hat Gäste geladen fürs Wochenende. Ja, ihr Grosskind; Emma ist zwar nur 7 Jahre älter als ich, doch ich bin trotzdem ihr Baby (=

Wir hatten eigentlich bei Mili übernachten wollen, die in einer Einzimmerwohnung 15 Gehminuten von Emmas Haus entfernt wohnt, doch stattdessen kam sie dann zu uns, denn Emma wollte nicht, dass ich am Morgen den Weg zur Arbeit suchen musste, da er ja sowieso schon kompliziert genug ist. Ich war sehr froh darüber, denn mir ging es nun endgültig nicht mehr gut. Es fühlte sich an, als würde etwas gären in meinem Bauch. Zuhause legte ich mich hin und versuchte zu schlafen, doch es ging mir erst besser, als ich mich übergeben hatte. Dann musste ich erst Emma überreden, nicht Kerubo anzurufen und ihr zu sagen, dass ich krank sei, bevor ich zurück ins Bett konnte.

 

11.10.2007

 

Emma weckte mich um halb sechs, um mich zu fragen, ob es mir besser gehe. Ich sagte ja und schlief weiter, doch als ich dann richtig aufwachte, war mir immer noch schlecht und ich wusste nicht, ob ich nicht einfach daheim bleiben sollte. Mein Gewissen brachte mich schliesslich dazu, aufzubrechen und zumindest zu versuchen, den Tag zu überstehen, denn ich wusste, dass die Köchin immer noch nicht zurück sein würde, es also viel zu tun gab im Projekt.

Ich stieg auf gut Glück in ein Matatu, denn es fährt ja sowieso keines die Route, die ich haben sollte. Dafür beschloss ich, dass wenn ich verloren gehen würde, einfach nach Hause zurück zu kehren. Selbstverständlich ging ich ausnahmsweise nicht verloren, ist ja typisch, wenn ich es für einmal eigentlich gewollt hätte!

Mir ging es dann aber sowieso besser und der Tag gestaltete sich gar nicht so schlecht. Ich hatte gestern im Radio gehört, dass auch der Freitag ein Feiertag sein wird und fragte nach. Erst wusste niemand etwas davon, doch schliesslich war alles klar: langes Wochenende, YESSSS!

Um halb vier rief mich Eric an, er sei in der Stadt und ob ich kommen könne, um die Arbeit zu drucken. Maria sagte, es sei kein Problem, wenn ich schon ginge, und so machte ich mich auf in die Stadt. Ich wartete dann eine halbe Stunde beim Hilton auf Eric. Langsam habe ich wirklich genug von diesem Idioten – erst ruft er mich an, ich solle in die Stadt kommen, ich gehe eine Stunde zu früh von der Arbeit weg und dann ist er nicht mal dort. Ich war entsprechend unfreundlich zu ihm, doch er bemerkt es sowieso nicht. Er hatte einen Koffer dabei, denn er war gerade erst aus Kisii von der Beerdigung seines Bruders zurückgekommen. Der Bruder wurde sehr wahrscheinlich ermordet, niemand weiss es genau, er wurde tot aufgefunden. Natürlich hatte sich Eric nicht wie ich ihn aufgefordert hatte informiert, wo er die Arbeit drucken lassen kann, und so marschierten wir erst eine ganze Weile durch die Stadt, bis wir endlich auf eine passende Bude fanden. Nach einigem Verhandeln willigten die Leute ein, Erics Arbeit für 10 Schillinge die Seite anstatt für 20 zu drucken. Meine Pflicht war getan, ich verschwand in den Supermarkt und kaufte Himbeermilch – ich hatte keine mehr gehabt, seit ich nicht mehr in Westlands wohne. Im Matatu riss ich den Beutel voller Vorfreude auf, wurde aber im wahrsten Sinne des Wortes bitter enttäuscht: die Milch war sauer, abgelaufen. Mein Sitznachbar lachte sich über meinen Gesichtsausdruck kaputt und hörte erst auf damit, als plötzlich jemand draussen „Muizi!“ (Dieb) schrie und der ganze Bus aufsprang und die Köpfe drehte. Ich war sehr beeindruckt, denn es scheint tatsächlich sehr wirksam zu sein, dieses Wort zu brüllen.

