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Hallo zusammen.

Ich habe hier einfach mal hochgeschaltet, was ich bis jetzt geschrieben und die meisten von euch sowieso schon gelesen haben... ich habe im Moment keine Zeit, einen Anfang zu schreiben oder alles etwas zu ordnen mit Zwischentiteln usw... Tut mir leid... Ich hoffe, ihr koennt euch anhand der Daten orientieren, bis wo ihr schon gelesen habt...

Und nochmals: ich schreibe einfach so ziemlich alles, was mir durch den Kopf geht, und das halt nicht immer in der schoensten Sprache. Tut mir also leid, ich hoffe, alle Generationen kommen mit.... (=

Und wer mir eine Mail schreibt, bekommt Antwort!! Freue mich auch immer ueber News aus eurem Leben und der Schweiz und der Welt ueberhaupt. Also, wenn ihr Zeit und Lust habt: Flurina1@gmx.ch

Liebe Gruesse an alle!!

I

Ab 27.8.07 – 29.8.07

So, ich habe mich etwas eingelebt und es ist alles nicht mehr so schlimm. Es ist mir schon fast peinlich, nach all dem, was ich über die Familie geschrieben habe, nun zugeben zu müssen, dass ich anfange, sie zu mögen. Sie sind zwar immer noch recht eklig mit Rotzhochziehen und Rumhusten ohne die Hand vor den Mund zu halten oder sich wenigstens abzuwenden. Ich werde es wohl auch nie schaffen, ihnen klar zu machen, dass ich ihr Essen sehr gerne mag, aber nicht so viel essen kann wie sie und vielleicht werde ich sie auch nie davon überzeugen können, dass die schwachen Muzunguns auch im Haus mitarbeiten können (immer wenn ich frage, lächeln sie nur mitleidig und fordern mich auf, mich doch zu setzen).

Aber am Montag bekam die ganze Geschichte plötzlich eine Wende, und seither geht’s mir wirklich gut hier. Aber der Reihe nach…

Pauline musste am Montag auf die französische Botschaft, um ihr Visa abzuholen, in drei Wochen fliegt sie ja nach Frankreich. Ich ging mit ihr, denn ich wollte erstens nicht den ganzen Tag daheim sitzen und zweitens unbedingt Lisa treffen.

Mit Pauline sass ich zwei Stunden auf der Botschaft, nur um dann zu erfahren, dass ihr Visa noch längst nicht fertig sei, obwohl sie dazu aufgefordert wurde, es an diesem Tag abzuholen… Pauline musste dann in den Französischkurs (sie kann schon ein bisschen Französisch, eine Freundin hat es ihr beigebracht) und sie liess mich alleine. Irgendwie fand ich den Weg zum Supermarkt, in dem wir auch die letzte Woche mit der ganzen Austauschergruppe immer waren und wo ich mich per SMS mit Lisa verabredet hatte. Ich wartete etwa eine weitere Stunde (zum Glück habe ich keine Probleme damit, mich unendlich lange einfach damit zu beschäftigen, die vorbeigehenden Menschen zu beobachten. Wer sich schnell langweilt, ist hier recht aufgeschmissen), dann tauchte Lisa auf, die von ihrer Gastmutter gebracht wurde, die aber noch auf der Suche nach einem Parkplatz war. Wir warteten also noch eine weitere halbe Stunde und liessen uns dann von ihr in ein Restaurant führen, wo wir etwa 6 Franken für eine Pizza bezahlten, was hier sündhaft teuer ist. Meine Gastmutter war am Abend ganz schön geschockt, als ich ihr erzählte, wie viel wir bezahlt hatten (und als sie sich erholt hatte, musste ich ihr erklären, was eine Pizza überhaupt ist).

Irgendwann beschloss ich, dass ich mir nun Gedanken darüber machen musste, wie ich nachhause kam, und so verabschiedete ich mich von Lisa, die von ihrer Gastmutter wieder abgeholt wurde. Es war inzwischen etwa 17.30 Uhr, also Feierabendverkehr. Ich stand an der Strasse und beobachtete die überfüllten Matatus (nochmals: die Matatus sind Kleinbusse, stellen das Hauptverkehrsmittel dar und kosten pro Fahrt ein paar Rappen. Es gibt kaum geregelte Haltestellen, man kann überall ein- und aussteigen. Anhalten tun sie nie wirklich, darum holt man sich praktisch jedes Mal ein paar Schrammen… und wenn man mal sicher sitzt, dann fällt bestimmt noch einer auf dich drauf oder rammt dir den Ellenbogen ins Gesicht. Die meisten Matatus sind bunt bemalt und beschriftet, in praktisch allen läuft ohrenbetäubender HipHop und einige haben sogar blinkende Lichterketten… Matatufahren ist also Party pur).

Nach Westland, wo ich nun wohne, fahren zwar eine ganze Menge solcher Busse, aber sie waren alle total überladen. Und wenn mal in einem noch ein Platz frei war, dann war jemand schneller als ich. Die Leute um mich haben sich wohl sehr ab der dummen Muzungu amüsiert, die immer wieder auf die Strasse raus gerannt ist, nur um sich dann den Platz von jemandem wegschnappen zu lassen und wieder auf den Gehsteig zurück zu kehren. Aber irgendwann habe ich es geschafft! Und ich habe es auch geschafft, am richtigen Ort wieder abzuhüpfen, und ich habe irgendwie auch den Weg zum Haus zurückgefunden (für alle die nicht mit mir in Tschechien waren: mein Orientierungssinn ist nicht nur schlecht – er existiert nicht)!! Pauline und meine Gastmutter waren im Garten und starrten mich ungläubig an: You came alone? How did you do that??? How did you know…?

Ich weiss nicht, wie lange sie noch allen Verwandten und Bekannten denen sie begegnen, von meiner Heldentat erzählen werden (= Also ich glaube, ich habe nur ziemlich Glück gehabt, hehe. Jedenfalls hat mir das sehr viel Respekt eingebracht und ich bin jetzt ein hoch geschätztes Familienmitglied. Und auch wenn ich anscheinend nicht arbeiten kann (ich werde ihnen auch da noch das Gegenteil beweisen müssen), bin ich wenigstens „veeeeery bright“. Also, ich bin jetzt einfach mal eine Runde stolz und nicht verletzt, weil die mir NICHTS zutrauen (=

Ist eigentlich ganz süss, wie wir uns alle über unsere kleine Erfolge in unserem neuen Leben freuen; ich und das Matatu, Simon und die Kuh; er wohnt mit seiner neuen Familie sechs Stunden von Nairobi in einem Dorf ohne Strom und Wasser und hat das erste Mal in seinem Leben eine Kuh gemolken (= Von den anderen Austauschern habe ich noch nichts gehört, ich freue mich irgendwie schon jetzt darauf, sie alle wieder zu treffen.

Ich machte dann meiner Gastmutter noch eine Freude: Sie gab mir ihre Handynummer und wollte wissen, unter welchem Namen ich sie gespeichert habe… „Mama“, sagte ich zögernd, und sie strahlte mich an (=

Von Montags bis Freitags wird am Abend immer TV geschaut, da kommen anscheinend gute Serien. Ich freute mich schon, denn ich armes Kind bin ja ohne Fernseher aufgewachsen und liebe darum auch jedes noch so dumme Programm. Also habe ich nicht damit gerechnet, dass ich mich frühzeitig ins Zimmer zurückziehen müsste… Versucht doch mal, über Internet einen Ausschnitt aus der Serie „Rebeca“ zu schauen. Es ist Lateinamerikanisch, und so haarsträubend synchronisiert, dass einem die Tränen kommen. Ich konnte nicht einfach loslachen, denn meine Gastschwestern und auch mein netter Bruder finden es grossartig.

Am nächsten Morgen wurde ich zu meinem Gastvater zitiert, den ich seit meiner Ankunft nie mehr gesehen hatte, denn die Männer kommen selten in die Küche, wo wir Mädchen uns meistens aufhalten. Er redete etwa zwanzig Minuten auf mich ein, dass ich das mit dem Matatu sehr gut gemacht habe, dass ich in seiner Familie herzlich willkommen sei, dass ich nun eine seiner Töchter sei und nur zu fragen brauche, wenn ich was haben müsse oder etwas nicht in Ordnung sei, dass ich nicht mit Fremden sprechen solle, weil die alle böse sind, dass er auch meine Eltern anrufen wird, damit sie wissen, dass es mir gut geht, dass ich mich frei fühlen solle im Haus und dass wir am Abend weiterreden (was bis jetzt noch nicht geschehen ist). Das „Gespräch“ hat so lange gedauert, weil er alles etwa dreimal gesagt hat. Aber eigentlich fand ich es ganz nett (=

Wir hatten übrigens immer noch kein fliessendes Wasser, das heisst, das der Abwasch draussen statt findet und man Wasser schleppen muss, wenn man auf die Toilette muss. Ich darf jeweils den kleinen Kanister tragen, nicht dass ich noch zusammenbreche *lol*. Wasser holen wir bei der Schule nebenan, die ja der Familie gehört. Während wir darauf warteten, dass sich die Kanister füllten, fand ich heraus, dass Pauline nächsten Monat 22 wird, ihr Zwillingsbruder aber 20 und dass da was nicht stimmen kann (= Pauline erklärte mir, dass Victor verhext wurde, als er klein war, so dass er nur sehr langsam lernte und nicht sprechen wollte. Also ging er erst zwei Jahre später zur Schule als seine Schwester und ist darum zwei Jahre „jünger“…

Gegen Mittag fuhren Pauline und ich wieder in die Stadt, um Peris (unsere Ex-Kiswahililehrerin vom Orientierungscamp. Ja, sie heisst Peris und nicht Paris, wie ich erst gedacht habe) zu treffen. Ich weiss nicht, ob ich das schon erzählt habe; Peris ist die Schwester meiner Gastmutter, also meine Tante. Und sie sagte, dass sie jetzt auch meine Mutter sei und dass sie mich in der Schweiz besuchen komme und meinen Eltern ein Geschenk mitbringen wird (= Mit Peris durch Nairobi zu laufen ist wirklich praktisch, denn sie wälzt einen zweimannbreiten Weg frei, man muss sich also nur schön hinter ihr halten. Wir begleiteten sie in ein Office, wo schon ein paar Leute auf irgendeinen Heiler warteten, wie ich nach und nach herausfand. Jedenfalls hatte der ihr ein Armband gegeben, das ihr gegen jegliche Beschwerden helfen sollten, die man halt so hat, wenn man so massiv übergewichtig ist wie die Tante. Und dieses Band musste nun mit neuer Energie aufgeladen werden. Das Problem war nur, dass der Heiler nicht erschien. Während wir warteten, bekamen wir Coca Cola, das ebenfalls mit Energie aufgeladen wurde, indem eine Frau einen Metallstift (also ich behaupte jetzt mal, es war ein Kugelschreiber) um die Flaschen kreisen liess. Die Cola hat dann auch nur etwas komisch geschmeckt, weil ich noch einen Kaugummi im Mund hatte, aber ich habe mich köstlich amüsiert.

Ich konnte all den Geschichten nur Teilweise folgen, denn alle wechseln ohne Punkt und Komma vom Kiswahlili ins Englisch und zurück. Da war jedenfalls ein Onkel, der lag für 14 Jahre krank im Bett, dann bekam er ein Armband und jetzt kann er wieder laufen. Und die Schwester mit den bösen Träumen, die jetzt ganz ruhig schläft….uund so weiter.

Irgendwann schrieb der Heiler eine SMS, die Leute sollen in sein Büro kommen. Wir hatten also wieder mal für nichts gewartet und die arme Peris musste sich ein paar Häuser weiterwälzen.

Der Heiler selbst trug einen Arztkittel, hatte aber nichts Magisches an sich. Er liess sich von Peris versichern, dass sie all ihre Verwandten und Freunde zu ihm schicke, damit er ihnen helfen könne, gab ihr ein neues Armband und schickte uns dann fort. Tante Peris führte uns in ein Restaurant, kaufte Pauline und mir Pommes, ass die Hälfte davon selbst, während sie uns ununterbrochen versicherte, sie sei überhaupt nicht hungrig, im Gegenteil, sie fühle sich so satt, dass sie nicht essen könne (=

Ich fange an, die Stadt zu lieben, auch wenn ich immer noch nicht weiss, ob es die richtige Entscheidung war, in der Stadt zu leben und nicht etwas ausserhalb in den ländlicheren Gebieten. Ich mag das Chaos hier, den Lärm, die Farben, die Gerüche.

Allerdings ist Nairobi unglaublich schmutzig. Wenn eine Zigarette das Leben wirklich um 10 Minuten verkürzt, dann lebe ich nach einem Jahr Nairobi nicht mehr lange. Was man da alles an kaum gefilterten Abgasen einatmet. Und erst der Staub! (hier ein Insider: Der Kevin würde hier einen seiner Nasenpopel essen und er wäre tot!! *lol*).

Als Pauline und ich heim kamen, war die kleine Janet da. Sie ist das 8-jährige Baby der Familie, alle vergöttern sie und sie ist wirklich niedlich (= Aber sie muss unterhalten werden, und das ist anstrengend. Ich habe ihr UNO beigebracht (merci viel Mal für die Karten, Silä, nur glaube ich leider nicht, dass die ein Jahr überleben werden, denn auch wenn sie so wenig haben hier, gehen sie nicht gerade sorgfältig mit den Dingen um )=….)

Mein Gastvater hatte Spaghetti gekauft und die sollte ich diesen Abend kochen. Der neue Ofen, der schon sehr lange im Haus steht, aber noch nie gebraucht wurde, war nun auch schon installiert, damit ich ihn einweihen konnte. Der Ofen hat vier Gasplatten und zwei Elektrische, die aber nicht funktionieren. Neben der riesigen Gasflasche wird weiterhin auf Parafinöfen am Boden gekocht und gebrutzelt und wie man den Gashahn ausschaltet, weiss niemand so genau. Ich habe jetzt etwas Angst, dass uns früher oder später das Haus um die Ohren fliegt, aber zurück zu den Spaghettis.

Pfannen gibt es nicht, nur Blechtöpfe. Ich versuche damit zu entschuldigen, dass ich die Spaghetti nicht so wirklich hingekriegt habe (= Nein, die oberste Schicht war ganz gut, dass die untere schlechter war, hat niemand bemerkt, denn die Familie weiss ja nicht wirklich, wie die Spaghetti schmecken sollten… In Kenia isst man sie nicht, weil sie aussehen wie Würmer. Meine Gastmutter hat nicht probieren wollen, forderte mich aber auf, viel zu essen, weil das ja aus meinem Land sei.

Die Familie schätzt es sehr, dass ich alle Esswaren versuche und an ihrer Kultur interessiert bin. Pauline versichert mir immer wieder, dass mein Gastvater mich sehr liebe, weil ich sie so respektiere. Und dass sie auch mich und meine Kultur respektieren und darum wollen sie auch mein Essen probieren…

Noch ein Wort zu den Kleidern: Es war ein Missverständnis, dass die Mädchen nur Röcke tragen dürfen. Wenn Pauline aus dem Haus geht, zieht auch sie Hosen an (oder einen Minirock *lol*). Und ich laufe ja immer noch in Jeans rum, weil die Ex-Austauscher uns gesagt haben, wir sollen keine kurzen Hosen tragen, weil wir sonst als Touristen angeschaut werden. Aber inzwischen hat sich das Wetter hier gebessert und es ist unglaublich heiss, so dass ich mir das mit kurzen Hosen nochmals überlegen muss. Als Muzungu bleibe ich ja sowieso ein Tourist, auch wenn ich die traditionelle Kleidung eines afrikanischen Stammes anziehe, also spielt es keine Rolle.

Ich weiss, es ist ein bisschen sehr früh, doch ich weiss nicht, ob ich mich je daran gewöhnen werde, dauernd so bedrängt zu werden… Sogar wenn ich mit meinem Gastbruder oder einer Schwester herumlaufe, werden mir Taxis angeboten… Und dann erst auf dem Markt in der Nähe des Hauses! Wenn ich da mal alleine hingehe, fressen die mich (= Ich war wieder mit meinem Gastbruder dort, er brachte mich wieder zu seiner Freundin, die dort eine Bude hat, ich hatte ihr ja versprechen müssen, mit Geld zurück zu kommen. Aber obwohl ich die Freundin eines Freundes bin, wollte sie mir ihre Taschen für 1000 Shilling verkaufen… Ich habe mich herausgeredet; die Farben gefielen mir nicht und ihr dann etwa eine Stunde lang geholfen, Kräuter zu sortieren. Das hat den ganzen Markt amüsiert, wie die Muzungu dort gehockt und GEARBEITET hat (= Zum Dank hat sie mir dann ein Kettchen geschenkt (Sie wird am Samstag vorbeikommen, um zu überprüfen, dass ich es auch ja trage).

Diesen Abend sollte eine bessere Serie laufen im Fernseher. Ich freute mich schon, wurde aber wieder bitter enttäuscht: „Love is timeless“. Haha, ich mache mal ein Video von dem TV-Programm hier, ich glaube nicht, dass sich das jemand vorstellen kann (Für Latschgä und Merlä (und Fänä??hihi), remember Mittermeier?? „Oh Heiko, ich glaube, ich sterbe jetzt dann bald“. Aber es ist NOCH schlechter und dazu noch synchronisiert!!! *lol*).

30.8.07

Meine Schwestern brauchen meine Lippenpomade. Schon komisch, dass sie es zwar ganz offensichtlich tun, aber nie, wenn ich es sehe )= Nun wird mir auch klar, wieso Pauline gesagt hat, es rieche im Bad immer noch so fein nach meinem Shampoo, obwohl ich es gar nicht gebraucht hatte an besagtem Tage…

Ich weiss schon, hier ist es etwas anders mit Eigentum und Teilen usw. Aber ist schon ein komisches Gefühl, wenn meine wenigen Sachen, die ich auf die winzige Abstellfläche oberhalb des Bettes deponiert habe, jedes mal anders angeordnet sind, wenn ich nach Hause komme…

Das Wasser ist übrigens zurück, aber viel ändert das nicht. Man kann nun wieder Wasser vom Hahn trinken (es muss wirklich recht sauber sein, ich spüre nichts und trinke es oft) und drinnen abwaschen – ach ja, und die Toilette spülen.

Irgendwann gehe ich Lisa besuchen, die hat eine Dusche (= Nein, es ist nicht so schlimm, ich habe mich an das Waschen im Becken gewöhnt.

31.8.07

Heute Morgen ging ich ins ICYE Office, ich glaube, ich muss die ein bisschen bedrängen, damit mal endlich was geschieht. Es ist jetzt eine ganze Woche vergangen, und NICHTS neues, immer noch KEIN Projekt.

Ich begleitete Debbie, die neue Mitarbeiterin, auf die Bank und es tat gut, mich auszujammern (=

Als ich wieder nach Hause kam, war Pauline gerade am Gehen fuer in ihren Franzoesischunterricht und ich begleitete sie in die Stadt. Es war erst 13 Uhr und ich hatte einen ganzen Nachmittag totzuschlagen. In einem Supermarkt entdeckte ich Kaffeeguetzli – die sind unglaublich!!! (Andi, sorry dass ich das sagen muss, aber sie sind NOCH besser als die, die du mir mal aus Holland gebracht hast *g). Mit meinen Guezli setzte ich mich dann in einen Park, den ich beim Herumstreifen entdeckte. Es waren fast nur Maenner dort, und zwar viele. Schon auffaellig, wie die herumhaengen koennen, waehrend die Frauen arbeiten muessen. Ich wurde aber nicht belaestigt, und so bin ich einfach geblieben, man kann sonst nirgens sitzen. Es gibt ueberall Polizisten, die die Leute sogar von den Schaufenstern wegjagen, wenn sie zu lange dort stehen!