 

Eine kleine Anekdote an dieser Stelle: Lisa und Malena hielten sich vor ein paar Wochen ohne es zu wissen nach sieben Uhr auf der gefährlichen Seite der River Road auf und tatsächlich marschierte ein Typ von hinten her an die beiden heran und versuchte, Lisa ihre Tasche zu entreissen. Sie wollte Muizi schreien, schrie aber aus vollem Hals MUZUNGUUU *lol*. Okay, der Mann hat dann tatsächlich das Weite gesucht und nicht einfach zu lachen begonnen, also; Hauptsache schreien.

 

Das Matatu machte an der Hauptstrasse in Uhuru kehrt; fuhr mich also nicht wie gewohnt fast vor die Haustür, und natürlich begann es gerade in dem Moment zu regnen, als ich ausstieg.

Zuhause angekommen stellte ich fest, dass der Strom ausgefallen war (habe ich erwähnt, dass in meiner ersten Woche hier auch schon Stromausfall war an einem Morgen… jedenfalls fällt der Strom anscheinend nicht so oft aus, nur so selten wie das Wasser in Westlands, also jede Woche einmal). Mir blieb gerade genug Zeit, meine Füsse zu waschen, Tee zu Kochen und an Emma zu schreiben, ob sie irgendwo Kerzen oder Ähnliches im Haus habe, bevor es endgültig dunkel wurde. Emma schrieb zurück, ich könne Kerzen kaufen gehen. Nicht all zu glücklich mit der Antwort ging ich an den Kiosk neben dem Haus. Der hatte jedoch keine Kerzen; ich solle zu den Shops um die Ecke gehen… Ich war erstens noch nie dort gewesen, zweitens hatte ich die Kontaktlinsen schon herausgenommen und sah nicht all zu viel und drittens war es dunkel. Trotzdem ging ich los, fand die Shops, ging in den ersten hinein und erstand 3 Kerzen zu je 8 Schilling. Ich weiss nicht, wie gefährlich es wirklich ist, so herumzulaufen. Wenn so viele Leute auf der Strasse sind, wird mir zwar alles Mögliche nachgerufen, doch irgendwie glaube ich nicht, dass mir jemand etwas antun könnte, wenn so viele Menschen in der Nähe sind. Ich war aber trotzdem froh, die Tür hinter mir zu schliessen. Im romantischen Glimmen einer meiner Kerzen begann ich Teigwaren zu kochen, und schön rechtzeitig als ich damit fertig war, kam auch der Strom zurück und ich konnte mich mit meinem Teller vor den Fernseher setzten.

 

1 Kommentar 12.10.07 13:22, kommentieren

12. - 16.10.2007

12.10.2007

 

Mir ging es nicht all zu gut am Morgen und ich war froh, nicht ins Projekt zu müssen. Niemand anderes ausser mir hatte heute frei, es stellte sich heraus, dass in Ziwani viele Muslime wohnen und darum das Projekt für diesen Freitag geschlossen hatte…

Gegen Mittag hatte ich meinen Magen mit Bouillon und Tee wieder einigermassen in den Griff bekommen und fuhr in die Stadt. Eigentlich wollte ich einen Föhn kaufen, doch hatte zu wenig Geld dabei; ich hatte nicht damit gerechnet, mehr als 20 Franken aufwerfen zu müssen…

Ich fuhr nach Westlands, um endlich deine Postkarte abzuholen, Mami! Das Packet ist nicht angekommen, oder hoffentlich einfach nur noch nicht… Nur Kerubo war im Büro, und sie fand die Karte erst nach langer Suche. So zerknittert wie sie war konnte man der Karte direkt ansehen, wie sie all den Weg von Europa nach Afrika gekommen war (=