Ein paar Meter von mir entfernt hielte ein Mann lautstark eine Predigt. Ich dachte erst, der schreie nur rum, aber als dann eine Gruppe um ihn herum ploetzlich zum Gebet aufstand, sah ich, wie ernst die ganze Sache war.

Ich ging dann doch relativ frueh wieder heim, es ist einfach toedlich, alleine herum zu sitzen. Und dazu noch in einer fremden Grossstadt…

Kerubo hat tatsaechlich ein Projekt fuer mich gefunden! Es ist in South c, das ist ein ganzes Stueck weit weg. Meine Familie war ausser sich, weil ich mit sogar umsteigen muss (Matatu) und das zu allem dazu auch recht viel kostet. Ich habe dann gesagt, dass ich vielleicht Familie wechseln muss. HILFE, da ist das Durcheinander erst losgegangen: Sie wollen mich UNBEDINGT behalten, es kommt nicht in frage, dass ich ausziehe, sie lieben mich doch und dann suchen sie mir ein anderes Projekt und aaaaaagh. Ich verstehe ihre Interessen nicht, glauben die echt, ich hole sie alle in die Schweiz, oder wieso wollen die unbedingt ein Maul mehr stopfen? Helfen und alles darf ich ja kaum, also bin ich nicht mal eine billige Arbeitskraft… und sie koennen mich ja nicht wirklich sooo gern haben *lol*

Jedenfalls hat sich dann herausgestellt, dass der Direktor des Kinderheimes, in dem ich arbeiten werde, fuer die Transportkosten aufkommen wird und auch mein Mittagessen organisiert. Er lebt selbst in Westland und wird mich jeden Tag mit zur Arbeit nehmen. Irgend so was…

Janet hat heute ihre neue Frisur bekommen. Fuer die Schule muessen die Haare in geraden Linien ueber den Kopf geflochten werden. Ziemlich streng sieht das aus, ihre Ferienfrisur war viel suesser, mit den schraegen Zoepchen…

Was wir als Struempfe benutzen, wird hier als Haarnetz fuer die Nacht und zum Arbeiten gebraucht (= Ich habe mich ziemlich gewundert, als ich auf dem Markt das erste Mal Verkaeufer sah, die Strumpfhosen mit baumelnden Beinen auf dem Kopf hatten… Aber all meine Schwestern benutzen die so, und die Strumpfbeine, um das ganze festzubinden.

Als ich Fotos von Familie und Freunden gezeigt hatte, sagte Pauline sofort, als sie Merlae sah: sie ist von den Philippinen, nicht?

Heute Abend habe ich herausgefunden, warum sie das so gut erkannt hatte: Wir schauten eine philippinische Serie. Das heisst, ich bin nach zehn Minuten abgeschlichen, denn bis da war nichts passiert, ausser dass jegliche Schauspieler geheult haben (??) und ich war sowieso muede und ich wurde bei der ganzen Heulerei auch traurig, weil eine Schauspielerin sieht tatsaechlich so aus wie du, Maria *gg.

1.09.07

Fuer alle, die Wedding crashers gesehen haben: Ich war heute mit Maria, Janet und Victor uneingeladen auf einer Hochzeit (= Sie fand auf der Schulwiese statt, der Gastvater vermietet die am Wochenende jeweils zu solchen zwecken – und die Familie schleicht sich dann ein, um gratis zu essen.

Das Essen war aber nicht soo umwerfend, und wir haben ewig auf das Brautpaar gewartet, und als sie dann endlich kamen, sind wir gegangen, weil es zu regnen angefangen hat. Also haben wir das eigentliche Fest verpasst…

Ich habe mich nicht all zu gut gefuehlt, ich war nicht nur die einzige Weisse, sondern auch noch uneingeladen dazu, hehe.

Was fuer die Braut gesungen wird:

Yu wapi eeh

Yu wapi eeh

Yu wapi bibi harusi twataka tuagaike naye

Twataka tuagaike naye

Twakuom ba

Twakuom ba

Ufikapo uko umweshimu mumeo akuitapo umwitikie mwito ndipo ndoa yenyu ikapate kudomo

Mwishini salama

Mwishini salama

Uebersetzung: Where is the bride

We want to sing with her

When you arrive at your husbands house, respect him

When he calls you, respond to his call

So that your wedding may last

Live long

Live long

So einfach ist das also mit der Ehe…

Ich habe meinen Schwestern und der Mutter erklaert, dass bei uns die Frau dem Mann nicht „dienen“ muss. Sie konnten nicht verstehen, wie das funktionieren soll. Solche Gespraeche sind sehr interessant. So konnten sie auch kaum glauben, dass unser Schoenheitsideal so duenn wie moeglich ist, wo hier von den Frauen erwartet wird, dass sie fett werden, sobald sie verheiratet sind (oder schon zuvor).

„iss, dada (Schwester), du sollst so fett werden wie wir“ (=

Heute Morgen haben Janet und ich uns abwechslungsweise aus ihrer Kinderbibel vorgelesen (ich staune selbst, dass ich praktisch alle Geschichten kenne).

Janet sagte: weisst du, frueher waren wir Affen. Ich war etwas erstaunt, weil wir gerade dabei waren, die Schoepungsgeschichte zu lesen. Pauline sagte dann: Gott hat dem weissen Mann viel Hirn geschenkt.

Ich habe gesagt, er hat allen viel Hirn geschenkt, dass wir alle das gleiche sind, und sie hat mich nur so angeschaut… )=

Noch etwas weiter, wenn wir schon bei Gott sind: Als wir irgend wann mal TV geschaut haben, eine der laecherlichen Serien, die da halt den ganzen Tag so laufen, hat eine Schauspielerin gefragt: Ist das die Strafe Gottes, fuer all die Suenden, die ich begangen habe?

Und die ganze Familie bruellt: jaaaaaaaaaaa

Christin hat mir heute Abend geschrieben, ob ich mich mit ihr und den anderen treffen will. Ich koenne auch bei ihr im Projekt uebernachten. Ich war natuerlich begeistert.

Aber erst brauchte ich die Erlaubnis der Gastmutter. Ich dachte nicht, dass es ein Problem werden wuerde, sie selbst wusste, dass Christin aelter als sie selbst ist und also auf mich aufpassen koennte. Doch es war ein Problem. Es kam ueberhaupt nicht in Frage, dass ich weg ging, wenn es dunkel war. Auch als ich log, wir wuerden nicht ausgehen, sondern einfach alle im Projekt bleiben, ging das nicht. Selbst sie, meine Gastmutter, duerfe nicht auswaerts uebernachten, der Vater sei da sehr streng… Ich war wuetend auf sie, auch wenn sie ja nichts dafuer konnte. Sie sagte sogar, ich solle doch bitte bis naechstes Wochenende warten, da sei der Vater nicht daheim, dann koenne ich gehen!

Und doch.. es wird hier um 18 Uhr dunkel, wenn ich bis da immer daheim sein muss… die Abende werden schon jetzt lang, und ich bin gerade mal eine Woche da.

2.09.2007

Ich habe mich am Vormittag irgendwann davon gestohlen und bin in die Stadt gebraust. Um 1 Uhr war ich mit Christin &Co verabredet, beim Hotel Hilton, an dem wir mit der Gruppe vor zwei Wochen zwar einmal vorbeigelaufen waren, das ich aber nie wieder finden wuerde. Ich war damals naemlich noch sehr damit beschaeftigt, darauf aufzupassen, die anderen nicht zu verlieren und hatte kaum Zeit, mir Wege zu merken. Da ich aber genug Zeit hatte, brach ich das strenge Gebot meines Gastvaters, immer ihn anzurufen und NIE mit Fremden zu sprechen, und fragte mich durch die Stadt. Es ist nicht so „gefaehrlich“, mit Fremden zu sprechen, wenn man sich an die Wachtposten haelt, die ueberall Eingaenge und Gebaeude bewachen. Die koennen dir naemlich schlecht anbieten, dich zu begleiten, weil sie ja bei der Arbeit sind. Ich hatte dann schliesslich aber doch einen persoenlichen Stadtfuehrer: Ein Typ wollte mir einen Safaritrip andrehen und wollte mich in sein Bureau gleich neben dem Hilton fuehren. Er nahm mir das Versprechen ab, dass ich in ein paar Monaten, wenn ich dann wirklich auf Safari gehen will, in sein Bureau zu kommen und mich beraten zu lassen, gab mir seine Visitenkarte, brachte mich zum Hotel und verschwand tatsaechlich, ohne dass ich in seinem Bureau war (=

Es war toll, die anderen zu sehen!

Pedro, der mit der ICYE Chefin Kerubo wohnen muss, weil er noch keine Familie hat, und am Samstag mit ihr 8 (!!) Stunden in der Kirche war. Er tut mir wirklich leid, er spricht ja kaum Englisch, und jetzt muss er den ganzen Tag daheim sitzen und kann sich nicht mal mit dem Hauspersonal unterhalten. Und abgesehen davon, dass der TV sowieso nicht viel hergibt, versteht er ja auch kaum, was gesprochen wird. Wirklich mutig der Typ! Mein Englisch ist ja auch nicht hammermaessig, aber ich habe kaum Probleme, mich zu verstaendigen und verstehe praktisch alles (Ab und zu benutze ich meine schlechten Englischkenntnisse als Entschuldigung dafuer, wenn ich zu muede bin, mich zu unterhalten, hehe).

Christin hat in ihrer ersten Arbeitswoche im Krankenhaus mehr Spritzen „verteilt“, als sie in ihrem bisherigen Leben als Krankenschwester verpasst hatte.

Anna wacht jeden Morgen auf, weil ihre Gastmutter das Hauspersonal anschreit…

So hatten alle ihre Geschichten zu erzaehlen.

Niemand lebt in Verhaeltnissen, wie ich es tue. Sie waren entsetzt, dass wir nicht mal einen Esstisch haben und aus Plastikschuesseln essen, dass mir die Decke auf den Kopf broeckelt usw. (=

Und dann habe ich noch gefragt, was die anderen so trinken… Nicht einmal ihre Gastfamilien trinken das Leitungswasser ungekocht! Sie haben gesagt, ich solle sofort damit aufhoeren, aber es wird wirklich kompliziert, das Wasser abzukochen, denn die Parafinkocher, welche die Maedchen zum Kochen benutzen, sind nicht einfach zu bedienen und den Gasherd ist nur fuer spezielle Angelegenheiten…

Wir waren zusammen Essen, Tomaten-Kaese-Toast-Sandwich und Pommes! *Traeum* Ich musste dann schon bald wieder los, denn ich muss ja um 5 oder allerspaetestens um 6 daheim sein…

Wenn ich schon mal beim Essen bin, ein paar Worte zu meiner Speisekarte: Der Morgen beginnt mit zwei Scheiben ungetoastetem Toastbrot (man gewoehnt sich daran, das essen hier alle) mit Margarine und Aromat. Ich habe das Aromat beim Spaghettikochen eingefuehrt, es ist aber schon fast alle, weil sie es jetzt ueber alles drueber schmeissen. Zum Brot gibt’s Tee, unglaublich suess und mit viel Milch. Das wird alles zusammen gekocht, man kann also nicht selbst suessen.

Zum Mittagessen war ich bis jetzt erst einmal da, und da gab es Kochbananen mit Tomatensauce. Ansonsten verpflege ich mich mit Schokolade oder meinen Kaffeeguezli.

Zum Abendessen, das um 20 Uhr herum eingenommen wird, gibt’s meistens Ugali (fester Brei aus Maismehl), dazu Sukumavici (das Gemuese gibt’s bei uns nicht. Es sieht zubereitet aus wie Spinat, ist also eine Pflanze, die grosse Blaetter produziert und ein bisschen aussieht wie kleine Palmen (ich mache mal ein Bild). Manchmal gibt’s auch gekochte Bohnenblaetter. Alles wird mit Tomaten in Oel gekocht, und zwar so lange, dass es auch ja keine Naehrstoffe oder Vitamine zurueckbleiben.

Es hat auch schon Reis gegeben, und einmal Kartoffeln. Und oft gibt es rote Bohnen. Ein- zweimal die Woche gibt es Tchapati, das ist Fladenbrot.

Und wie gesagt; alles wird in einer unglaublichen Menge Oel gebraten, gedaempft, gekocht. Und dann in ebenso unglaublich riesige Portionen aufgeteilt und verzerrt.

Toent das nach gutem abwechslungsreichem Essen? Ist es nicht, aber ich klage nicht, es macht satt (= Mein „Hungergefuehl“ ist uebrigens endlich zurueck…

Beim Essen habe ich meine Schwestern gefragt, wie es sich mit Heiraten verhaelt. Das ist natuerlich von Stamm zu Stamm verschieden, aber bei den Kisii, denen meine Gastfamilie angehoert, verhaelt es sich wie folgt: Die Maedchen koennen den Mann selbst waehlen. So haben auch Pauline und Gladis ihre Freunde, die sie ab und zu treffen. Wollen sies dann wagen, kommen die Eltern des Freundes den Vater der Maedchen besuchen, um ueber den Brautpreis zu sprechen. Der Brautpreis ist entweder Geld (viel Geld, denn Maedchen sind teuer, weil sie so viele Dinge wie Lippenstift und huebsche Kleider gebrauchen) oder zwischen 15-30 Kuehe. Die meisten Familie haben neben dem Heim in der Stadt auch noch ein Zuhause auf dem Land, mit Tieren, Feldern usw. Dort kommen dann auch die Kuehe hin.

Ist die Familie arm, werden die Maedchen moeglichst frueh an den Mann „abgegeben“, damit Geld in die Familie und das Maedchen aus der Familie raus kommt. So heiraten einige schon mit 15, normalerweise aber erst zwischen 18 und 20.

Ich konnte kaum glauben, dass Kuehe als Brautpreis wirklich noch Gang und Gaebe sind, als ich aber am naechsten Tag Debbie (neue Mitarbeiterin bei ICYE) davon erzaehlte, sagte sie: „Was, 20 Kuehe, das ist viel! Mein Vater wird fuer mich wohl 12-14 kriegen“ …. (=

Die Maedchen haben mir erzaehlt, wie einer ihrer Cousins zu einer Prostituierten gegangen ist, sie bezahlt, mit ihr geschlafen und dann von ihr beklaut wurde. Geld und Handy waren weg. Ich fand dann heraus, dass die nicht existierende Matatuhaltestelle Namens Koinange, an der ich immer abspringe, wenn ich in die Stadt fahre, nach einer Prostituierten benannt ist…

Mir ist dann die Bemerkung herausgerutscht, dass meinem Gastbruder auch das Handy geklaut wurde… (= Aber das ist anscheinend im Schwimmbad passiert…

3.09.2007

Ich hatte mich mit Debbie um 8.45 auf dem ICYE Office verabredet – ich sollte ja heute endlich mit Arbeiten beginnen! Natuerlich war ich auch puenktlich, der Pastor aber, der das Projekt, in dem ich arbeiten werd, leitet, kam dann doch erst nach 10 Uhr, um uns abzuholen. Debbie wuerde mich heute begleiten, damit ich mir das neue Projekt anschauen konnte.

Und dann begann der Tag, der mit Abstand der Verrueckteste dieser drei Wochen Afrika war:

Der Pastor namens Richard fuhr einen edlen Schlitten, womit ich sagen will, dass sein Auto auch auf unseren Strassen zugelassen waere. Und damit ging es nun quer durch Nairobi City nach Sueden in die Slums.

Von der „Hauptstrasse“, durch die wir im Schritttempo holperten, konnte man zwischen den Buden, die den Weg saeumten, die Behausungen der Aermsten der Armen sehen. Ich war mir nicht so sicher, dass ich schon bereit dafuer war, schmutzige Kleinkinder in Lumpen barfuss durch die Bruehe, die links und rechts der Strasse floss, waten zu sehen. Und nun sollte ich hier arbeiten…

Das „Home of Hope“ in einer Strasse oberhalb der sich in die Unendlichkeit erstreckenden Barackensiedlung ist eine Schule in einem winzigen Gebaeude, wo junge Frauen Hairdressing und Beauty therapy „studieren“ koennen, um nach Abschluss selbst eine kleine Boutique zu eroeffnen und sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Im selben Gebaeude wird einer anderen Gruppe junger Frauen beigebracht, einen Computer zu bedienen, im dritten Zimmer, mit der Naehmaschine umzugehen.

Ich wurde durch jedes Zimmer gefuehrt, herzlich begruesst, willkommen geheissen und angestralt, als wuerde alles besser, nur weil ich jetzt da bin. Auf den Baenken zwischen den Frauen sassen Kleinkinder, und mein Job sollte es nun sein, auf diese Kinder aufzupassen, waehrend ihre Muetter im Unterricht waren.

Richard brachte mich ins Bureau und gab mir schon mal 3000 Schilling, so viel kostet ein Monat hin- und Rueckreise mit dem Matatu. Doch die Kosten sind nicht das Problem, sondern dass ich jeden Morgen zwei Stunden Bus fahren und am Abend das selben Weg zurueck muss, und dass ich ja eigentlich sowieso nicht bei meiner Familie bleiben wollte. Nicht zuletzt ist es unmoeglich fuer mich, um 5 oder 6 wieder daheim zu sein…Ich erzaehlte ihm von der Familie und Richard fand heraus, dass er im selben Dorf aufgewachsen war wie mein Gastvater, also sein Freund ist und ihn kennt. Richard fand, ich koennte bei seiner Familie wohnen oder bei der Schwester seiner Frau und deren Mutter, denn die wohnen nicht weit weg und die Schwester koennte mich jeden Tag im Projekt absetzten, die kann naemlich Autofahren.

Also rief Richard meinen Gastvater an, sagte, dass ich bei ihm gelandet sei und er eine Unterkunft fuer mich habe.

Nach beendetem Gespraech war uns allen klar, dass dieser Mann irgend ein Problem haben muss… er hatte Richard gesagt: „you are my friend, don’t let me down. Don’t take her out of my family“.

Ich wollte nun nur noch schneller weg… Richard begann schon, Plaene zu schmieden, wie er mich da herausholen koennte. Er wollte mich bei einem Freund in einem Heim noch weiter weg von Westlands wo ich wohne platzieren, damit auch mein Gastvater sehen musste, dass ich den Weg nicht zuruecklegen konnte. Wir beschlossen dann aber, erst mit der ICYE Cheffin Kerubo zu sprechen und mussten sowieso aufbrechen, um Richards kleine Tochter abzuholen, die heute das erste Mal im Kindergarten war.

Debbie hatte mir erzaehlt, dass meine Gastfamilie die einzige ist, die kein Geld dafuer verlangt, mich zu beherbergen. Es steht also in Kerubos Interesse, dass ich die Familie NICHT wechsle, so dass sie das gesparte Geld in die eigene Tasche stecken kann. s steht also in Kerubos Interesse, dass ich die Familie NICHT wechsle, so dass sie das gesparte Geld in die eigene Tasche stecken kann.

Also stiegen wir wieder ins Auto und fuhren die selbe Elendstrasse zurück in die Stadt. Habe ich schon erwaehnt, dass ich mit solchen Gegensaetzen ziemliche Muehe habe. Richard, der in diesem Viertel gleich eine zweite Schule eroeffnen koennte, wuerde er nicht lieber jeden Tag sein Auto waschen lassen…

Hope, Richards dreijaehrige Tochter, ist natuerlich das niedlichste Baby weit und breit (= Wir fuhren holten in einer Imbissbude Pommes und fuer jeden ein halbes Poulet. Poulet ist hier uebrigens sehr beliebt, aber teuer. Eine der ersten Fragen Paulines vor einer Woche, als ich in die Familie kam, war: Stimmt es, dass man in eurem Land Poulet isst wie Fleisch? Sie meinte damit, dass Poulet nicht viermal so viel kostet wie Rindsfleisch…

Wir assen im Auto und fuhren dann zu Richard nach Hause, wo seine Frau und ihre Schwester Bettie schon auf uns warteten. Wir tranken irgendwelchen Saft, Richard verschwand und Debbie und ich wurden von Bettie zu deren Mutter in Karen, ein weiterer Teil Nairobis, chauffiert.

Die Mutter und Bettie wohnen in einer kleinen Villa. Ein Wachtposten mit Maschinengewehr oeffnete das Tor… die Familie des Ministers fuer den Wild Life Tourismus Kenya kann es sich leisten…

Der Fernseher ist riesig, der Teppich zu kostbar, um betreten zu werden, die Bilder an den Waenden Originale. Bettie fragte mich, ob es fuer mich okay sei, wenn ich ein eigenes Zimmer habe??

Ich konnte im Moment nicht darueber nachdenken, ob ich es verkraften werde, im Ghetto zu arbeiten und Abends in diesen Palast zurueck zu kehren, ich wusste nur, dass ich endlich Arbeit hatte und aus meiner Familie heraus kam.

Mein Gastvater rief mich um 5 Uhr an und fragte, wo ich denn sei, das Essen werde kalt (wir essen normalerweise nach 8 Uhr Abends). Ich sagte, ich sei noch bei der Arbeit. Wir brachen dann auf, Bettie setze mich in Westlands ab, Morgen sollte ich umziehen.

Packen musste ich ja nicht, ich lebe aus dem Koffer…

4.09.2007

Ich hatte mich um 7.30 Uhr mit Kerubo verabredet und sagte ihr, dass ich eine neue Familie gefunden habe und umziehen moechte.

Kommt nicht in Frage, schon nur, weil die neue Familie von ICYE ueberprueft werden muss, und warum will ich ueberhaupt die Familie wechseln? Ich sagte, dass ich nicht klarkomme mit meinem Gastvater, der mir verbieten will, meine Freunde am Wochenende zu sehen und mich um fuenf Uhr abends wieder daheim haben will, und sie redete mich in Grund und Boden, dass es in allen Familien Regeln gebe usw. Ich kam dann mit schwachen Argumenten wie dass ich nicht ein Jahr aus dem Koffer leben will und dass die Familie so arm zu sein scheint, dass sie sich mich als Gast sowieso nicht leisten koennen, wenn sie ja aus Plastiktellern in der Kueche und nicht einmal an einem Tisch essen koennen und uns die Decke auf den Kopf faellt.

Ihre Reaktion war ganz interessant; sie wollte naemlich, dass ich niemandem von den Lebensverhaeltnissen der Familie erzaehle! Also weiss sie es doch, und auch dass der Vater unglaublich streng ist… Ich blicke echt nicht durch, was da laeuft!!

Ich beharrte aber darauf, dass ich weg wollte. Doch Kerubo hatte die ganze Woche an irgend einem Workshop zu arbeiten und konnte sich die neue Familie erst am Wochenende ansehen, fruehstens. Also nichts mit ausziehen.

Ich wartete dann drei Stunden im Office, bis Debbie, die eigentlich schon am Morgen haette kommen sollen, um mir beim Gespraech mit Kerubo zu helfen, auftauchte und mich in mein neues Projekt brachte. Das heisst, sie zeigte mir, wo ich welche Matatus nehmen sollte. Keine Ahnung, ob ich meinen Weg am Abend zurueck finden werden, geschweige denn, am naechsten Tag wieder ins Projekt…

Im Home of Hope war kein einziges Kind heute! Ich sass mit den Frauen zusammen, beantwortete Fragen wie; gibt es auch Friseure in der Schweiz, was pflanzt ihr so an in eurem Land, wie finde ich Kenia, wie lange bleibst du, ich zeige dir morgen das und das, kannst du Haare flaechten usw. Ausserdem erfuhr ich, welche der Frauen, die alle so um die 20 Jahre alt sind, schon wie viele Kinder hat.

In der Mittagspause sass ich mit den drei Lehrern im Bureau und sollte eine kenianische Portion Reis und Bohnen essen. Mir wurde verziehen, dass ich kaum was davon herunter bekam. Wasser kriegte ich aus einem Becher, den nach mir die anderen benutzten.

Ich sagte dann, ich wuerde wieder in die Stadt fahren, um Papier und sonstiges einzukaufen, damit ich morgens mit den Kindern, die die Frauen mitbringen sollten, etwas unternehmen konnte.

Zwei Frauen eskortierten mich zurueck zu meinem Matatu. Unterwegs rief mich Andrew an, der letzten Freitag von seinem Austauschjahr in Deutschland zurueck nach Kenia gekommen war und sich nun mit mir treffen wollte. Wir verabredeten uns vor dem Hilton Hotel, ich hatte ja nichts mehr zu tun heute und wollte nicht nach Hause. In einem Kaffeehaus holte ich mir einen riesigen Eiskaffee (hihihihi, Lauuuraa, „Java“ ist wie Starbucks, nur ganz leicht billiger) und traf kurz darauf Andrew.

Er spricht ziemlich gut Deutsch, ich genoss das. Wir suchten Papier, was nicht so einfach ist. Es gibt naemlich ueberall nur ganz duennes Papier, und das eignet sich schlecht fuer Papierflugzeuge und Schiffchen, wie ich eigentlich plante, fuer den naechsten Tag zu produzieren. Ich kaufte halt dann gezwungenermassen doch solche Blaetter. Andrew fuehrte mich in eine Art Markthalle, wo er in der hintersten Bude in einer versteckten Kammer seine Euros aus Deutschland gegen Keniaschillinge tauschte. Der Kurs sei besser hier als auf der Bank, dafuer muesse man das Risiko tragen, falsches Geld zu bekommen…

Wir gingen dann in eine Kneipe Bier trinken. Andrew erzaehlte, dass er in ein paar Monaten wieder nach Deutschland zurueck geht, um Paedagogik zu studieren und anschliessend eine Schweizerin zu heiraten. Das war der Zeitpunkt, wo ich beschloss, aufzubrechen und gleich darauf bemerkte, dass ich mir nicht gewoehnt war, Bier zu trinken. Und schon gar nicht einen halben Liter auf leeren Magen bei heissem Wetter.

Irgendwie schaffte ich es trotz allem, es nicht zu verpassen, in Westlands aus dem Matatu zu steigen, obwohl es aus welchem Grund auch immer eine andere Route gefahren war ich nur per Zufall ein bekanntes Gebaeude bemerkte. Ich war hundemuede, mir schwirrte der Kopf, es war schon nach 18 Uhr und ich war zufrieden mit all dem. Weniger lustig war es dann, mich daheim neben den Gastvater vor dem Fernseher zu setzen und Fragen zu beantworten. Ob ich sie denn nicht moege, warum dieser Pastor wolle, dass ich umziehe, was den das Problem sei.

Dass ich doch jetzt seine Tochter sei, er sich sorgen mache.

Und dann sagte er, ich solle keine schnellen Entscheidungen faellen, erst mal sehen, ob mir die Arbeit gefaellt, dann entscheiden, ob ich wirklich umziehen wolle. Natuerlich hatte er da recht, denn wenn ich tatsaechlich zu Bettie und ihrer Mutter ziehe, muss ich dann in diesem Projekt arbeiten.

Ich wusste nicht mehr, was ich denken sollte, was ich wollte, was eigentlich vorging um mich herum, was mit mir passierte. Zu all dem Chaos kam natuerlich noch eine Portion Schlafmangel.

Dann rief Priska an und sagte, ich solle Morgen erst ins Office kommen und nicht zur Arbeit gehen… Mir war das eigentlich recht, denn inzwischen hatte ich schon gehoerige Zweifel, ob ich die Arbeit, die ich tun sollte, wirklich meistern konnte. Was, wenn die mir zwanzig Kleinkinder bringen und ich muss dann schauen, dass sie unterhalten und beaufsichtigt sind? Und das in einem winzigen Raum oder dem kleinen Vorhof, wo es aber wohl nicht zu laut werden sollte, damit die Frauen in Ruhe lernen und Arbeiten konnten? Doch durfte ich ueberhaupt an meinem neuen Projekt zweifeln, wenn ich doch nun endlich eines hatte und es mir zudem ermoeglichte, umzuziehen?

Ich fuehlte mich unglaublich klein und dumm und verloren und zweifelte, ob ich wirklich fuer dieses Austauschjahr geschaffen war, ob ich all die Probleme verursachte oder ob ich einfach ungerecht behandelt wurde… Bin ich wirklich so kompliziert?

5.09.2007

Maria und Victor wurden heute Morgen von ihrem Vater ins Internat gefahren. Der Abschied beschraenkte sich auf ein Haendeschuetteln, auch mit Maria, die am Abend zuvor noch geklagt hatte, wie sehr sie mich dann vermissen wird.

Ich ging dann ins ICYE Office, wo Priska wollte, dass ich aufschrieb, warum ich die Familie wechseln wollte. Ich war total fertig und bemerkte, dass es nicht so einfach ist, vernuenftige Gruende anzugeben. Sie wollte nicht verstehen, dass es von Anfang an nicht geklappt hatte, dass ich mich nie zuhause fuehlen werde dort, dass ich diese Leute schlicht und einfach nicht mag! Also musste ich all die Dinge auflisten, die ich eigentlich nicht als Gruende gebrauchen wollte, denn ich konnte ein Jahr aus dem Koffer leben, wenn es mir ansonsten an nichts fehlte. Ich kann auch ein Jahr aus einem zerbeulten Schuesselchen essen und all dies…

Dann sagte ich auch, dass ich zweifel habe, was das Projekt betrifft.

Priska sagte, dass sie mich umplatzieren werden, aber erst etwa in zwei Wochen und ich heute mal arbeiten gehen solle und dann entscheiden kann und dass alles gut werde, obwohl ich weiss, wie wenig es sie schert, denn sie arbeitet eigentlich gar nicht mehr, sie geht in ein paar Tagen selbst fuer ein Jahr ins Ausland.

Ich fuhr dann ins Projekt, ich fand den Weg! (= Ich musste an einer Schule vorbei, wo die Kinder (winzige Kinder) gerade Pause hatten. Die Szene haette gut in den Traum einer Schauspielerin in einem Horrorfilm gepasst: Die Kinder stimmten einen Sprechchor an: Mu-zung-u Mu-zung-gu Mu-zung-gu! Und wie sie alle langsam ans Gitter gestapft kamen… Mu-zung-gu, Mu-zung-gu!

Dafuer waren das dann die letzen Kinder fuer diesen Tag: Ich kam ins Home of Hope, und dort waren KEINE Kinder. Ich setzte mich zu der Sekretaerin ins Bureau. Es stellte sich heraus, dass alles ein ziemliches Missverstaendnis war: Die Frauen bringen normalerweise ihre Kinder gar nicht mit. Sie sollte ihre Kinder also bringen, damit Arbeit fuer mich produziert wurde, was sie aber nicht getan hatten, denn es gab kein Wasser im Projekt, also bringen sie sie besser in die Schule, wo sie verpflegt werden. Ist auch einleuchtend! Ich verstehe nicht, warum mich Richard genau hier haben wollte, denn ich moechte ja mit Kindern arbeiten und nicht mit den Frauen, doch das Home of Hope ist kein Kinderheim sondern eine Schule!

Ich versprach, einmal auf Besuch zu kommen und ging wieder.

Ehrlich gesagt bin ich erleichtert! Ich war schon nur mit der Idee, ganz alleine auf all die Kinder aufzupassen, ueberfordert gewesen. Ich sollte in einem Kindergarten arbeiten koennen, wo ich der Lehrperson assistieren kann. Natuerlich, ich werde jetzt nicht zu der Ministerfamilie ziehen, und ich werde noch laenger hier in dieser Familie bleiben muessen, aber egal.

Muzungu ist uebrigens nicht ein Schimpfwort oder abwertend, es meint einfach Weisse in Kiswahili… Und man kriegt es dauernd zu hoeren, wenn auch nicht immer so psychotisch wie von diesen Kindern (= Die Kinder sind ansonsten ganz freundlich (= Jetzt wo die Schule wieder angefangen hat, kommen sie ueberall in Gruppen angelaufen, um nach Hause oder zu ihren Schulen zu gehen und sobald sie mich sehen, rufen sie: How are you? How are you?

In der Stadt ging ich ins selbe Restaurant, wo ich letzten Sonntag mit den anderen Austauschern war und bestellte Kaese-Tomaten-Toast mit Pommes (= Fuer einen Kaffee reichte es nicht mehr, sie hatten mir ja alle genug oft gesagt, nie viel Geld dabei zu haben, weil es gestohlen wird. Ich weiss, ich darf nicht leichtsinnig sein, aber irgendwie uebertreiben die alle. Mir wird nicht einmal im groessten Gedraenge nach der Tasche gegriffen, und irgendwie glaube ich nicht, dass da einer kommt und sie mir einfach wegreisst… Da sind ueberall soo viele Leute.

Langsam kann ich mich orientieren in Nairobi. Da ist das haessliche Hilton, das als runden Turm in die Hoehe ragt und gut sichtbar ist. Auch ein paar andere hohe Haeuser helfen mir, mich zurecht zu finden.

Irgendwie gelingt es mir, mich nicht stressen zu lassen, wenn ich mal keine Ahnung habe, wo ich bin. Es ist wichtig, immer zu gehen und nicht herumzustehen und um sich zu schauen, schon nur, weil du dann ueberfahren wirst oder sich jegliche Typen auf dich stuerzen, um dir Taxis oder Armreife anzudrehen.

In Westlands fragen sie mich sogar, ob ich ein Taxi gebrauche, wenn ich in die Gegenrichtung an ihnen vorbei laufe. Das ist ziemlich anstrengend, ich versuche, mich nicht aufzuregen.

Morgen soll ich voruebergehend in der Schule meines Gastvaters arbeiten. Es gibt da anscheinend auch einen Kindergarten. Ich mag die Idee nicht, denn komme ich wieder weg, wenn ich erst mal dort bin… Und ich kann schlecht dort arbeiten, aber aus der Familie ausziehen. Mal sehen…

Heute Abend ist ein Cousin angekommen, der jetzt in Victors Zimmer wohnt. Eric hatte an der Kueste Management studiert, war kurz auf dem Land seine Eltern besuchen und wird jetzt hier leben, um in Nairobi das Studium abzuschliessen.

Er muss eine Abschlussarbeit schreiben, doch weil er keine Zeit hatte, will er einfach die Arbeit eines Freundes kopieren. Er kann aber nicht einfach Fotokopien machen, sondern muss alles abschreiben, denn einige Teile stimmen natuerlich wegen Jahrzahlen usw. nicht ueberein.

Mein Gastvater hat einen Computer, wo Eric die Arbeit anschliessend sogar ausdrucken koennte, das Problem ist nur: er kann nicht so schnell Tippen. Nicht so schnell Tippen ist untertrieben, er braucht eine halbe Minute, bis er einen Buchstaben auf der Tastatur gefunden hat (= Und nun soll er 27 Seiten in zwei Wochen so abtippseln – dann muss er naemlich die ausgeliehene Arbeit an seinen Freund zurueck geben…

Ich mag Eric, er ist nicht wie Victor oder der andere Cousin, Richard, der ab und zu auch hier herum haengt. Er isst mit uns in der Kueche und macht sogar Frauenarbeit wie das Haus wischen usw. (=

Darum tippe ich ihm jetzt seine Arbeit. Ist ganz interessant, auch wenn ich nicht verstehe, um was es geht. Um die Organisation von Esswahren in einem Hotel, also wie sie eingekauft und gelagert werden, irgend so was. Von Formatierung hatte schon der Freund, der die Arbeit (vielleicht) selbst geschrieben hatte, keine Ahnung, und Eric noch weniger… Ich hoffe, das kommt gut…

6.09.2007

Es ist kurz nach 8 Uhr Morgens und ich bin wach, denn ich muss fast mit den anderen aufstehen, erwachen tue ich ja sowieso, wenn Gladis anfaengt, die arme verschlafene Janet anzumotzen, sie solle sich anziehen und zur Schule gehen. Janet geht immer so um 23 Uhr zu Bett, weil sie bis da mit uns vor dem Fernseher hockt. Und um 7 muss sie wieder aufstehen…

Hier ein kleiner Kulturexkurs ueber die englische Sprache in Kenia (= :

Wenn dich jemand fragt, wie man aussehe, zum Beispiel in dem neuen Rock oder dem neuen Pulli (und man wird oft gefragt!! *g), dann muss man nicht „nice“, oder „great“ antworten, sondern „smart“. Wenn etwas gut aussieht, dann sieht es smart aus.

Ich war erst sehr verwirrt, als mich eine der Schwestern fragte, ob die Bohnen, die ich anhand einer riesigen Portion erst mal kosten sollte, bevor ich richtig viel davon bekam, „sweet“ seien. Ich sagte wahrheitsgetreu „no“, denn die Bohnen waren zwar wirklich gut, aber gewuerzt und nicht gezuckert. Eeeempoooeeerung: „You don’t like them??“

Gelernt: Wenn etwas gut schmeckt, dann ist es sweet!

Weiteres: Wenn man etwas fallen laesst oder umstoesst, muss man sich nicht entschuldigen, sondern die anderen. Sie sagen dann: Sorry, sorry! Das ist erst auch ziemlich verwirrend, und ausserdem musste ich mich daran gewoehnen, auch „sorry“ zu rufen, wenn jemand etwas auskippte, denn sonst bin ich ja die Unfreundliche.

Auch wird auf ein „Hatschi“ nie mit „Bless you“ geantwortet, da wirst du nur komisch angeschaut. Ich weiss aber nicht, ob man wirklich nirgends Gesundheit sagt oder ob das meine Gastfamilie einfach abgeschafft hat, weil alle dauernd am Husten sind.

Wenn wir schon bei Erkaeltungen sind: Ich sass gestern Morgen im T-Shirt in der Kueche als Pauline herein kam und sagte, ich solle mir schnell etwas anziehen, ich kriege sonst noch Malaria. Ich war zu verschlafen, um nachzufragen und habe es bis jetzt vergessen, aber kann es sein, dass sie wirklich nicht wissen, wie sich Malaria uebertraegt?

Ich glaube, das habe ich noch gar nicht geschrieben: die Malariamuecken brummen nicht. Wenn man also im Bett liegt und von einer Muecke belaestigt wird, die sich mit penetrantem Brummen immer und immer wieder aufs Gesicht stuerzt, muss man sich wenigstens nicht fuerchten. Es hat also schon fast einen beruhigenden Effekt, eine Muecke zu hoeren! (=

Ach, ich bin nicht in der Schule des Gastvaters. Weil: erstens gibt’s dort keinen Kindergarten, aber Pre-Unit, das sei anscheinend fast das gleiche. Er wollte aber nicht, dass ich heute fuer ein paar Tage dort hin gehe, bis ICYE ein Projekt fuer mich gefunden hat, weil Kerubo ihn nicht gefragt hat, mich dort aufzunehmen. Es soll mal einer kommen und mir erzaehlen, dieser Typ habe kein Problem?? Ich koennte dort arbeiten, weil er ist ja der Headmaster der Schule, aber er will nicht, weil er nicht dazu aufgefordert wurde!!!