Kerubo sagte, dass sie auf Herrn Meroka (der Vater meiner ersten Gastfamilie) warte, er komme, weil er mehr seiner Kinder bzw. Neffen in den Austausch schicken wolle. Ich hatte absolut keine Lust, weder auf ihn noch auf den Cousin Simon zu treffen – ich weiss, dass er an der Reihe ist, Kenia zu verlassen – und wollte möglichst schnell wieder weg, doch Kerubo verwickelte mich in ein Gespräch und ich glaube ich habe schon erwähnt wie das so ist, wenn diese Frau erst mal zu reden begonnen hat. Sie fragte, wie alles so laufe mit Emma und der Arbeit und ich erzählte ihr, wie mir immer wieder gesagt wird, dass der Weg durch Ziwani zu gefährlich für mich sei. Kerubo zeigte sich unglaublich verständnisvoll und fand auch, wir müssten da etwas ändern und wenn es halt keine andere Lösung gebe, so bekäme ich halt mehr Geld, um mit den Matatus jeweils erst in die Stadt und von dort nach Ziwani fahren zu können – wow! 

Daheim wartete schon Mili, wir schauten TV und warteten auf Emma, assen zu Abend und gingen dann alle zu Mili heim. Ich war nicht all zu Glücklich darüber, denn mein Bauch hatte wieder zu schmerzen begonnen.

Emma rollte sich auf dem Teppich in eine Decke, drehte sich weg und schlief ein. Ich wünschte, für mich wäre es auch so einfach gewesen. Ich lag neben Mili in ihrem nicht all zu grossen Bett, mein Bauch war geschwollen wie noch nie zuvor, die Haut spannte richtig und ich konnte die Beine nicht ablegen, weil wenn ich es auch nur versuchte, wurde mir speiübel. Irgendwann ging ich dann doch aufs Klo bzw. zum Loch im Fussboden und es ging mir tatsächlich soweit besser, dass ich hätte einschlafen können… wenn da nicht Mili wäre, die sich zwar rührend um mich kümmerte, aber die grösste Quasselstrippe ever ist und auch um zwei Uhr in der Frühe noch ganz viel zu erzählen hat. Die Übelkeit kehrte zurück und ich schlief erst gegen vier Uhr, nachdem ich mich ein zweites Mal übergeben hatte. Drei Stunden später standen wir alle auf, Mili ging zur Arbeit, Emma und ich kurz nach Hause und dann zum Docktor.

 

13.10.2007

 

Ich hatte mich immer gefragt, wie es sein muss, auf diesen Strassen zu fahren, wenn man Schmerzen hat. Heute morgen bekam ich eine Antwort; jede von diesen Erhöhungen, die eigentlich dazu da wären, damit die Fahrzeuge nicht rasen können, über welche die Matatus aber immer noch mit zu hoher Geschwindigkeit donnern, war wie ein Tritt in den Bauch. Irgendwie hatte ich das Gefühl, es wäre mir bald einmal besser gegangen, wenn ich nur hätte weiterschlafen können…

Wir gingen in die V.I.P. (Ich habe vergessen, wofür es steht, jedenfalls nicht für Very Important Person) Klinik, wo Mili am Empfang arbeitet. Nach nur etwa einer halben Stunde wurde ich auch schon aufgerufen und der Arzt erzählte mir erst von seiner Reise nach Kanada und wie er dort Krank geworden sei, weil das Wasser zu sauber war für seinen Magen und dann stellte er ohne jegliche Untersuchung fest, dass ich eine Lebensmittelvergiftung habe. Ich wurde ins Labor geschickt, wo ich mir eine Dame in Weiss ins Gesicht lächelte, während sie mir in den Finger schnitt. Eine weitere halbe Stunde später wurde ich zurück zum Docktor gerufen; Ein Bakterium im Blut, aber keine Malaria, immerhin. Zurück am Empfang bei Mili musste ich 500 Schilling (10 Franken) bezahlen und bekam dafür drei verschiedene Tabletten und eine Flasche Sirup. Dann war ich entlassen.

Emma und ich fuhren nach Hause und mir ging es auch bald mal besser, nachdem ich mich endlich hinlegen konnte. Gegen Abend kam Mili und wir gingen wiederum alle zu ihr nach Hause, damit sie ein paar Dinge packen konnte, denn wir alle wollten zu Emmas Eltern gehen, um dort zu übernachten. Denn für den kommenden Tag hat Emmas Mutter Gäste geladen und wir sollten in der Küche helfen. Ich war wiederum nicht all zu Glücklich darüber, weg zu müssen, doch es ging mir dann eigentlich ganz gut. Den Abend verbrachten wir vor dem Fernseher, alle mit einer Arbeit wie Zwiebeln rüsten oder Ähnlichem beschäftigt (ausser der Vater, natürlich). Ich sortierte Reiskörner – die guten ins Töpfchen, die schlechten ööhm, weg – und war wohl unglaublich langsam, denn Mili fragte mich, ob wir bei mir zu Hause den Reis auch so säubern (= 

Schlafen tat ich wiederum nicht viel, denn wieder teilte ich ein Bett mit Mili und diesmal musste ich sie irgendwann weit nach Mitternacht daran erinnern, dass wir morgen viel zu tun haben werden und vielleicht schlafen sollten… (=

 

Ich bekam übrigens einen Kamba-Namen (Emma und ihre Familie sind vom Stamm der Kamba). Das heisst, es stehen zwei zur Auswahl und ich weiss nicht, ob schon entschieden ist, welcher es dann sein wird. Wahrscheinlich „Mueni“, was „Besucher“ bedeutet. Emmas Bruder Eric macht sich einen riesigen Spass daraus, mich die ganze Zeit zu rufen – und ich reagiere natürlich nicht, weil ich mir noch nicht gewöhnt bin, auf meinen neuen Namen zu hören…

 

14.10.2007

 

Es gab wirklich viel zu tun, und ich war froh, nicht wie ein Gast behandelt sondern total in die Arbeit mit einbezogen zu werden. Gemüse rüsten, Kohl hacken, Früchte waschen usw. bis gegen Mittag die ersten Gäste auftauchten; Emmas Tante, die wir letzten Mittwoch besucht hatten mit einer Schar Kinder und drei Freundinnen.

Um drei Uhr stahlen sich Irene und ich aus dem Haus, ich wollte in die Stadt und Irene in die Kirche, doch so wie sie sich gekleidet hatte war es einfach offensichtlich, dass sie in Wirklichkeit andere Pläne hatte. Als ich fragte, wo ihre Kirche denn sei, grinste sie mich nur an. Ich mag sie, auch wenn sie mich diesen Morgen erst fast mit einer riesigen Tube Zahnpasta erschlagen und fünf Minuten später mit kochendem Wasser besprüht hatte – sie sagt, ihre Mordpläne seien unbewusst.

Im Internetkaffe traf ich auf Pedro. Immer noch ist er im selben Projekt, keine guten Neuigkeiten, er wird wohl bald seine Koffer packen und heim gehen – über einen Monat Geduld haben ist mehr als genug, ich verstehe schon, dass er nicht mehr mag )=

Als ich eigentlich nach Hause wollte prallte ich im wahrsten Sinne des Wortes in Philip – zum Glück kann man den nicht so einfach über den Haufen rennen (= Wir gingen Eisessen, ich hatte seit Monaten keine Glace mehr gehabt, *mmmh!!

Es war das erste Mal, dass ich im Dunkeln nach Hause fuhr. Ich meine, es war richtig dunkel, nicht am dunkel werden. Und es ist, als würde man eine andere Strecke fahren, schon nur, weil es viel schneller geht, weil sich der ganze Stau um diese Zeit endlich etwas gelichtet hatte. Obwohl Philip mich neben dem Fahrer platziert und ihm gesagt hatte, wo er mich abzusetzen habe, erkundigte sich später auch noch der Kondukteur, ob ich wisse, wo ich hin wolle (=

 

15.10.2007

 

Montag. Garfield hat Recht, Montage sind einfach überflüssig. Der Tag war mehr oder weniger Ereignislos. Ein neues Kind, Bramuel, ist gekommen, und er ist das friedlichste Baby ever, spielt den ganzen Tag ruhig vor sich hin, isst selbst, ist zufrieden.