Gut, mir ist es eigentlich recht, aber schraeg ist es doch… So habe ich vielleicht wieder mal Zeit, aufs Internet zu gehen.

1 Kommentar 6.9.07 15:47, kommentieren

Die naechsten Tage...

 

Immer noch der 6.09.2007 aber spaeter  

Ich tippte den ganzen Morgen Erics Arbeit ab, es ist eine ganze Menge, und dann kommt noch ein handgeschriebener Teil dazu, und den muss er mir diktieren. Nicht so einfach, mit dem Englisch. Aber es geht immer noch schneller, als wenn er es selbst tut. Bevor ich in die Stadt kam, wurde ich noch aufs Office zitiert und dort wartete meine Gastschwester Pauline und Debbie. Und ich sollte nun vor Pauline sagen, warum ich nicht in der Familie bleiben will, was das Problem ist und was zum Teufel eigentlich vorgehe. Wie ich das selbst wüsste!! Das alles geht so verdammt falsch!! Und Debbie, die ja mit mir bei Richard war und Dinge gesagt hat wie: „Pack deine Koffer, du solltest noch heute Abend ausziehen“, sagt plötzlich, sie verschwende hier ihre Zeit mit mir und es sei alles mein Fehler, weil ich nicht offen zu der Familie war und gesagt habe, was das Problem sei. Sie will, dass ich am Abend mit der Familie zusammensitze und ihnen sage, dass ich sie nicht mag?! Und dann fragte sie, warum ich nicht im Projekt sei und warum ich nicht Richard angerufen und ihm gesagt habe, dass da keine Kinder seien und warum ich darauf warte, dass Priska die Arbeit macht uuuusw! Diese falsche Schlange!!! Ich hatte am Abend davor mit ihr SMS geschrieben und erklärt, dass da ein Missverständnis vorliege mit dem Projekt und dass Priska mit Richard telefoniert hatte. Und obwohl Debbie selbst so sehr fand, dass ich da an einem sehr komischen Ort platziert wurde, wollte sie plötzlich nichts mehr wissen, von warum ich nicht in der Familie bleiben wolle. Zum Glück ist dann irgendwann mal Priska aufgetaucht und hat mich entlassen, und ich solle NICHT mit der Familie sprechen, das müsse ICYE tun. Keine Ahnung, was sich Debbie dabei gedacht hat, meiner Gastschwester zu erzählen, dass ich ein Problem mit ihren Eltern habe und dann von mir zu verlangen, ihr das ins Gesicht zu sagen. Ich sei nicht offen, ich sage nichts! Sie soll besser froh sein, habe ich nichts gesagt, denn ich hätte auch vor Pauline sagen können, wie sich Debbie zwei Tage davor über ihre Familie lustig gemacht hatte!!! OoooooH! Jaja, es ist wohl sehr schwer, dem allem zu folgen, wenn ich selbst es nicht mal mehr kann. Tut mir leid… Also anderes… Ich musste kurz ins Haus zurück, um das Geld, das mir Pastor Richard gegeben hatte, zu holen, und im ICYE Office zu deponieren, damit er es dort abholen konnte, denn ich brauchte es ja nicht, hatte bzw. kein Recht darauf. Das heisst, wieder am Einkaufszentrum vorbei, wieder die immer gleichen Verkäufer, die mir nachlaufen, und dann waren heute auch noch Kinder da, die mir nachliefen und Geld wollten und plötzlich packte mich ein Mann am Arm, der mir was über Gott erzählen wollte und ich mich richtig losreissen musste. Ich frage mich wirklich, ob ich reif und bereit genug bin, mit all dem Umzugehen und ob ich hier am richtigen Ort bin… Ich ging dann in die Stadt, um mich mit Andrew zu treffen, ich musste etwas aus dem Haus (okay, ich bin dauernd ausser Haus, aber egal). Andrews Bruder und dessen Frau hatten letztes Jahr eine Austauscherin beherbergt und er will nun fragen, ob sie wieder wen nehmen. Ich weiss nicht, ob das eine gute Idee ist, aber es geht alles so langsam, dass ich mir im Moment noch keine Gedanken darüber machen muss. Wir gingen dann ins Internetkaffee, ich war schon lange nicht mehr dort. Natürlich war mir nicht all zu wohl bei dem Gedanken, nach Hause zu gehen, aber ich musste wohl oder übel. Eine weitere Cousine war angekommen, Risper, die Schwester von Eric. Pauline nahm mich zur Seite, um mir zu sagen, dass alles was vorgehe unter uns bleibe und dass ich auch nicht sagen soll, dass sie bald nach Frankreich gehe und dass ich hier im Austausch sei. Weil einige Leute mögen das nicht oder beneiden sie dann oder was auch immer. Ich glaube, das Problem ist, dass die Verwandtschaft nicht wissen soll, dass eigentlich genug Geld in der Familie wäre, um die Kinder ins Ausland zu schicken, aber nicht, um den Rest der Familie zu unterstützen. Aber okay, es stellt auch tatsächlich niemand viele Fragen. Ich bin einfach da, eine Freundin auf Besuch, und ich bin von der Schweiz und gehe irgendwann mal wieder, das ist alles…. Eric erzählte mir ein bisschen aus dem Hotelleben. Er studiert Hotelmanagement. Das war ganz Unterhaltsam. Die Geschichten von besoffenen Gästen, die anstatt zum Bier zum Putzessig greifen und den Rest ihrer Ferien im Krankenhaus verbringen, von dem Europäer, der sein ganzes Hab und Gut daheim verkauft und das Geld in einer Tasche mitgebracht hatte, an seinem zweiten Tag in Kenia ein Mädchen aufgetrieben hatte, die sich natürlich mit seinem Geld aus dem Staub machte usw. Oder zwei Männer, die kamen und anmeldeten, sie seien in den Flitterwochen, den so haben sie Anspruch auf kostenlosen Extraservice wie Wein aufs Zimmer und Ähnliches. Da war auch eine 70-jährige Frau, die Eric sagte, dass sie ihn liebe. Nicht nur der Altersunterschied ist da ein Problem: Es ist Angelegenheit des Mannes, das Thema Liebe in einer Beziehung einzuführen, die Frau darf also dem Mann nicht sagen, dass sie ihn liebe, bis der Mann es das erste Mal zur Frau gesagt hat. Ich fragte Priska, was für mich für den nächsten Tag geplant sei, und weil nichts war, versprach ich Andrew, ihn zu treffen, damit er mich etwas herumführen kann. 7.09.2007 Heute Morgen hatte ich endlich mal Zeit, Kleider zu waschen. In der Schule nebenan sprach eine Frau zu den Kindern, es ist Graduation day… Ich konnte die armen Kids nicht sehen, aber sie mussten sicher in Reih und Glied auf dem Platz in der prallen Sonne stehen… Die werden ganz schön gedrillt, wenn ich selbst nicht in einer Schule arbeiten werde, will ich dann doch mal in eine gehen und mir das etwas ansehen. Muss ganz interessant sein. Zwischen Gebeten, zu denen die Kinder jeweils „AMEN“ schreien mussten, wurden sie dazu aufgefordert, zu wiederholen, was die Frau diktierte: „Ich höre darauf, was meine Eltern sagen“ „Ich höre darauf, was meine Lehrer sagen“ „Ich höre darauf, was meine Eltern und meine Lehrer sagen“ Amen Dann kam Eric und machte sich über meine Waschtechnik lustig und half mir fertig zu machen. Wir fingen dann an, ein Teil seiner handgeschriebenen Arbeit zu tippen, was sich als ziemlich knifflig heraus stellte. Er hat nämlich nur so eine Art Notizen, muss mir also wirklich alles diktieren… Er hatte sich dann mit einem Freund verabredet und fragte mich, ob ich ihn zum Bus begleite. Wir sprachen über seinen Onkel, also meinen Gastvater und ich fand heraus, dass er wirklich abnormal streng ist. Denn auch Eric (24, männlich, erwachsen) muss um sieben Uhr daheim sein, solange er im Haus des Onkels nächtigt!! Gegen Mittag ging ich ins Sarit Centre (das grosse Einkaufszentrum), ass Pommes und Hamburger und ging dann in die Stadt. Ich versuchte eine Stunde vergeblich, Mails zu versenden oder neuen Text aufs Internet zu laden, bezahlte für eine Stunde, obwohl ich mich zuvor als Mitglied des Internetkaffees hatte registrieren lassen und Vergünstigung hätte erhalten sollen und kämpfte mich mehr oder weniger entnervt durch Nairobi, um irgendwo Eiscreme zu kaufen. Dann sass ich wieder vor dem Hilton, obwohl ich es hasse, dort zu sein, weil man da all die dummen Touristen in ihren ultrakurzen Shorts sieht und die fetten alten weissen Männer mit zwei schwarzen Minderjährigen am Arm. Und abgesehen von all dem kann man nicht dort sitzen, ohne dass sich gleich zwei Männer links und rechts neben dich quetschen und es dir unmöglich machen, sie zu ignorieren. Andrew kam, musste aber seine Schwester finden, die irgendwo hier in der Nähe bei einem Doktor war und auf ihn wartete… sie hatte ihn vor ein paar Minuten angerufen, er solle sofort kommen, ohne aber zu sagen, was los war. Wir machten uns auf die Suche nach dem richtigen Gebäude, was nicht so einfach ist, denn nur selten hängen Tafeln mit einem Verzeichnis, was sich alles für Geschäfte, Praxen und Büros in einem Haus befinden, an der Aussenseite… Als wir schliesslich in der richtigen Praxis ankamen, wurden wir in ein Zimmer geführt, wo eine in Tränen aufgelöste Frau mit drei Freundinnen sass. Ich kam mir ziemlich fehl am Platz vor, nicht nur, weil ich keine Ahnung hatte, was eigentlich los war. Andrews Schwester war im dritten Monat schwanger gewesen und hatte nun das Kind verloren. Was genau passiert oder nicht in Ordnung ist, weiss ich nicht, doch sie musste in ein richtiges Krankenhaus, um operiert zu werden. Ich kehrte zum Hilton zurück, um auf Eric zu warten, der gerade angerufen hatte und fragte, ob ich noch in der Stadt sei. Er sagte, er sei innerhalb von dreissig Minuten da. Nach einer Stunde kam plötzlich eine Art Sturm auf, es schien einen Augenblick lang Staub, Zweige und dürre Blätter zu regnen und die Herren, die meine Grossväter hätten sein können und mich seit einer Ewigkeit belagert hatten, liessen endlich von mir ab, schrieen aufgeregt „Tsunami!“ und flohen. Es blieb bei der einen Böe, ich wartete eine weiter halbe Stunde ohne dass Eric auftauchte und machte mich dann auf die Suche nach einem Matatu nach Westlands. Die Fahrt dauerte eine ganze Stunde (normalerweise ist City-Westlands eine Fahrt von höchstens 30 Minuten) und ich verzieh Eric, denn er musste wohl auch irgendwo im Verkehr sitzen geblieben sein wie ich jetzt. 8.09.2007 Andrew wollte mir zeigen, wo er aufgewachsen war. Etwas ausserhalb von Nairobi, nicht wirklich in den Slums, aber einfache Häuser am Rande eines grossen Feldes, wo Kinder Fussball spielten. Seine Schwester, 23, wohnt als einzige der Familie immer noch dort, mit ihrer sechsjährigen Tochter Stassie. Sie hat noch ein zweites Mädchen, zwei Jahre alt, das aber bei ihrer Mutter lebt. Beide Töchter sind unehelich, kein Vater around. Andrew hat mich mit seiner Schwester allein gelassen, um mit den Nachbarn zu reden. Sie lebt in einem einzigen Zimmer, wo sie kocht, schläft, lebt. Die Toilette und das Badezimmer teilt sich das ganze Haus. Ich bekam Kuchen, das einzige Essbare im Haus, doch was sie haben, das teilen sie. Damit die kleine Stassie zur Schule kann, holt ihre Mutter den Schulabschluss nach, um nachher einen Job zu kriegen und Geld zu verdienen. Viele der Nachbarskinder gehen nicht zur Schule, weil sich ihre Eltern die Schuluniformen, Bücher, Hefte, Stifte nicht leisten können. Es macht mich richtig wütend, wenn sie überall gross herumposaunen, dass die Bildung gratis sei, die Schule für alle offen. Denn die Kleidungsregeln sind unglaublich streng, die Uniformen teuer und selbst das Haar der Mädchen muss je nach Schule auf eine bestimmte Weise geflächtet werden (wie auch Janets), was 50 Schillinge kostet und etwa einen Monat lang hält. 50 Schilling sind etwa einen Franken, davon kann sich Andrews Schwester Maismehl und einen Knollen Sukumawiki kaufen und drei Tage lang sich und Stassie davon ernähren… Ich konnte erst nicht verstehen, warum Andrew bei seiner einen Schwester lebt, die einen reichen Mann geheiratet hat und nun über so viel Geld verfügt, dass sie ihren Bruder sogar ins Ausland hatte schicken können, und die andere Schwester mit ihrem Kind in so armen Verhältnissen ausharrt. Doch Andrew erklärte mir, dass dies ihre eigene Entscheidung war, dass sie ihr Leben selbst meistern will – und wohl auch wird, entschlossen genug dazu ist sie nämlich. Wir fuhren in die Stadt zurück und gingen ins Internetkaffee, wo ich Pedro traf. Er konnte endlich von Kerubo wegziehen und wohnt jetzt mit einer Frau und ihrer Tochter irgendwo in South b. Sein Arbeitsprojekt ist aber in Westlands, und so muss er jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen, um zur Arbeit zu kommen… Wir haben herausgefunden, dass Pedro eigentlich hätte in der Familie platziert werden sollen, in der ich jetzt bin, sie ihn aber nicht nehmen konnten, weil es nur ein Bett im Jungenschlafzimmer gibt und das belegte ja erst mein Gastbruder Victor, bis er ins Internat zurück ging, und nun der Cousin Eric. Ich kam erst um 18.00 Uhr in Westlands an und musste noch in den Supermarkt, um Mittagessen für den nächsten Tag zu kaufen… Falls ich das noch nicht erwähnt habe: Für den Sonntag hatte meine Kontaktperson Kennedy & Co einen Ausflug zu den Ngonghills (Ngong ist ein Aussenbezirk Nairobis) organisiert, und ich wollte unbedingt mit, um die anderen Austauscher wieder mal zu sehen. Weil ich zu wenig Geld dabei hatte und es nun definitiv zu spät war, welches zu holen und nochmals Einkaufen zu gehen, viel mein Lunch relativ dürftig aus: Brot und eine Packung Kaffeeguezli. Nachdem Eric und ich ein paar weitere Seiten seiner Arbeit getippt hatten – ich werde langsam ganz gut (= Obwohl er alles so undeutlich ausspricht und dann erst noch irgendwelche Fachbegriffe, die ich noch nie im Leben gehört habe – hatten wir zweistündiges Gespräch, in dem ich ihm klarzumachen versuchte, dass Ehen zwischen Afrikanern und Europäern nicht funktionierten und er mich zu überzeugen versuchte, dass wir für einander bestimmt seien. Ich fuhr mit all den kulturellen Unterschieden auf, die in einer Beziehung zwangsläufig Probleme geben werden, doch Eric findet sowieso, dass wir Weissen keine Kultur haben. So sagte ich ihm, dass ich ihn nicht bedienen würde, wie die Frauen hier die Männer bedienen und hinter ihnen her wischen, und dass ich auch nicht für ihn kochen würde. Er überwand den Schrecken schnell: „Your father cooks?“ und erklärte sich dann dazu bereit, jeden zweiten Tag für mich zu kochen, daneben auch zu waschen und zu putzen. Schon fast rührend, nicht? Eric interessiert sich für Hip Hop und Autos. Ich hatte mir zum Glück den Kommentar, dass er ein lausiger Sänger sei, verkniffen, als er mal ein Lied aus dem Radio mitgesungen hatte, denn kurz darauf führte er mir eine CD mit einem Lied von ihm und einem Freund vor (= Sie können beide nicht singen, aber Hauptsache so tun als ob, voll krass eyy boah *hihi. 9.09.2007 Für einen afrikanischen Gockel ist dieses Sch*****vieh ganz schön pünktlich: Um fünf Uhr Morgens fing der Hahn meiner Gastfamilie an zu krähen, und zwar unter unserem Schlafzimmerfenster… keine Ahnung, wie der aus dem Stall herausgekommen ist. Weil ich sowieso nicht mehr schlafen konnte stand ich auf und war schon um halb acht in der Stadt. Das war schon fast unheimlich: Nairobi leer! Kein Gedränge, kein Gehupe, kein Geschrei, geschlossene Geschäfte… Ich wartete eine halbe Stunde vor dem Java Kaffeehaus und bestellte dann einen Macchiato. Die Serviererin überredete mich erst, einen doppelten zu bestellen, weil der normale so klein sei, brachte mir dann aber doch einen Einfachen: „Double is too strong for you“…?? Um neun Uhr stand ich pünktlich vor dem Hilton, doch ausser Pedro war noch niemand dort, selbst der Organisator Kennedy kam um viertel nach. Ich rief um halb zehn Andrew an, der eigentlich auch hatte mitkommen wollen und der mich verschlafen bat, doch noch 40 Minuten zu warten…??? Wir warteten dann tatsächlich noch etwa eine halbe Stunde, aber nicht auf Andrew, sondern wieder mal auf ich-weiss-nicht-was. Doch es war ziemlich egal, denn nun waren ja die anderen da, Lisa, Christin, Julia, Erin, Maja uuund so weiter. Als wir schliesslich ein Matatu bestiegen – unsere Gruppe füllte ein ganzes, das heisst, eigentlich mehr, doch wir quetschten uns in den 13-Passagier Bus – war sogar Andrew da. Es folgte eine etwa einstündige Fahrt raus aus Nairobi. Unglaublich wie schnell man aus der Grossstadt raus ist und sich plötzlich total im ländlichen Gebiet befindet, wo Ziegen und Kühe über die Strasse latschen (= Auf einem Marktplatz in Ngong wurden wir abgeladen und marschierten zu Fuss weiter. Nun hiess es, Hang hinauf und Hang hinunter zu marschieren, und das über 7 Hügel und in der prallen Sonne. Ein paar Kinder begleiteten uns mit Säcken voller Süssigkeiten bis auf den 7. Berg, in der Hoffnung, wir würden ihnen ihre Ware abkaufen… Das Panorama war wirklich grossartig, ich kann es nicht beschreiben. Doch die wohl verdiente Mittagsrast fiel sehr kurz aus, denn urplötzlich schlug das Wetter um und wir waren uns alle einig, dass wir uns bei einem Gewitter lieber nicht auf dem höchsten Berg aufhalten wollen. Lisa und ich marschierten mit Philip, der kugelrunden Spasskanone (im wahrsten Sinne des Wortes *g) und waren entsprechend langsam. Wir schafften die Hälfte des Weges, bevor es zu Regnen begann. Und zwar in Strömen. Ich hatte genug Vertrauen in das Wetter gehabt und nicht mal einen Pulli mitgenommen… Als ich blau gefroren daheim ankam, war ich mir sicher, dass ich mir nun 100prozentig den Husten holen würde, den alle anderen habe (aber nein, ich bin immer noch gesund, mir läuft nicht mal die Nase). Wir hassen zwar nun alle Kennedy, denn alle hatten am nächsten Tag Muskelkater, doch ich hatte schon lange nicht mehr so viel gelacht wie an diesem Tag (= Der Verkehr ist ja schon bei gutem Wetter kriminell, aber bei Regen ist nicht mehr so lustig… Die sowieso schon unfallträchtigen Matatus fahren bei schlechtem Wetter noch schneller und drängen sich noch mehr vor als sonst, um möglichst schnell möglichst viele Leute zu transportieren, denn das Geschäft ist bei Regen natürlich besser, weil alle heim ins Trockene wollen und bereit sind, viel mehr als die üblichen Preise dafür zu bezahlen. Die Schlaglöcher, die sonst zu sehen sind, sind bei Regen mit Wasser gefüllt und nicht von der restlichen überspülten Strasse zu unterscheiden und die Scheibenwischer der Matatus funktionieren mehr schlecht als recht wenn überhaupt… Janet und Gladis, die auch in der Stadt waren, sassen in einem Matatu, das von einem anderen Matatu gerammt wurde, welches anschliessend einen Hang herunter schlitterte!! Niemand sei gestorben, Verletzte ja, aber Janet und Gladis fehlt nichts! 10.09.2007 Noch immer kein Projekt, aber irgendwie bin ich zum Schluss gekommen, die freie Zeit halt einfach zu geniessen, solange ich noch kann. Mir ist nämlich überhaupt nicht langweilig, es gibt ja genug Leute, die mehr als bereit sind, mir alles zu zeigen und mich herum zu führen (= So fuhr ich heute Vormittag mit Eric in einen Aussenbezirk Nairobis, um schon mal einen seiner Koffer in die Nähe seines College’ zu schaffen. Das hätte zwar heute begonnen, Eric plant aber, erst nächste Woche zu gehen, die Arbeit ist ja noch nicht fertig. Ausserdem hat er keine Wohnung in der Nähe der Schule und die Hotels sind teuer (60 Franken im Monat...). Es regnete noch immer noch und ich ging trotzdem mit, und dann sassen wir erst noch vorne neben dem Matatufahrer, auf den Todessitzen. Ausserdem kann man von dort aus sehen, welche Autos aus den Seitenstrassen herausplatzen und das Matatu fast rammen, welche unglaublichen Überholmanöver ausgeführt werden und wie selbstverständlich es für den Fahrer ist, ab und zu eine SMS zu schreiben oder zu telefonieren, wozu er jeweils die Musik zurückdreht… Ich beschloss, heute nicht zu sterben, und so kamen wir in der City an, die bei Regenwetter noch schmutziger ist als bei Sonnenschein. Man hat nun nicht mehr mit Staub zu kämpfen, sondern mit Dreck. Mir fällt gerade auf, dass ich noch keine Senklöcher gesehen habe in dieser Stadt… Darum steht auch alles halbwegs unter Wasser und Vorwärtsbewegen tut sich die ganze Stadt in Hüpfern über Pfützen. Schafft man es selbst, eine Strasse zu überqueren, ohne in die tiefste Pfütze zu treten, so kriegt es sicher der Depp neben dir hin und spritzt alle im Umkreis eines halben Meters auch noch an. Ich mag gar nicht daran denken, wie ich mit kaltem Wasser meine Jeans jemals wieder sauber kriegen werde… ich mag den Staub lieber (= Mit einem zweiten Matatu fuhren wir weiter (ich habe den Namen des Ortes vergessen, obwohl ich mir eigentlich alles hätte merken sollen, denn Eric will, dass ich ihn mal besuchen komme). Wir standen über eine Stunde im Stau, und das in einem höllischen Matatu, denn Eric weigert sich, in Matatus ohne laute Musik zu steigen. Ich bin jetzt halb taub, habe Ohrensausen und Kopfschmerzen, doch ich mag das Busfahren doch, weil man so viel zu sehen kriegt. Auch die Unterkunft von Erics zwei Schulkollegen, die uns in der kleinen Stadt (deren Namen ich mir wie gesagt nicht gemerkt habe), abholen kamen zu sehen, war interessant. Die Beiden leben in einem winzigen und unglaublich dreckigen Zimmer, tapeziert mit nicht jugendfreien Bildern. Eric konnte zwar sein Gepäck dort lassen, musste aber einsehen, dass er sich wirklich eine eigene Unterkunft suchen musste und nicht auch noch in dieses Zimmer ziehen konnte. So fuhren wir wieder zurück nach Nairobi, inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und auch der Verkehr hatte sich „verflüssigt“ – wir waren in einer Stunde zurück in der Stadt. Dort mussten wir uns auf die Suche nach einem Regenschirm machen, denn ich hatte den meiner Gastschwester prompt im Bus liegen lassen, obwohl sie mich noch ermahnt hatte, ihn zurück zu bringen, weil es nicht ihr Schirm sei… (= Es ist nicht so einfach, einen Schirm zu kriegen, wenn es nicht mehr regnet, aber wir fanden einen für zwei Franken und kehrten nach Hause zurück. 11.09.2007 Was tue ich den ganzen Tag? Ich erwache um sieben, wenn nicht von der motzenden Gladis, dann weil Janet über mich herüber krackselt, um an einen Plastiksack mit Kleidern zu gelangen, der hinter meinem Bett steht. Es bringt nichts, liegen zu bleiben, denn schlafen kann ich nicht mehr, also stehe ich auf und gehe das Geschirr spülen. Dann verbrachte ich fast eine Stunde damit, die Jeans zu waschen, die ich am Sonntag getragen hatte. Sie war bis zu den Knien hinauf mit roter Erde bespritzt (irgendwie auch an der Innenseite)… Ich habe inzwischen auch Brandwunden an den Fingern wie die anderen Mädchen, denn Topflappen gibt es nicht und die Pfannen bzw. Töpfe haben keine Handgriffe. Vom Feuer geholt wird alles mit einem Stück Zeitung oder einem Stück Tuch, das dann selbst Feuer fängt und daher von Tag zu Tag kleiner wird. Die aggressive Billigseife gab meinen Händen schliesslich den Rest und ich verschob die übrige Wäsche auf irgendwann aber nicht jetzt. Pauline und Risper gingen in die Stadt und trugen Eric und mir auf, fürs Mittagessen Spaghetti zu kochen. Eric zerbrach meine schönen Spaghetti!! Zweimal! Ich weiss nicht, ob ich das schon erzählt habe, aber Spaghettikochen ist immer ein Kampf, weil die anderen sie in drei Teile brechen wollen und ich dafür bin, sie an einem Stück zu lassen. Dieses Mal unterlag ich, schwor aber Rache, indem ich beschloss, das Ugali am Abend mit dem Löffel zu essen, was ungefähr das gleiche Verbrechen ist (= Meine Gastmutter kam nachhause und brachte Toilettenpapier mit. Ich hatte schon seit ein paar Tagen keines mehr, gehe aber sowieso kaum im Haus aufs WC. Im Supermarkt gibt es sogar Klobrillen und man kann immer spülen, also gehe ich dort, wann immer ich in die Stadt gehe oder heim komme. Die Putzfrau kennt mich zwar schon und glotzt mich jeweils nicht all zu freundlich an, doch was solls. 12.09.2007 Seit gestern hat es keine Butter mehr, und jetzt weiss ich wirklich nicht mehr, was ich zum Frühstück essen soll. Ich hatte mich gerade so schön an das hässliche Brot mit der Butter, die jeden Tag etwas anders schmeckte (wahrscheinlich, weil sie nicht im Kühlschrank aufbewahrt wird) gewöhnt. Schlussendlich versuchte ich es mit Zucker, doch das ist auch nicht das Wahre, denn das Brot selbst ist schon süss. Ich wollte eigentlich Philip besuchen gehen, der für die Wasserkompanie Nairobi arbeitet und zwar den ganzen Tag im Büro hocken muss, aber nichts zu tun zu haben scheint. Doch ich habe keine Ahnung, wo die Matatus nach Pangani, wo er arbeitet, fahren, also hätte mich jemand begleiten müssen. Das wäre kein Problem gewesen, denn Pauline und Risper gingen sowieso in die Stadt, aber Kerubo, die eigentlich um 8.30 hatte kommen wollen, um mit mir und meinem Gastvater zu sprechen, kam erst um 11.00 Uhr, und so lange konnten die anderen nicht auf mich warten… Kerubo kam schliesslich, und ich musste mit ihr und dem Gastvater zusammensitzen und sagen, ob ich die Familie wechseln wolle oder nicht. Ich solle es mir bis morgen überlegen. Ein Projekt hatten sie noch nicht gefunden, auch keine andere Familie, doch ich solle geduldig sein. Mir ist inzwischen egal, wenn ich nicht arbeiten kann, schön, tue ich halt, was ich will, warum auch nicht. Am Nachmittag ging ich dann aufs ICYE Office, denn Kerubo hat mich gebeten, zwei neue Austauscher zu begrüssen und herum zuführen. Also konnte ich nicht wie geplant Philip besuchen gehen und auch nicht bei Eric bleiben und seine Arbeit weitertippen, wie er eigentlich gewollt hätte, sondern traf im Office auf Andrew, der aus irgend einem Grund auch dort war und ging mit ihm Hamburger essen (= Die neuen Austauscher, ein Mädchen aus Italien und ein zweiter Österreicher, liessen wir mit Debbie, die die Führung durch Westlands übernahm. Pauline hat endlich ihr Visa bekommen und kann am Montag nach Frankreich!

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Nachtreaglich: der erste Teil aus dem Einfuehrungscamp und der Start in der Gastfamilie

Wir können von der Schule, wo wir wohnen, in einer halben Stunde in die Stadt laufen, und dort gibt es Internet. Aber es ist extrem langsam… Darum schreibe ich jetzt auf dem Laptop und speichere alles auf dem USB. Ist ganz schön praktisch, auch wenn es alle ziemlich dumm finden, wenn man den Computer mitbringt. Aber ich bin nicht die einzige; die zwei Mädchen von Japan und einer von Brasilien haben ebenfalls ihre Computer dabei… (=

Ich habe den Zettel doch drucken lassen. Kostete zwar verhältnismässig viel (so viel wie 10 Minuten Internet) aber ich brauche die Absicherung im Moment ziemlich stark, also bin ich froh, hab ich ihn (auch wenn gar nicht so viel draufsteht). Naja, ich hab sowieso keine Gesundheitlichen Probleme, aber wir leben hier wohl verhältnismässig doch sehr hygienisch und kriegen auch sehr abwechslungsreiches Essen. Wird sich dann wohl ändern, also geniesse ich den sanften Einstieg.

Seit Montag haben wir nun Programm. Ich bin sehr froh darüber, es ist sehr anstrengend, einfach herumzusitzen. Gut, unser Programm ist nicht minder anstrengend (= Wir haben nun von 9 Uhr bis 13 Uhr Suaheliunterricht (es gibt eine Teepause dazwischen. Es gibt Schwarztee, der hält mich am Leben). Die Lehrerin ist wirklich lustig, wenn jemand einen Fehler macht, reisst sie ein Gesicht, als seien wir alle hoffnungslos verloren, doch so ist sie nicht. Sie glaubt viel mehr als wir alle daran, dass wir diese Sprache innerhalb von zwei Wochen perfekt lernen werden.

Am Dienstag waren wir auf dem Massai Markt. Wir wurden vom gröbsten eingeschüchtert, weil die Taschendiebe anscheinend unglaublich gut sind. Schliesslich waren wir alle überzeugt, wir würden es nicht schaffen, mit unserem Geld zurück zu kommen. Doch es war nicht im mindesten gefährlich oder was auch immer. Ich kann diesen Markt nicht beschreiben, er ist einfach riesig und AMAZING. So viele Dinge, das meiste auf dem Boden und nur schmale Schleichwege dazwischen. Wir haben aber erstmal nichts gekauft, sind nur durchgelaufen und dann in einen Shop, wo 6 von uns ein Handy gekauft haben. Ich schreibe mal eine SMS, damit ihr meine Nummer habt. Ich kann für umgerechnet 20 Rappen SMS nach Europa schreiben. So cool, mein erstes RICHTIGES Handy! (= Ein Nokia 1110i. Ich muss mich zusammenreissen, nicht die ganze Zeit damit rumzuspielen wie es alle anderen machen, hihi.

Ach, es hat sich übrigens herausgestellt, dass es doch Duschen gibt. Es kommt zwar nur kaltes Wasser raus, aber wenn man dann das Warme aus dem Becken über sich kippen kann. Also brauche ich Hansuelis Wasser nicht, ist aber nett (= Der könnte doch hier in Afrika Boilers aufstellen kommen und dann von einem zum anderen wandern und die Temperatur checken oder so was (=

Meine Haare… äägh. Aber von den Afrikanern kriege ich immer wieder zu hören: I like your hair… wohl wegen der Farbe (=

Ja, gebt mir etwas Zeit mit den Fotos… ich weiss nicht, ob ich dann tatsächlich was schicken kann, mit diesem Internet… aber ich kann es versuchen. Ein Problem hab ich mit meiner Kamera.. sie ist zu wertvoll für mich. Bei unserer Unterkunft gibt’s Kinder, wir spielen mit ihnen, Frisbee, Verstecken usw. und es ist lustig. Aber kommst du mit einer Kamera, wollen sie sie halten, fotografieren usw… ich weiss noch nicht, wie ich das machen werde…

Die Mädchen sind fast alle älter, so über 20. Aber ziemlich durchgehend nett. Und ausser den Japanerinnen können alle sehr gut Englisch. Das wird hier also gesprochen. Die drei Jungs sind auch 19, einer aus Brasilien, er versteht kein Wort und sein Gepäck ist verloren gegangen – arme Sau. Dann einer aus Kalifornien, ein Ami halt. Er hatte heute sein Land präsentiert (Lisa und ich müssen morgen, scheisse&hellip und hat fast angefangen zu weinen, als er irgend ein patriotisches Liedlein vorsang. Der dritte ist aus Österreich und ich brauchte eine Weile, bis ich geschnallt hatte, dass der auch Deutsch spricht (=

Mittwochs mussten wir auf die Botschaft. Bei uns war das nicht so ein Problem, auf anderen Botschaften mussten sie stundenlang warten. Jetzt bin ich in Kenia registriert (= Wir waren alle so k.o. (denn einige Botschaften waren ziemlich weit weg und wir mussten alle laufen&hellip, dass die Swahililektion sehr kurz gehalten wurde und wir dann frei bekamen. Doch ausruhen konnten wir nur kurz: Erstens wurden wir von zwei Affen gestört, die hier einfach so rumlaufen (ihre Eier sind übrigens blau *gg), und zweitens wollte uns die 56 jährige Christin aus Australien, die schon viel herumgereist ist, in die Kunst des Handwaschens einführen. Es ist wirklich eine Kunst, denn auch nach dreimal ausspülen, ist das ganze Zeug inklusive du selbst seifig…

Am nächsten Morgen fehlten dann einige Kleidungsstücke… Zum Glück habe ich mich entschlossen, meine Jeans noch nicht zu waschen und die neuen Shirts, die ich wegen dem Ausfärben separat waschen wollte, hatte ich auch vergessen und war dann zu faul, nochmals von vorne anzufangen – alles hätten die Diebe bestimmt geklaut, sie waren nämlich sehr wählerisch, haben nur das gute Zeugs genommen…

Freitag Abends kam Doktor Chunge vorbei. Er ist schon über 45 (das ist die Lebenserwartung in Kenia) und gilt darum als alter weiser Mann. Er hatte eine nette Power Point Präsentation über all die Krankheiten hier auf Lager.. es war echt hässlich! Ich will nach Hause! (= Und dann gab es Abendessen (als hätte irgendwer noch Hunger gehabt). Etwa um halb zehn sind wir dann alle zusammen in den Ausgang. Wir liessen drei Taxis kommen und fuhren in die Stadt. Das macht pro Person etwa 2.-, es ist echt billig. Wir zogen von Bar zu Bar, es war ganz lustig (= Der Ami hatte drei Bier – dann lag er mit dem Kopf auf dem Tisch…

Am nächsten Morgen dann wieder waschen – ich hoffe, es wird nichts mehr geklaut, jetzt hängen nämlich viele Sachen von mir auch draussen.

Es hat übrigens die ganze Nacht geregnet. Unsere Baracke ist nicht wirklich wasserdicht, aber ich mag das monotone Tropftropf – solange es nicht auf mein Bett plätschert, hehehe.

 

Ach, Nairobi ist übrigens nicht mehr so kriminell usw. Also man sollte schon nicht nachts alleine rumlatschen, aber wenn man am Tag auch allein unterwegs ist, gibt’s keine Probleme. Wenn dir einer was klauen will, dann wird der von der ganzen Stadt zu Tode geprügelt. Auch auf dem Markt brauchst du nur Mwisi!! (Dieb) zu schreien, wenn dir einer was nimmt, und der kriegt was auf den Kopf. Etwas wiedersprüchlich zu der „Passt auf euer Geld auf wie verrückt“ Theorie.. aber diese Taschendieber sind wohl so geschickt, dass man nicht dazukommt zu schreien… Naja, aber wenns nur das Geld ist. Also, ihr braucht keine Angst um mich zu haben (=

 

Kann schon sein mit dem Flugangebot, ihr müsst es halt ausprobieren…

 

So, mehr fällt mir für den Moment nicht ein… Machts gut, ihr fehlt mir alle auch, ich kann immer noch nicht daran denken, ohne dass mir die Tränen kommen, obwohl es mir hier eigentlich recht gut geht.

 

Das Wochenende war toll, endlich mal keinen Unterricht mehr, ein bischen länger schlafen, Frühstücken bis in alle Ewigkeit (Simon hat Nutella gekauft, das zwar aussieht wie Nutella, aber wie Erdnussbutter schmeckt *gg). Dann kam uns um viertel vor 11 in den Sinn, dass wir eigentlich in die Kirche wollten. Weil hier muss das ja ganz anders sein. Also sind wir losgelaufen (also wir heisst : Die zwei Mädchen von Dänemark, Anna von Island, Pedro von Brasilien, Simon, Julia von England, Lisa und ich) und haben den Weg in die Stadt, der sonst eine halbe Stunde dauert (wenn wir mit den Kenyanern laufen sogar bis zu einer ganzen Stunde *g) 15 Minuten geschafft *stolz*. Wir haben eine ganze Bank gefüllt und fielen ziemlich auf. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Wir waren alle schlussendlich ziemlich enttäuscht, denn auch wenn der Gottesdienst viel lauter war (ein Priester hat eine halbe Stunde lang herumgeschrien *g) und die Leute bei den Liedern im Tackt klatschen, war es ansonsten nicht all zu speziell. Nach zwei Stunden zuhören und nichts verstehen (es war zwar in Englisch, aber die Lautsprecher waren miserabel) mussten wir wieder nach Hause hetzen, denn es war schon Essenszeit.

 

Montag Morgerns wurden wir im wahrsten Sinne des Wortes Wachgerüttelt. Ein Erdbeben der Stärke 5,1 liess um etwa 6 Uhr unsere sowieso schon wackeligen Betten erzittern. Und dann hat es zu regnen begonnen, und bis am Mittwoch nicht mehr aufgehört…

Wir schleppten uns in den Klassenraum und glotzten unsere Lehrerin verständnislos an, als sie uns fragte, wo wir denn unsere Theaterstücke hätten, die wir am Freitag den Gasteltern vorführen werden und die wir übers Wochenende hätten schreiben sollen ! Sie hatte einen ziemlichen Anfall, denn sie war sich sooo sicher, es uns gesagt zu haben (hatte sie aber nicht !!). Naja, jedenfalls mussten wir uns dann ganz schnell was einfallen lassen. Und zwar in Kiswahili und nicht etwa ein paar Minuten – eine halbe Stunde sollten die Theater jeder Gruppe dauern, und dazu noch ein vom Englisch ins Kiswahili übersetzter Song. *lol*.   Wie die Theater gelaufen sind, erzähle ich, wenn es durch ist – mann wird das peinlich !