Montags kann ich über Mittag nicht einmal nach St. Brigid’s verschwinden, um Erin und Christin zu besuchen, denn das Hospital hat übers Wochenende geschlossen und so hängen die Patienten jeweils Montags buchstäblich am Eingangstor, die beiden haben also ziemlichen stress.

Es gibt so vieles, das ich nicht verstehe hier; warum ziehen wir den Kindern nicht einfach Essmäntel an, wenn sie doch schon vorhanden wären, anstatt dass sie alle ihre Pullis einsauen und Betty sie dann waschen muss. Warum werden die Nasen der Kinder an deren T-Shirts geputzt – wieder Wäsche, Wäsche, Wäsche – anstatt einen Lappen oder etwas vom Toilettenpapier zu benützen. Warum werden Lee, nachdem er die Windeln gefüllt hat, diese einfach ausgezogen und keine neuen angezogen, so dass er mindestens einmal am Tag in die Hose – oder wenn er keine trägt auf den Teppich – pinkelt. Er kann sich definitiv noch nicht kontrollieren, er macht sich auch in die Hose, wenn er fünf Minuten davor auf dem Hafen war… Warum kann man nicht ein ganz kleines bisschen Geld in kleine Löffel investieren, es bräuchte nur zwei oder drei. Diese riesigen Löffel sind nun einmal einfach ZU gross für den Mund eines Kleinkindes und zudem aus abgenutztem Plastik, so dass sie den Kindern die Lippen aufscheuern…

Ausserdem kann ich kaum mit Maria sprechen, weil sie mich nicht versteht. Ein Beispiel: Betty sagt etwas zu Maria, geht an uns vorbei und holt Bramuel, den neuen Jungen aus dem Bett. Ich frage Maria: What is she gonna do with him? Sie antwortet: Ya, she’s coughing a lot.  Hmm..? Nun, auch wenn ich Kiswahili lerne, werde ich nie fähig sein, diese Sprache gut genug zu beherrschen, um ein wirkliches Gespräch zu führen, also würde mir das auch nicht helfen.

Betty spricht fast nie zu mir, und wenn ich was frage, dann sind die Antworten ähnlich wie die von Maria. Sie hat sich einmal entschuldigt und gesagt, wenn sie schweige, dann nur, weil sie überlege, was sie in Englisch sagen könne. Wenn sie was erzählt, dann von der anderen Volontärarbeiterin aus Deutschland, die ihr ganz viele Dinge geschenkt hatte.

Avey, der Mann mit der Hasenscharte, der in der Administration gleich in der Baracke nebenan arbeitet und ab und zu seinen 7-jährigen Sohn mitbringt, kommt ab und zu vorbei um zu plaudern, doch er hat irgendwann mal angefangen mir nette SMS zu schreiben, die ich einfach ignoriere und auf die er mich komischerweise nie anspricht, also nicht fragt, warum ich nie antworte.

Kingsley ist auch oft bei uns im Baby Care. Betty lästerte bei mir über ihn, sie möge seinen Charakter nicht und was tue er überhaupt die ganze Zeit bei uns. Ich antwortete, er komme für Maria, es ist offensichtlich, dass die beiden was zusammen haben, wenn Betty nicht da ist, geben sie sich nicht all zu viel Mühe, dies vor mir zu verbergen. Er ist wirklich komisch, er ist einfach da und sagt nichts, schaut uns zu.