Am Nachmittag hattten wir dann das Thema vorurteile und erfuhren, warum wir am ersten Tag im Camp am Morgen nur so wenig warmes Wasser gekriegt hatten : Die Weissen sind Schmutzig und Stinken. Und dass sic halle Weissen nicht waschen wollen, davon sind die meisten Afrikaner so überzeugt, dass sie glaubten, ein paar Liter warmes Wasser täten es für unsere ganze Gruppe, weil eh nur ganz wenige auftauchen und sich das Wasser holen würden (=

Jedenfalls habe ich wieder angefangen, mir am Morgen warmes Wasser zu holen (es gibt jetzt viiiel, weil wir fast alle jeden Tag duschen gehen – solange wir noch Duschen haben). Ich hatte mich schon so an die kalte Dusche gewöhnt gehabt, dass ich mich weniger erfrischt fühlte, wenn ich danach noch warmes Wasser über mich gekippt hatte… Gut, in den letzten paar Tagen habe ich wieder gefrohren, aber wahrscheinlich, weil ich immer viel früher wach und duschen war, denn ich habe angefangen, die Zeit vor dem Frühstück zu nützen, um hier ein bischen zu schreiben.

Am Dienstag fuhren wir in eine Art Museum. Es ist etwa so wie bei uns der Ballenberg – die Dörfer wie sie früher waren der verschiedenen Kenianischen Stämmen sind in Lebensgrösse nachgebildet worden, so dass man sich das nicht nur anschauen, sondern auch in die Häuser hinein kann. Ziemlich dunkel sind diese Hütten, meistens hat nur das Haus der ersten Frau des Häuptlings ein Fenster (=

Auch im Museum gab es eine Tanzshow. Die traditionellen Tänze der verschiedenen Stämme wurden aufgeführt, dazu gesungen und musiziert. Mein Gott, da war so ein Touristenpaar, er mit glatze und Ranzen, sie sonst fett und hässlich (*lol*) mit Kamera und Safarihüten. Und nicht dass die das Geschehen auf der Bühne gefilmt/fotografiert hätten ! Hinter uns sass in einer Reihe ein kleines  Kind nach dem anderen, alle in Uniform, alle mit einem Teller auf den Knien, wirklich hammersüsse Knirpse – und diese Touristen haben sich vor die hingestellt und eine Länge gefilmt und geknipst ! Und dann kam auch noch eine ganze Schule in den Tanzsaal geströmt, ein Meer von blauen Uniformen, und die werden auch gefilmt, als wären sie die Atraktion des Museums ! Ich habe mich etwas dafür geschämt, auch weiss zu sein… Wir habe uns dann aber bei diesen beiden Touristen gerächt : Lisa und ich haben uns draussen links und rechts zu dem Fettsack hingestellt und Simon hat uns fotografiert. Hehe, der kam sich etwas verarscht vor, weiss jetzt aber, wie sich die Einheimischen fühlen müssen, wenn man sie einfach so ohne zu fragen ablichtet.

Wir sollten eigentlich mit einem Bus abgeholt werden, warteten aber erst eineinhalbstunden vergeblich und gingen dann ein Stück zu Fuss, um einen öffenltichen Bus, bzw. ein Büschen, ein so genanntes Matatu, zu nehmen. Der Verkehr ist hier unglaublich chaotisch und eine Matatufahrt ein Abenteuer. Eigentlich ist man zu Fuss schneller, denn vorankommen tut man um 5 Uhr abends nicht wirklich. Aber wir hatten unseren Spass. Durch die Fenster herein wird dir von Erdnüssen über Taschenlampen und Cowboyhüten alles verkauft, was dur dir nur vorstellen kannst und zu sehen gibt es draussen immer was, sei es auch nur der Präsident, der mit dem einzigen Auto, das noch in so einem guten Zustand ist, dass es vielleicht auch in der Schweiz fahren dürfte, vorbeirollt.

Irgendwann gab es Spaghetti. Wir waren alle wie berauscht (= das Essen ist zwar gut, aber doch immer das selbe : Reis, Peperoni Tomaten und Karotten in Sauce, Kartoffeln (entweder geröstet oder püriert), Poulet oder irgendwelche Fleischklümmpchen (die man nur ganz schlucken kann, weil sie unglaublich zäh sind –will garnicht wissen, was es ist) und ab und zu Chapati (Brotfladen, unglaublich gut !!).

Am Donnerstag fuhren wir mit einem Matatu in das ICYE-Office. Ich liebe diese Busfahrten echt, auch wenn ich jetzt blaue Knie habe, denn die warten nicht wirklich mit losfahren, bis du dich hingesetzt hast und warnen dich auch äusserst selten, wenn sie bremsen. Wir passierten eine riesige Autowerkstatt unter freiem Himmel –da wurde lakiert, daneben geschweisst (die Schweissbrenner standen alle einfach so in der Sonne rum), und ab und zu wieder eine Bude, wo man frisches Gemüse kaufen konnte.

Warum wir ins Office gingen, weiss ich nicht, denn wir sassen den ganzen Tag dort herum und taten NICHTS. Also wir warteten, aber worauf, weiss wieder mal keiner.

Irgendwie habe ich das falsche Waschpulver gekauft, jedenfalls habe ich nicht mehr so viel Haut auf den Knöcheln (= Das Zeug heisst zwar Powerboy, riecht ganz gut, ist aber ziemlich aggressiv. Als nächstes probiere ich Sunshine, tönt doch gut (=

Freitag war unser letzter Tag im. Ich habe jetzt eine Gastfamilie, aber immer noch kein Projekt. Ich will nicht weg, habe mich gerade so schön daran gewöhnt und wir haben ganz schön viel Spass, wir sind eine coole Gruppe.

Meine Gastmutter und eine der Gastschwestern, sie heisst Pauline, 20 und geht in drei Wochen mit ICYE nach Frankreich, kamen am Abend, um zu Essen und unser peinliches Theater zu schauen, das dann doch noch ganz gut lief(Lisa und ich hatten mit einem Birchermüesli zum Dinner beigetragen *lol* - ist das typisch schweizerisch ? Wir konnten ja kaum Fondue kochen). Ich fand sie schon da komisch… Sie wussten auch nicht einmal meinen Namen… weil ich erst noch keine Gastfamilie hatte, haben sie wohl in letzter Minute zugesagt und jaaa..

Am Samstag Morgen hat mich dann mein Gastvater und Pauline abgeholt. Sie wohnen in Westlands, ein Teil Nairobis. Ein reicher Teil, wies scheint, und in dem Part, wo das Haus steht, wohnen sonst fast nur Hindus.

Der Gastvater hat uns ausgeladen und Pauline hat mich vor den Fernseher gesetzt, wo ich Maria, 15 traf. Meine dritte Gastschwester heisst Gladis, 23 sie arbeitet im riesigen Supermarkt etwa fünf Minuten vom Haus und die kleine vierte Schwester heisst Janett und ist 8. Sie war nicht zuhause, weil sie gerade noch auf Besuch bei unserer Kiswahlililehrerin war, die die Schwester meiner Gastmutter ist. Ich teile mein Zimmer mit all diesen Mädchen und habe weder ein Schrank noch ein Gestell um irgendwas abzustellen. Mein Koffer ist ein Desaster, ich weiss noch nicht, wie ich das machen soll. Sie hängen ihre Kleider hier an Kleiderbügeln an die Wand, es sieht aus wie auf dem Markt.

Obwohl diese Familie zweifelsohne viel Geld hat (der Vater ist der Direktor der Schule gleich nebenan, und dort gehen nur reiche Kinder zur Schule. Und die Kinder sind – bis auf die Jüngste – alle im Internat), ist das Haus schäbig. Wasser haben wir noch kein Fliessendes, das komme aber zurück. Die Toilette kann man zwar spülen, es dauert aber etwa eine Stunde, bis sie nach einmal Spülen wieder voll ist. Dusche haben sie keine. Ach, ich schicke euch mal Fotos, ich kann es  nicht beschreiben. So wie überall Flecken an der Wand sind und der Verputz abbröckelt usw.

Ich bin hier der Gast und muss eigentlich nichts tun, während die Mädchen Kochen und Putzen, natürlich komme ich mir ziemlich blöd vor, wenn ich einfach daneben sitzen und zuschauen sollte. Man muss richtig beharrlich sein, dass man auch nur eine Banane schälen darf *g.

Wir haben den ganzen Nachmittag ferngesehen. Irgend ein komischer Film, weiss nicht. Dann kam mein Gastbruder nach hause, er heisst Victor, und wollte schwimmen gehen. Zur Schule gehört auch ein Pool, und die Familie kann natürlich gratis rein, weil die Schule dem Vater gehört. Wir haben aber schlussendlich noch einen zweiten Film geschaut und gegessen (Kochbananen an Tomatensauce… und sie sagen ich esse wenig, dabei ist das irre stopfig und sie sind alle fett und hässlich und fressen wie die Schweine und etwa fünf mal so viel wie ich).

Mir schmerzte der Kopf vom vielen Flimmertv und ich fragte, ob wir nicht etwas spazieren gehen könnten. Meine Gastmutter, die inzwischen nachhause gekommen war und die zwar Englisch spricht, aber so undeutlich, dass ich kein Wort verstehe (vielleicht liegt es am fehlenden Schneidezahn), führte mich auf die Shamba der Schule, also den Garten, wo Bananen und irgend ein Kraut angepflanzt wird, von dem ich den Namen vergessen habe, das aber aussieht wie Spinat (aber zum Glück besser schmeckt) und sehr oft gegessen wird hier. Als wir zurück kamen, bot mir mein Gastbruder an, mich ein bischen herumzuführen und wir zogen los. Er ist genauso komisch wie der Rest der Familie, irgendwie wirken die alle geistig etwas zurückgeblieben auf mich und sie reden die ganze Zeit Suaheli zusammen und lachen, obwohl sie wissen, dass ich kein Wort verstehe. Er führte mich in das riesige Einkaufszentrum und versuchte die ganze Zeit, meine Hand zu nehmen. Dann sagte er, er müsse Heiraten und er suche ein Mädchen und der ist so scheisse und ich bin froh, muss der nächste Woche wieder weg aufs Internat! Raus aus dem Einkaufszentrum und weiter durch Westland, wo ich das ICYE Office wieder fand – dann weiss ich, wohin ich fliehen muss. Victor brachte mich auf einen kleinen Mark, wo eine Freundin von ihm eine Bude mit Schmuck hatte. Sie wollte, dass ich was kaufe, doch ich hatte kein Geld mitgenommen. Sie bestand darauf, das Victor mich nächste Woche zurück bringt, weil ich ihr Zeug kaufen MUSS.

Ich war total fertig, als wir nachhause kamen und legte mich einfach aufs Bett, sie wollen ja sowieso nicht, dass ich helfe. Ich dachte, ich sei einfach sehr müde und müsse darum dauernd mit den Tränen kämpfen, aber es ist nicht nur, dass alles so anders ist – meine Familie ist echt komisch und kein bisschen Herzlich oder Verständnisvoll oder so. Ich glaube kaum, wo das gut kommt.

Ich wurde dann etwa um 21 Uhr zum Abendessen in die Küche geholt. Die Mädchen essen in der Küche, und die Gastmutter für diesen ersten Abend auch, um mich Willkommen zu heissen, wie sie sagte. Sie ist so schön freundlich und sagte, als ich einfach nicht mehr essen konnte: Schau wie wir essen, wir haben es drum gern. Sie glauben natürlich, ich mag ihr Food nicht, aber ich kann einfach nicht so viel Essen, das ist alles nur Öl und Mehl und Poulet (Poulet ist übrigens ein Festmahl, eine Frage war: Stimmt es, dass man bei euch daheim Poulet wie Fleisch isst).

Ich war dann froh, konnte ich schlafen gehen, doch dann bin ich wieder aufgewacht, so um acht, und war immer noch da. Ich habe geholfen, Geschirr zu spülen, draussen im Garten, denn das Wasser war immer noch nicht zurück. Dann gab es Frühstück, die Gastmutter setzte sich zu mir, um drei riesige Brotscheiben in sich reinzuschmatzen und über mich zu lästern, dass ich nur eine Scheibe mag. Dann wurde ich ins Bad geführt, wo es ein Becken warmes Wasser für mich gab und ich sollte mich beeilen, weil wir dann Einkaufen gehen wollten. Zum Glück sind die so ignorant, dass sie gar nicht mitkriegen, wie ich weinte.

Mit einem Matatu fuhren meine Gastmutter, Pauline und ich ein paar Minuten in einen anderen Stadtteil. Ich weiss nicht, ob es sich hier Markt nennt, aber es reihte sich Bude an Bude. Kleiderberge, dazwischen Gemüse und Früchte, ein riesen Geschrei und Gedränge. Pauline braucht Kleider für Frankreich, und gekauft wurde nur, was ich mit „nice“ kennzeichnete. Ich musste sagen, welche Shirts gut sind usw. Woher soll ICH das wissen? Dann sollte ich eine passende Kappe suchen, und dann brauchte sie noch Strümpfe, aber das gibt es nicht. Und warme Jacken??

Ich musste mir dann ein Jupe kaufen. Es ist eigentlich noch ein schönes, immerhin. Dem Stamm, dem die Familie angehört, verbietet Frauen, Hosen anzuziehen, aber mir ist es erlaubt, solange ich weder Bauch noch Rücken zeige. Mann muss den Körper bedecken, weil die Männer schlecht sind und einen mit Blicken vergiften können oder so was. Es ist okay, ich ziehe jetzt immer ein langes Unterleibchen an, auch wenn ich so heiss habe. Solange ich nicht dauernd die Röcke tragen muss… Aber für die Kirche brauche ich schon das Jupe. Die ist übrigens Samstags, darum habe ich die fürs erste verpasst.

Ich muss mich noch etwas daran gewöhnen, dass ich von allen blöd angestarrt werde und mir alles mögliche hinterhergeschrien wird. Wenn ich es von einer positiven Seite sehen will: alle grüssen mich und fragen, wie es mir geht *lol*. Schon die kleinsten Kinder schauen dich an und Rufen Muzungu! Muzungu! …

Etwa um 15 Uhr quetschten wir uns in eine Fastfoodbude und assen Pommes. Zum Glück habe ich meine nicht mit Ketchup überkippt, das in Petflaschen mit einem Loch im Deckel herumgereicht wurde – es schmeckte nämlich mehr wie Marmelade als wie Tomatensauce. Meine Gastmutter verliess uns und Pauline und ich kehrten nach hause zurück. Ich sagte, ich gehe in den Supermarkt, sie liessen mich zum Glück gehen. Weil es aber schon nach 16 Uhr und Sonntag war, konnte ich weder ins Internetkaffe noch eine Karte kaufen, um endlich mal von der Kabine aus zu telefonieren. Ich versuchte es dann mit einem Münztelefon, das schluckte aber nur meine 20 Shilings und zeigte dann ERROR an. Hehe. Naja, im Einkaufszentrum habe ich mir ein Mars gekauft, darum habe ich jetzt auch keine Lust auf die Pommes, die mir die eine Schwester mit heim gebraucht hat. Ich muss jetzt aufhören, zu schreiben, denn es ist doch etwas asozial, wie ich hier in der Küche am PC hocke, während sie arbeiten…

 

13.9.07 11:40, kommentieren

Ein Tag spaeter.. oder zwei

13.09.2007

Aus irgend einem Grund hat meine Gastmutter heute Morgen um viertel nach fünf das Licht in unserem Zimmer eingeschaltet, was rumgemotzt und ist dann wieder gegangen, ohne das Licht auszuschalten. Sie kommt fast jeden Morgen, und schaltet das Licht ein, um mit Pauline zu sprechen. Ich kann sie von Tag zu Tag weniger ausstehen und fange an, aggressiv zu reagieren. Es dauert immer eine Weile, bis ich realisiere, dass sie zu mir spricht, dann muss sie es noch dreimal wiederholen, damit ich es verstehe, weil sie keine Lücken zwischen den einzelnen Wörtern macht.

Sie ist auch die einzige, die immer noch auf mir herumhackt, weil ich nicht so viel essen kann wie sie. In Wirklichkeit esse ich genau gleich viel; sie spuckt die Hälfte ihres Essens nämlich sowieso wieder aus, wenn sie herummotzt, während sie etwas in sich hereinschaufelt.

Sie fragte mich gestern, was ich so far in Kiswahili gelernt hatte. Ich sagte nichts, weil mir gerade kein nettes Wort in den Sinn kam (meine letzte Kiswahililektion, erteilt von meinen Gastgeschwistern, hatte sich auf schmutzige Wörter beschränkt, weil wir uns darüber einig waren, dass man immer erst diese Wörter einer neuen Sprache lernt)  und sie sagte, das sei, weil es mich nicht interessiere. Die kann mich mal kreuzweise.

Da kommt mir gerade in den Sinn, wie schadenfreudig sie war, als nichts war mit meinem Projekt damals bei Richard. Sie sagte, da sehe ich, wie recht mein Gastvater hatte. Er sagte mir damals, nicht überstürzt zu entscheiden und in Richards Familie zu ziehen, sondern erst darüber nachzudenken…

Ich ging aufs Office, um Kerubo wie versprochen zu sagen, dass ich entschieden habe: Ich möchte die Familie wechseln.

Sie sagte, es sei okay, dass es aber noch eine Weile dauern werde und dass sie schauen werden, ob sie eine Übergangslösung fänden, damit ich wenigstens schon mal etwas Arbeiten könne, damit ich mich nicht langweile.

Mit einem selbst abgezeichneten Stadtplan machte ich mich auf nach Down Town und suchte eine Stunde lang den Abfahrtort der Matatus nach Pangani, um Philip zu besuchen. Meine Strassenkarte war zwar perfekt, die Matatus aber nicht dort, wo ich sie vermutet hatte, und so half sie mir nichts.

Ich gab auf und ging endlich wieder mal aufs Internet. Die Matatus fand ich dann auf dem Heimweg, beschloss aber, dass es nun zu spät war und ich morgen gehen würde.

Den Nachmittag verbrachte ich damit, Fotos zu sortieren und beschriften, denn ich plane, eine CD zu brennen und an euch zu schicken.

14.09.2007

Eigentlich wollte ich heute ausnahmsweise mal etwas länger liegen bleiben, denn es regnet immer noch und ist daher länger dunkel und kalt ausserhalb des Bettes. Ein riesiger Käfer aber, der gemütlich neben meinem Kopf über die Matratze spazierte, liess mich mein Vorhaben nochmals überdenken.

Ich liebe diese Ironie des Lebens; noch am Abend zuvor hatte ich meine kleine Gastschwester in Panik versetzt, indem ich ihr gesagt hatte, ich habe eben gerade eine Spinne unter ihrer Decke verschwinden sehen… und am nächsten Morgen habe ich selbst einen Käfer im Bett. Solche Dinge passieren mir irgendwie ständig (ist es nicht so, Merlä… Schnittschnitt).

Ich spülte das Geschirr am Morgen und war anschliessend total durchnässt, weil der Hahn ab und zu ohne Vorwarnung einen Schwall Wasser spuckte. Heute läuft das Wasser zwar im Haus, dafür kommt nichts aus dem Hahn im Hinterhof… Das Wasser fällt selten aus heisst in dem Fall nur so alle zwei-drei Wochen…

Es gibt endlich neue Butter, und sie ist noch frisch! Ich reagierte darauf mit einer Heisshungerattacke und ass Butterbrote, bis ich einen Klumpen im Bauch hatte.

Heruntergespült wurde alles mit Tee, doch ich wage immer noch nicht, so viele Teekräuter zu benützen, bis man den hässlichen Geschmack, den die Thermoskanne an das Wasser abgibt, nicht mehr schmeckt.

Den restlichen Morgen verbrachten Risper, Pauline und ich mit Kleiderwaschen. Sie lernten mich, die Kleidungsstücke nie auszuwringen, so trocknen sie zwar weniger schnell, man muss sie dafür aber anschliessend nicht bügeln.

14.9.07 15:40, kommentieren

15.09.2007 - 22.09.2007

Gleich anschliessend an den letzten Eintrag... wir sind immer noch am Kleiderwaschen (=

Sie erzählten mir eine interessante Story über die Kiswahililehrerin Peris. Wir Austauscher hatten uns schon im Camp darüber lustig gemacht, dass die 56-jährige Peris eine so junge Tocher (9 Jahre) hat… irgendwie kamen wir auf die Tante zu sprechen und Pauline erzählte mir, wie Peris in einem Bus in ihr Heimatdorf sass, neben einer jungen Frau mit einem Baby auf dem Arm, kaum einen Tag alt. Als der Bus hielt, damit die Passagiere auf die Toilette bzw. in die Büsche konnten (Busse, die mehrstündige Strecken fahren, halten von Zeit zu Zeit zu solchen Zwecken), fragte die Frau Peris, ob sie kurz ihr Baby halten könne, weil sie sich schlecht erleichtern konnte mit dem Kind auf dem Arm. Peris nahm das Baby, die Frau verliess den Bus – und kehrte nie mehr zurück… Peris adoptierte das Kind, denn all ihre eigenen Kinder waren schon erwachsen und nach Amerika ausgewandert, und Peris brauchte Gesellschaft und jemand, der sie bedient…

Auch mein Bettzeug wurde gewaschen, vielleicht, weil ich Andeutungen über den Käfer gemacht hatte… jedenfalls bekam ich für die folgende Nacht keine neues Leintuch, sondern hatte nur die Wolldecke und fror die ganze Nacht hindurch jämmerlich.

15.09.2007

Im Laufe des Tages kamen Gäste, die mir nicht vorgestellt wurden. Ich grüsste alle, sagte, wer ich sei, bekam aber keine Antwort. Dann halt eben nicht.

Ich tippte den ganzen Tag an Erics Arbeit, hatte ja nichts zu tun sonst.

Für die Nacht musste ich mein Bett räumen, es waren viel zu viele Leute da, und es gibt nur vier Betten. Pauline, Risper, Carol (eine weitere Cousine, die angekommen ist) und ich zogen in Erics Zimmer, er musste ins Wohnzimmer. Ich konnte wählen, ob ich mit zwei anderen Mädchen das Bett teilen oder auf einer stinkigen Matratze am Boden schlafen wollte. Ich wusste da noch nicht, dass die Matratze so hässlich mieft und wählte den Boden…

16.09.2009

Etwa um fünf Uhr früh wurden wir geweckt, ein Onkel sei angekommen und er brauche das Bett. Ich wurde aufgefordert, meine Matratze zu raffen und im Mädchenzimmer weiterzuschlafen, doch etwa eine halbe Stunde später kam meine Gastmutter, stiess mich mit dem Fuss an und sagte, es sei Zeit aufzustehen, ich müsse das Geschirr spülen kommen.

Zum Glück ist fast alles aus Plastik, so früh am Morgen kann ich noch nicht mit Seife und Wasser umgehen.

Ich marschierte etwas später ins Jungenzimmer zurück, um meinen Computer in Sicherheit zu bringen. Der Onkel, der tatsächlich angekommen war und im Bett lag, starrte mich zwar wütend an, doch ich konnte das Gerät einfach nicht den ganzen Tag dort lassen, mit all diesen Leuten im Haus, die den Computer bestimmt inspizieren würden.

Zweieinhalb Stunden später verliess ich das Haus und floh in die Stadt, wo ich mich mit Pedro, Christin, Lynn (aus England) und Michael traf, um ins Giraffe Centre zu fahren. Michael versuchte schon seit zwei Wochen, mich zu treffen, ich hatte ihn aber ein ums andere Mal versetzt und nun gefragt, ob er nicht mit ins Giraffe Centre kommen wolle, so konnte ich mich mit ihm treffen, ohne allein mit ihm zu sein.

Wir fuhren etwa zwei Stunden mit dem Bus aus der Stadt hinaus, marschierten dann eine weitere Stunde durch ländliches Gebirge, bis wir den Centre fanden und schafften es alle mit unseren ICYE-Karten für 100 Schillinge Einheimischenpreis herein zu kommen. Die Touristen bezahlen das Fünffache…

Es gab nur Touristen im Giraffe Centre, eine Kreisrunde Veranda, auf die man hochsteigt, um mit den Giraffen auf Augenhöhe zu sein und sie zu füttern, und für die ganz verrückten um sie zu küssen, den Giraffenspucke ist anscheinend gesund.

Nachdem wir alle unsere Fotos geschossen und die Hände voller Giraffensabber hatten, kehrten wir in die Stadt zurück. Michael, den ich den ganzen Tag ignoriert hatte (ich weiss, ich bin gemein, aber er ist echt unausstehlich und wohl auch ziemlich dumm, wenn er sich von mir so lange versetzen lässt und immer noch nicht schnallt, dass ich nichts mit ihm zu tun haben will. Kenianer scheinen in diesem Punkt aber relativ blind zu sein… ), sagte, er werde mich später noch treffen, er gehe jetzt einen Freund besuchen. Mir war es Einerlei, ich ging mit dem Rest der Gruppe ins Java Mittagessen.

Pedro und ich gingen am späteren Nachmittag in unser Stamm-Internet-Kaffee, wo wir so lange versuchten, einen Computer zu finden, auf dem sowohl das Internet als auch der MSN Messanger funktioniert, bis uns die Kaffeebetreiber fragen kamen, wie es uns so gehe… Wir lenkten nämlich ziemlich viel Aufmerksamkeit auf uns, weil wir von Computer zu Computer zogen, uns ein- und kurz darauf wieder ausloggten, weil die Schrottkisten nicht taten wie wir wollten.

Michael tauchte dann wieder auf, zusammen mit seinem Freund, der zu Tode beleidigt war, weil ich vorgab, mich nicht mehr an ihn zu erinnern. Ich hatte auch ihn irgendwann im Orientierungscamp getroffen und er ist genau so schräg wie Michael. Die Beiden brachten mich und Pedro zu einem anderen Internetkaffee, wo Pedro ein paar Minuten am Computer verbrachte, während ich zwischen Michael und seinem Freund (immerhin, an den Namen erinnere ich mich wirklich nicht) sass und mich so unkommunikativ wie noch nie verhielt. - Es ist nun eine Woche vergangen und Michael hat sich nicht gemeldet: Ziel erreicht…

Ich musste dann nach Hause… Das Zimmer war überfüllt, alle schwatzten und lärmten und mir war übel vor Müdigkeit. Ich setzte mich auf den Boden, damit ich an eines der Betten lehnen konnte und löste Entsetzensschreie aus. Es war schon schlimm genug gewesen, als ich in meiner ersten Woche in der Familie das erste Mal barfuss durch das Haus gegangen war „Frulin (ich habe mich nicht vertippt, so wird mein Name ausgesprochen), why are you stepping down????“ – und jetzt setzt sie sich noch auf den Fussboden!

Ich war so tot, ich hätte heulen können. Ich räumte mir dann hinter ein paar Frauen etwas Platz auf einem der Betten frei und legte mich einfach hin. Dagegen wurde nichts eingewendet und ich konnte schlafen, bis es Abendessen gab und ich dann wieder auf die Stinkmatratze ins andere Zimmer ziehen musste.

17.09.2007

Ich verschwand am Morgen, bevor mich jemand dazu auffordern konnte, das Geschirr zu spülen oder sonst etwas zu tun. Ich musste unbedingt aus dem Haus raus, wo mich alle anstarren, als wäre ich eine Ausserirdische und jede meiner Bewegungen diskutieren und kommentieren, aber nie wirklich zu mir sprechen, nicht mal „hallo“ sagen.

Pläne hatte ich keine, ich hoffte, dass Andrew Zeit hatte, irgendwas zu unternehmen und schlug zwei Stunden im Internet tot. Mein Gott, ich verbrauche so viel Geld auf diese Weise, Langeweile ist tödlich.

Andrew schrieb, er könne nicht kommen und ich hatte keine Ahnung, was ich nun den ganzen Tag tun sollte, es war noch nicht mal Mittag. Ich stand im Gebäude, in dem sich das Internetkaffee befindet, am Fenster, schaute hinunter auf die Stadt und versuchte, das elende Gefühl der Einsamkeit, das in mir hoch zu kriechen begann, zu ignorieren.

„Don’t worry, he will come!”, sagte ein Typ, der hinter mir durch ging. Ich reagierte nicht, doch er blieb stehen und fragte, ob ich von Polen komme. Aus der Schweiz, antwortete ich, und darauf begann er Deutsch zu sprechen.

Ehrlich gesagt weiss ich immer noch nicht, woher er so gut Deutsch kann, der Mann Namens Omo, der mir erzählte, dass er gerade zwei Studenten aus Köln in Volontärprojekten platziert hatte. Er gehört aber keiner Organisation an, war selbst nie im Austausch, nur ein paar Mal für kurze Zeit in Deutschland. Omo fragte mich nach meine Geschichte und war schockiert, als er erfuhr, dass ich so viel Geld bezahlte, um hier her zu kommen und Volontärarbeit zu leisten. Seine Studenten bezahlen nur die Reise und die Unterkunft, was billiger kommt, bei den Preisen hier. Sie sind dann viel freier, weil sie nicht so an eine Organisation gebunden sind wie ich an ICYE, sie können also jederzeit das Projekt wechseln usw. Es ist nämlich nicht so schwer, Arbeit zu finden, es gibt ja unzählige Kinderheime und Schulen.

Omo brachte mich in ein Restaurant jenseits der River Road, dort wo man nicht hin sollte, so steht es im Reiseführer und so wird es uns Weissen auch von den Einheimischen gesagt. Die Stimmung ist hier tatsächlich anders, ein krasser Wechsel, wenn man aus den Strassen zum und vom Hilton Hotel plötzlich hier landet. Die Häuser sind heruntergekommen, es stinkt nach Kanalisation, Müllberge… Doch solange es hell ist, ist es nicht wirklich gefährlich dort, nach Einbruch der Dunkelheit jedoch meiden anscheinend sogar die Nairobianer die Gegend. Ich hatte mich schon dort herum getrieben, als ich noch nicht wusste, dass ich nicht dort sein sollte, denn man kriegt genau so gute Pommes dort wie ums Hilton herum, nur bezahlt man kaum die Hälfte und kriegt doppelte Portionen.

Das Restaurant wird von Freunden Omo’s geführt und wer dort isst, unterstützt den Wiederaufbau einer Schule in einem Dorf ausserhalb Nairobis. Wir assen Chapati und Kartoffeln in Sauce, es war wirklich gut und kostete umgerechnet keine 4 Franken – inklusive Tee soviel wir wollten.

Wir verabredeten uns für Mittwoch, er wollte mir ein Projekt zeigen, in dem ich vielleicht arbeiten konnte. Auf die Frage, warum er mir helfe, antwortete Omo, dass er es nicht wisse, dass er vielleicht der Teufel sei, vielleicht auch nicht, dass ich die Hilfe einfach annehmen soll und fertig. Das beschloss ich auch zu tun, seine Hilfe anzunehmen, ohne Fragen zu stellen, denn ich bin sicher, er ist ein Teufel und falls ich das Projekt kriege, werde ich früher oder später Probleme bekommen, weil ich ihn abblocken werden muss, obwohl er mir so geholfen hat… Ich bin halt auch nur ein Teufel…

Ich kehrte dann nach Hause zurück, denn Pauline musste heute zum Flughafen gebracht werden. Tante Peris war im Haus, um Pauline mit Packen zu helfen. Sie hatten das gleiche Problem das ich hatte: zu viel Gepäck – auch Pauline darf nur 20 Kg mitnehmen… Obwohl ich meine Gastschwester davon zu überzeugen versucht hatte, dass sie in Frankreich nie von Hand waschen wird, hatte sie rund zwei Kilo Seife eingepackt, die sie nun aber hier lassen musste. Auch die Mehrheit der ungefähr 7 Paar Schuhe musste ausgepackt werden.

Peris liess sich mit Soda und gebratenem Mais bedienen, den sie auf den Boden schmiss, sobald sie einen halben Kolben abgenagt hatte. Sie war nicht all zu gut drauf, weil meine Gastmutter ihr gesagt hatte, sie dürfe nicht über Nacht bleiben – sie bedeute zu viel Arbeit (=

Gegen 18.00 Uhr versammelte sich die ganze Familie im Wohnzimmer, wo ein Mann aus der Bibel las und wahrscheinlich Pauline segnete (das ganze war in Kiswahili oder Kisii, weiss es also nicht). Anschliessend sprachen auch noch ein paar andere Männer zu Pauline und zum Abschluss die Grossmutter, und dann wurde die ganze Sippe in ein gemietetes Matatu und in den Familienwagen gepackt und ab ging es an den Flughafen. Der Mitgemietete Matatufahrer schien es darauf abgesehen zu haben, die ganze Familie Meroka auszulöschen, doch ausser mir störte sich niemand daran, dass er fuhr wie ein Verrückter.

Der Abschied am Flughafen fiel sehr kurz aus, eine Umarmung, ein machs gut, viel Spass, und tschüss. Peris ging mit Pauline zur Gepäckaufgabe, wir anderen warteten draussen – für etwa zwei Stunden.

Wir kamen nach einer weiteren Horrorfahrt kurz vor Mitternacht daheim an (und ich lebe immer noch). Mir wurde ein Platz im Stockbett oberhalb der Grossmutter zugewiesen und ich kroch in meinen Schlafsack. Sie wollten zwar, dass ich noch zu Abend esse, doch dafür kriegten sie mich nicht mehr vom Bett runter, ich schlief schon und erwachte auch nicht, als noch jemand Zweites neben mir ins Bett stieg.

18.09.2007

Alles Gute zum Geburtstag, Marius!!!!

Heute ging ich mit Pedro zur Arbeit. Sein Projekt ist eine Schule für geistig und körperlich behinderte Kinder. Ich hatte gefragt, ob ich mit ihm gehen solle, damit ich Kerubo sagen kann, was genau sein Problem auf der Arbeit ist, weil sie ihm ja nicht glaubt, dass er unmöglich ein Jahr dort bleiben kann.

Um halb acht traf ich mich mit ihm in Westlands, wo wir erst mal in einer Bäckerei Wasser und Pouletbrote kauften – die Gastfamilie hat inzwischen wieder keine Butter mehr und diesen Morgen gab es nicht mal Brot, und auch nichts zu trinken.

Wir stiegen in Westlands in ein Matatu, das als Schulbus diente. Zwei Kinder waren schon da, die Restlichen wurden unterwegs aufgeladen. Die Meisten stanken, ein Geruch, den ich nicht beschreiben kann, den ich am Ende dieses Tages aber in jeder Pore meines Körpers hatte und nie mehr los zu werden glaubte. So wie die Kinder riechen, riecht es auch jenseits der Riverroad, von der ich erzählt habe… Der Geruch der Armut…

Fast alle Kinder wurden von Frauen auf dem Rücken angeschleppt und unsanft in den Wagen gehievt… wir erreichten die Schule nach etwa einer Stunde fahrt, ein hübscher Gebäudekomplex mit grossem Garten und Kinderschaukeln.

Die ungefähr 12 Kinder (es sind nicht an jedem Tag so viele, sobald es regnet, können die Kinder nicht an die Hauptstrasse gebracht werden, wo der Schulbus sie aufpickt, denn die Meisten kommen aus den Slums, der bei schlechtem Wetter kaum passierbar ist) wurden in Rollstühlen und Kinderwagen platziert, die paar die laufen könne auf Hockern, dann begann die Begrüssungsrunde, während dem jedem Kind die Hand geschüttelt wird und es so lange Good Morning stammeln muss, bis die Lehrerin zufrieden ist. Wirklich sprechen können aber nur etwa drei Kinder, auch nur simple Fragen beantworten keines.

Danach wurden die Kids auf drei Klassen eingeteilt. Pedro wird ab heute mit vier Kindern allein sein, denn die Lehrerin ist schwanger und kommt nicht mehr. Ein etwa 14-jähriges Mädchen namens Janet wird mit einem Malbuch und Stiften beschäftigt, die kleine Risper wird den ganzen Tag Plastikstifte in ein Brett stecken und wieder heraus ziehen, ein Junge Namens Muteti sollte Buchstaben nachfahren, die Pedro für ihn vorgezeichnet hatte und ein riesiges Mädchen bzw. eine junge Frau namens Hindu sollte farbige Bälle sortieren. Sie ist extrem anstrengend, weil sie eigentlich ihre Arbeit ohne Probleme tun könnte, aber alles extra falsch macht, weil sie ununterbrochen ungeteilte Aufmerksamkeit will.

So ist das jeden Tag, die Kinder lernen nichts Neues, Risper spielt mit den Plastiksteckern – jeden Tag, ununterbrochen. Janet malt oder spielt auch mit Plastiksteckern, Hindu sortiert Bälle, oder eben nicht und Muteti, der lernen könnte, weigert sich, mit Pedro zusammen zu arbeiten. Wir versuchten, ihm Memori beizubringen, mussten aber irgendwann aufgeben.

Pedro hatte versucht, Hindu zu isolieren, damit sie lernen kann, selbstständig zu arbeiten, doch die anderen Lehrer wollen das nicht, auch wenn es Platz genug gäbe, sie in einem anderen Raum zu beschäftigen.

In der Teepause wurden alle Kinder in den Garten gebracht. Sie sind alle sehr friedliche Kinder, sie spielen zusammen und beschäftigen sich selbst, so dass Pedro und ich und auch all die anderen nichts mehr zu tun haben, bis die Pause vorbei ist und wir nicht viel mehr zu tun haben als darauf zu achten, dass Hindu auf ihrem Platz bleibt.

In der zweistündigen Mittagspause fütterte ich ein neunjähriges Mädchen, das so klein ist wie ein zweijähriges Kind und dem die Zähne in allen Richtungen aus dem Mund spriessen. Sie muss den Kopf in den Nacken legen, damit ihr Essensbrei den Hals herunterrutscht und nicht wieder zurück auf den Teller plätschert, denn ihr deformierter Kiefer erlaubt es ihr nicht, den Mund zu schliessen…

Anschliessend gab es Essen für die Mitarbeiter; jeden Tag das gleiche: Sukumavicki und Ugali, das komischerweise mit dem Löffel gegessen wird. Ich brachte es nicht hin und ass von Hand, es schmeckt wirklich anders so, auch wenn ihr mir das wohl nicht glaubt. Der arme Pedro kann das ganze Zeug nicht mehr sehen und wir schmuggelten die kaum angerührten Teller zurück in die Küche und in den Müll. Anschliessend stillten wir unseren Hunger dafür mit Ananas und Mango, die es zu Pedros Glück ebenfalls jeden Tag in Hülle und Fülle gibt.

Anschliessend ging der Unterricht genau gleich weiter wie am Vormittag. Kurz vor 15 Uhr wurde ich ins Büro der leitenden Lehrerin zitiert, wo sie mir eine halbe Stunde lang erklärte, dass sie zwar streng, aber nicht lieblos sei. Ich sass total verkrampft vor Wut auf meinem Stuhl und hörte zu, wie sie sich dafür rechtfertigte, ein geistig behindertes Kind zu schlagen.