Die anderen Leute im Projekt kenne ich nicht wirklich, ich bekam von Maria und Betty nur erklärt, wer mit wem ein Verhältnis hat. Dies scheint wirklich ein Problem zu sein in diesem Projekt, denn letzte Woche versammelte die Direktorin Angelina einmal die Männer um sich, um zu fragen, was eigentlich das ganze Geläster solle und was vor sich ginge. Sie hätte sich besser an Maria und Betty gewandt, die hinter dem Vorhang standen und schadenfreudig die Gruppe beobachteten, während sie mir flüsterten, dass Jackie, eine Frau die hier als Beraterin für allein erziehende Mütter arbeitet und kleine Kinder hat, mit einem der anderen Arbeiter schlafe und die Sache nun aufgeflogen sei und das ganze Projekt darüber spreche.

Kurz, ich mag die Leute hier nicht all zu sehr… und das macht die Arbeit nicht interessanter. Ich weiss nicht so genau, wie ich jetzt vorgehen soll, denn irgendwie habe ich nicht das Gefühl, dass ich mich hier einleben kann, bzw. will…

Nach der Arbeit fuhr ich in die Stadt, um Andrew zu treffen. Er wollte mir ein Kiswahili Lernbuch bringen, hatte es aber vergessen und war überhaupt etwas durcheinander, was ich nachvollziehen konnte: Seine Cousine ist gestern erschossen worden, eine Kugel in den Hals, zwei in den Brunstkorb. Mein Gott, Nairobi ist wirklich kriminell! Ein bisschen viele Morde an Verwandten meiner Bekannten in letzter Zeit…

Emma und ich gingen am Abend Gerards Mutter besuchen, die von ihrem Zuhause auf dem Land zurückgekehrt war. Sie kochte für uns Abendessen, zwar Ugali, aber viel Besseres als das aus dem Projekt (=

 

16.10.2007

 

Am Abend zuvor hatte ich in der Stadt Marmelade und Brot gekauft und hatte diesen Morgen ein himmlisches Frühstück! Das ist schon mal ein guter Start in den Tag.

 

Ich frage mich wirklich, ob diese Strasse, die ich gehen muss, wirklich so gefährlich ist. So lange ich keine Angst habe..? Ich hatte Kerubo gesagt, dass ich den Weg gehen könne, bis mir wirklich mal jemand die Tasche klaut, ich habe ja nie viel Geld dabei, doch sie sagte, wenn die Diebe kein Geld fänden, würden sie mich eventuell verprügeln. Aber ich kann das einfach nicht glauben, dass mir jemand während es noch hell ist und viele Leute darum herum sind, mir etwas antun würde. Nun, ich weiss nicht, ob es mich sicherer macht, wenn die Leute mich jeden Tag dort durchgehen sehen oder ob es mich eher gefährdet, weil wenn sie mir mit diesem Wissen eines Abends an der Ecke abpassen könnten.

Heute ging ich nicht in die Stadt nach der Arbeit, sondern die Strasse hinunter zu den Matatus. Ich stieg ein und musste warten, denn die Busse fahren erst los, wenn sie voll sind. Ein paar Meter entfernt röstete ein Typ Maiskolben. Er machte mich auf sich aufmerksam und ich schob das Fenster auf. Ich gab ihm 20 Schilling, er gab mir einen Kolben, kehrte erst zu seinem Stand und dann wieder zu mir zurück – und gab mir 15 Schilling! „It’s only 5 Bob, Cinderella, see ya tomorrow“. Ich muss ihn ziemlich dumm angeglotzt haben, denn ich hatte nicht im Traum damit gerechnet, Geld zurück zu kriegen, und schon gar nicht so viel.

Daheim hatte ich dann wieder einmal einen Berg Wäsche zu erledigen und ging dann zu den Shops neben dem Haus, wo ich meine Strawberry Milk entdeckte und Schmelzbrötchen kaufte. Die Milch war sauer wie die letzte, ich kippte sie wütend ins Spülbecken. Aber immerhin waren die Brötchen lecker, auch wenn mir jetzt schlecht ist, weil ich zu viele verdrückt habe (=

1 Kommentar 17.10.07 09:45, kommentieren