Ein Mädchen, ich weiss ihren Namen nicht, kam im laufe des Nachmittags aus der Therapie zurück, die sich im Gebäude nebenan befindet und von zwei Männern geleitet wird. Ich hatte am Mittag gesehen, wie die Männer Hindu schlugen, weil sie nicht mehr sitzen wollte, und wie der eine einen kleinen Jungen an einem Arm aus dem Rollstuhl gezerrt hatte, weil er zu faul war, die Teetasse abzusetzen, um das Kind richtig heraus zu heben…

Das Mädchen setzte sich in Pedros Klasse, weinend. Er sagte, sie komme meistens weinend zurück… Sie sei Autistisch, man kann ihr nicht ansehen, dass sie nicht „normal“ ist, auf mich wirkt es auch eher, als sei dieses Kind so sehr misshandelt worden, bis es nicht mehr anders konnte, als in sich selbst hinein zu kriechen.

Mein Gott, ich kann nicht vergessen, wie sich mich angeschaut hat, als sie schniefend auf dem Stuhl kauerte und darauf wartete, dass einer der Therapeuten kam, sah, dass sie nicht in der richtigen Klasse war und ein Zimmer weiter zerrte…

Ich wollte nur noch weg, mir war schlecht.

Am Abend musste ich im Office an Kerubo weiterleiten, wie ich Pedros Projekt erlebt hatte. Ich war irgendwie total fertig und habe meine Sache nicht all zu gut gemacht. Doch Pedro kriegt ein neues Projekt, fragt sich nur, wann.

Ich hatte eigentlich gedacht, die Gäste würden am Dienstag gehen, aber das Haus war immer noch voller Leute und ich kann mich wohl nicht darauf einstellen, dass sie bald gehen.

Ich schlafe kaum, denn es ist unglaublich stickig und stinkig im Raum. Wir sind zu acht, und es schnarcht immer mindestens eine und wenn die Oma im Bett unter mir hustet, dann RIECHE ich es. Die Matratze stinkt auch, ich habe sie mal etwas angehoben, weil mein Handy darunter gerutscht ist – oh mein Gott, es sind auch Käfer darunter! Und wahrscheinlich darin, denn das Teil besteht aus Schaumstoff und ist total zerlöchert.

Ich weiss selbst nicht, wie ich das mache, ich weiss einfach, dass ich den Gedanke „Käfer“ nicht an mich herankommen lassen darf, wenn ich das hier durchstehen will. Es hat auch Käfer im Zucker, ich sah, wie einer (RIESIG übrigens) abtauchte, um in den Tiefen des Zuckerkübels seine Verwandten zu warnen, als ich meinen Tee süssen wollte…

Unter der einen Seite der Matratze werden Plastiksäcke gelagert, die dann Später vielleicht gebraucht werden, was bedeutet, dass die Matratze so schräg ist, dass Risper dauernd auf meine Seite rollt, wir uns also zusammen ein halbes Bett teilen. Dazu kommt, dass Risper sowieso meine Nähe sucht, wahrscheinlich unbewusst im Schlaf, jedenfalls komme ich Nacht für Nacht fast um vor Hitze und Atemnot, und wenn ich versuche, frische Luft ganz nahe an der Wand zu atmen, dann kommen die Gestankschwaden der Oma von Unten herauf, klappt also auch nicht.

19.09.2007

Ich wartete am Morgen wieder mal vor dem Java, auf dass es öffne und mir Kaffee gebe.

Tagwache ist etwas nach fünf, ich kann echt nicht verstehen, wieso da das Licht angeschaltet und herumgeschrieen wird, denn aufstehen muss um diese Zeit nur die Gastmutter, und die schläft nicht in unserem Zimmer.

Am Vorabend hatte ich ihr noch sagen sollen, was besser sei: Österreich oder Deutschland, denn Gladis soll auch in den Austausch. Dann wurde ich wieder einmal ermahnt, niemandem davon zu erzählen, auch ICYE nicht, dass es niemand zu wissen brauche usw. und als ich fragte: WHY??? kam gerade eine Tante in die Küche und meine Gastmutter schrie mich ermahnend an: Frulin! und zwickte mich ins Bein.

Ich kann dieses Scheissgetue nicht mehr ertragen, dieses Hintendurch, diese Falschheit. Und dann kriege ich nicht mal eine Begründung!

Als ich dann sagen musste, wie das hässlich saure Bohnenkraut schmeckte, war ich ehrlich. Doch sie sagte nur: it’s okay. *lol*

Jedenfalls war ich früh in der Stadt, vor 8 Uhr, weil ich so schnell von daheim weglaufe wie möglich. Verabredet mit Omo war ich aber erst um 11…

Er war immerhin pünktlich, wenn auch sehr verschlafen, bzw. einfach todmüde, denn geschlafen hatte er nicht. Omo hatte die Nacht mit einem Studenten aus Deutschland durchgefeiert, den er diesen Morgen in ein Projekt nach Eldoret geschickt hatte. Wir machten uns auf die Suche nach dem richtigen Matatu, fuhren etwa zehn Minuten und standen vor einem Tor, tapeziert mit einem regenzersetzten Stück Papier:

Single Mother’s Association Centre.

Empfangen wurden wir von einer Frau namens Angelina, die mir das Projekt zeigte und alles erklärte, während Omo, ihr Nachbar übrigens (darum kennt er sie und ihr Projekt) vor sich hin döste.

Das SMAC ermöglicht es allein erziehenden Müttern, also meist Mädchen, die während der Schulzeit schwanger geworden sind, den Schulabschluss nachzuholen. Sie können ihre Babies mitbringen, für die dann im Baby Care Bereich gesorgt wird. Neben Schulabschluss lernen die Mädchen auch hier dinge wie Nähen und Haareflächten. Doch auch Jungen werden im Projekt aufgenommen, sie lernen Küchenarbeit und wie mit Computer umgehen. Diese beiden Dinge, weil sie entweder im Bereich Küche oder Internet-Kaffee die besten Chancen haben für die Zukunft – Restaurants und Cybercafés spriessen in Kenia wie Pilze aus dem Boden.

Vor einer Baracke sassen rund 10 Babies in Plastikstühlen in der Sonne. Es gibt auch Mütter, die ihre Kinder Tagsüber ins Projekt bringen, ohne aber hier zur Schule zu gehen; es ist also gleichzeitig auch ein Baby Day Care Centre. Das Projekt ist ziemlich gut ausgerüstet, es gibt viele Spielsachen, Bücher, Kleider, Betten. Und es sind viele Babies, ich hätte also arbeit – und sie sind alle zum Fressen süss (=

Angelina freute sich, mich schon bald wieder zu sehen, doch ich musste ihr erklären, dass sie erst ein Telefon von Kerubo erhalten werde und alles mit ihr absprechen müsse… Kein Problem, bis bald…

Omo wollte eigentlich noch mit mir Mittag essen gehen, doch seit er mir angeboten hatte, ich könne auch bei ihm wohnen, das wäre nahe beim Projekt, versuche ich dringendst, Distanz zu gewinnen…

Ich ging zurück nach Westlands ins Office, wo ich kurz auf Pedro traf, der total fertig war. Er zitterte und sah aus, als würde er nächstens zu heulen beginnen. Er erzählte, wie er den ganzen Tag versucht hatte, Muteti die Zahlen 1 und 2 beizubringen, in dem er auf die 1 tippte und ONE sagte, dann das selbe mit Nummer 2 wiederholte und nach einigen Durchgängen den Jungen aufforderte, ihm die Nummer 1 zu zeigen. Nach dem er es auch am Ende des Tages noch falsch gemacht hatte, nicht mit Pedro sprach, in den Pausen aber zu anderen Leuten spricht, hatte Pedro kapiert, dass sich Muteti weigerte, mit ihm zusammen zu arbeiten.

Pedro ist total überfordert, denn er ist ja allein mit den Kindern und er kann ihnen absolut nichts beibringen, für so schwer behinderte Kinder braucht es ausgebildetes Personal – und ein paar Materialien gegebenenfalls… jedenfalls mehr als Plastikstifte..

Hindu hatte sich so sehr angestellt, dass Pedro nahe daran gewesen war, sie zu schlagen. Er tut mir so leid, er war wirklich am Ende, ich weiss, dass er NIE ein Kind schlagen würde. Ich hätte heulen können, als ich gesehen hatte, wie Pedro mit den Kindern umgeht, so rührend, so liebevoll. Er ist ein echt guter Kerl, doch diese Arbeit macht ihn fertig, er muss weg dort, aber Kerubo nützt es so schamlos aus, dass er zu wenig Englisch kann, um sich richtig gegen sie zu wehren!

Mit Kerubo zu sprechen ist auch unmöglich, wenn man etwas Englisch kann… Sie bekam total den Anfall, als ich ihr sagte, dass ich eine Arbeit für mich gefunden hatte. Sie wurde fuchsteufelswild, weil ich mich in ihre Arbeit (die sie ja verdammt noch mal nicht macht, sorry) einmische und was ich mir denke, mit Fremden Leuten zu sprechen, und nur weil dieser Typ Deutsch gesprochen hat und einige haben sogar giftiges Pulver an den Händen und und und.

Ich liess mich nicht dazu herunter, zurück zu schreien, sondern wiederholte ein ums andere Mal, dass ich nicht SO blöd sei und das ich WILL, dass sie Angelina anruft und abklärt, ob ich dort arbeiten kann. Kerubo willigte schliesslich ein, musste dann los und nahm den Zettel mit der Adresse nicht mal mit. Beinahe hätte ich doch geschrieen, schwor aber im Stillen Rache… seit neun Jahren ist diese Frau in dem Beruf und treibt ihre Geldgierigen Spiele mit den Austauschern… irgendwann muss das doch ein Ende haben… na warte!

Kerubo hat mich übrigens zusammengeschissen, weil ich auf die Frage, wie es mit meinem Kiswahili gehe, nicht die richtige Antwort hatte. Ich sagte ihr auf Berndeutsch, dass wenn sie ihre Arbeit erledigt hätte und ich seit drei Wochen mit Kindern arbeiten würde, schon ganz fliessend Kiswahili sprechen würde, entschuldigte mich und übersetzte ins Englisch, dass meine Eltern mir ein Lernbuch schicken würden. Darauf bekam sie einen weiteren Anfall, schicken sei viel teuer als hier eins kaufen, und ich wohne doch beim Sarit Centre, wo es einen Bookshop gebe! Ich bezweifle, dass diese Bücher dort billiger sind als das Packet und ein Buch in Kiswahili ohne deutsche oder zumindest englische Übersetzung bringt nichts. Ich habe Kiswahilibücher gesehen, wie sie für die kleinen Schüler benützt werden, irgendwer hat eins gekauft… und aus dem kann man nicht lernen…

Wenn ich schon bei Schulbüchern bin… Ich habe mir Janets Bücher angesehen. Im Englischbuch gibt es immer wieder Sätze, die von den Schülern in Schönschrift kopiert werden müssen. Sie lauten zum Beispiel:

Policemen are good people

Education is free in Kenya

Helping in the house is a good exercise for small children

Auch die Lesebücher handeln von Kindern, die unartig gegenüber dem Vater waren und gerechte Strafen bekommen, von Kindern, die artig waren und alles wird gut… Unglaublich, dieses Zurechtgetrimme hier.

20.09.2007

Irgendwann erwachte ich in der Nacht. Ich hatte Bauchweh und konnte nicht bequem liegen, Risper nahm den ganzen Platz ein.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal im Leben Durchfall hatte, und darum auch nicht, was genau man da so tun soll. Jedenfalls hatte ich kein Toilettenpapier, was die Sache nicht gerade vereinfachte… Es ging mir aber nicht all zu schlecht, und verbrachte ich den frühen Morgen mit Wäsche Waschen – es hatte sich eine ganze Menge angesammelt – trank eine Unmenge Tee mit Thermosflaschengeschmack und käferdurchsetztem Zucker und fühlte mich dann tatsächlich besser. Ich glaube, ich habe einfach zu viele andere Probleme, um wirklich krank zu werden.

Kerubo hatte mich für 10.30 ins Office befohlen, war aber nicht dort. Ich regte mich nicht wirklich darüber auf, sie nicht zu sehen, Priska war dort und erklärte mir, dass er ein Problem mit Angelina und dem Projekt gebe. Also hatte Kerubo tatsächlich angerufen, Respekt! Angelina wolle anscheinend 1000 Schillinge am Tag für Unterkunft, was ICYE nicht bezahlen kann. Priska versprach, mit ihr zu verhandeln und zu schauen, ob ich nicht einfach dort arbeiten, aber in einer Gastfamilie in der Nähe wohnen könnte.

Für halb zwölf war ich mit dem Gastcousin Simon verabredet, und so fuhr ich in die Stadt und stand für eine Stunde an der Koinange Haltestelle. Habe ich schon erzählt, dass Koinange des Nachts anscheinend Nairobis Strich ist? Ich fühlte mich jedenfalls ziemlich dumm, dort zu stehen und hasste alle Kenianer für ihre einfach unglaubliche Unzuverlässigkeit. Irgendwann tauchte Simon dann auf und wir marschierten in den Aboretum Park. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen Weg jemals wieder gehen würde: Das Orientierungscamp fand in einer Schule gleich neben dem Park statt.

Meine Finger waren geschwollen, und Simon musste mich erst auf die Idee bringen, dass dies vom Wäschewaschen am Morgen war. Ich hatte die Seife der Familie benutzt und nicht mehr meine schöne gelbe Sunlight or whatever und vertrage die anscheinend nicht all zu gut.

Simon ist ein guter Redner, und ich liess mir seine ganze traurige Lebensgeschichte erzählen. Seine Eltern liessen sich scheiden, als er in die Sekundarschule kam, sein Vater heiratete eine andere Frau, wurde zum Alkoholiker und weigerte sich, das Schulgeld für Simon, seinen jüngsten Sohn, zu bezahlen. So landete Simon mit 15 in als Tellerwäscher in einem Restaurant, wo er sich selbst Geld verdiente, um die Schule abzuschliessen (Bildung ist übrigens gratis in Kenia). Eine Lady bekam eines Tages Wind von seiner Situation (an diesem Punkt der Geschichte bin ich nicht ganz mitgekommen, tut mir leid, ist alles so ungenau, doch dieser Typ spricht ein Englisch, dem ich ohne Wörterbuch nicht immer folgen kann) und bezahlte die Schulgelder für seine restliche Schulzeit.

Obwohl er sich oft fragte, warum er so viel Pech gehabt hatte im Leben, warum seine Geschwister alle die Schule abschliessen konnten (sie sind so viel älter, dass sie schon aus der Schule waren, als sich die Eltern scheiden liessen) und nur er nicht, warum das alles ihm passierte, beschloss er, nicht mehr wütend auf sein Leben, die Familie und die Welt zu sein und gutes zu tun. Er ist jetzt Mitglied einer Organisation, die sich an die Jugend wendet und Themen wie Beziehungen, Sexualität, Aids usw. anspricht.

Als er mich fragte, wie es mir in der Familie gehe, war ich ehrlich – und fand heraus, dass er seine Verwandten auch nicht ausstehen kann. Sein Bruder, der Cousin Richard, mag sie auch nicht so sehr, hängt aber viel im Haus meiner Gastfamilie herum, um mit Gladis oder Risper zu schlafen. Oder natürlich Pauline…

Es hatte mich damals sehr verletzt, als ich herausgefunden hatte, wie Pauline wirklich war. Nach und nach bemerkte ich, dass es nicht immer der selbe Mann war, mit dem sie telefonierte. Sie hat unglaublich viele Beziehungen und nimmt die Männer aus, denn sie alle schicken ihr Kredit aufs Handy. Dagegen habe ich nichts einzuwenden, ich wurde nur wütend, als Eric sie eines Nachts aus dem Haus brachte, damit sie sich mit einem Typen treffen konnte (sie bestachen den Wachmann der Schule nebenan mit 200 Schilling) und als ich Pauline am Morgen fragte, wann sie denn zurück gekommen sei, war sie entrüstet und sagte, sie sei nicht weg gewesen, sie könne nicht lügen, und schon gar nicht zu mir, sie sei ja meine Schwester. Ich weiss, dass sie nicht in ihrem Bett war, seit diesem Tag mag ich auch Pauline nicht mehr.

Sie geben alle ein so unglaublich braves Leben vor, mit Vater respektieren, sich anständig kleiden usw… aber hinten durch sind sie ärger als arg.

Simon spricht sehr viel von Geld, das er nicht hat und ich habe. Ich weiss, dass er wirklich sehr arm ist, denn er verdient nichts, die Arbeit die er macht ist Volontärarbeit. Er lebt mit seiner Schwester, sie hatte ihm am Morgen 100 Schillinge gegeben. Die Hälfte brauchte er für die Matatus, mir der andern kaufte er eine Unmenge Kaugummi für sich und auch für mich. Er spürt den Hunger nicht, wenn er Kaugummi kaut… bei mir klappte das nicht, gegen 16.00 Uhr wurde mir schwindlig, ich brauchte zumindest was zu trinken. Im Park gibt es aber nichts zu kaufen, und so gingen wir zurück in die Stadt und beide unsere eigenen Wege.

Ich fuhr zurück nach Westlands um herauszufinden, ob ich das Projekt bekommen habe oder nicht: Keine News, unglaublich!

Pedro kam, und zusammen mit Priska versuchten wir herauszufinden, was für eine Art von Projekt sie für ihn suchen sollte.

Priska machte Pedro Vorwürfe, als sei alles sein Fehler, dass es so schwer ist, etwas Neues für ihn zu finden. Niemand wolle ihn beschäftigen, weil er kein Englisch spreche. Ich kann das fast nicht glauben, er hat mir selbst erklärt, dass alle Projekte, die er von Brasilien aus gewählt hatte, kein Englisch erforderten.

Priska sagte, Kenia sei ein englischsprachiges Land und blaa. Das ist alles so unfair, denn es ist überhaupt nicht die Bedingung, die Sprache des Landes zu können, in das man für den Austausch geht! Das hat es in allen Broschüren geheissen: Vorteil, aber nicht Voraussetzung! Und jetzt beschuldigen sie Pedro, er sei der Schwierigtuer, wegen der Sprache! Scheisse!

Pedro kommt immer noch jeden Morgen mit Kerubo nach Westlands, obwohl er nicht mehr bei ihr wohnt. Sie sind aber Nachbarn, und so kann sich Kerubo das Geld sparen, das sie Pedro für die Matatus bezahlen sollte.

Nun will er aber Unabhängigkeit, was ich durchaus verstehe, und darum fuhr ich mit ihm in die Stadt, um ihm zu zeigen, wo er die Matatus nach Westlands erwischen kann. Es war unglaublich viel los auf der Strasse um diese Zeit… Feierabend… ich fuhr zwar gleich wieder zurück, nachdem ich Pedro den Weg gewiesen hatte, war aber erst nach 18 Uhr daheim – und hatte immer noch nichts gegessen.

Ich wollte mich etwas aufs Bett legen und Tagebuchnotizen machen, doch meine Gastmutter sagte, ich müsse in die Küche, die Mädchen sollen zusammen sein. Obwohl es in der Küche nichts zu tun gibt für mich und es unmöglich ist, mit Gladis zu sprechen, weil sie immer nur so kurz wie möglich antwortet (also, ich habe es WIRKLICH probiert, mit ihr zu sprechen), und die andere Cousine nicht mit mir spricht und Risper noch nicht daheim war, gehorchte ich und schlich ab in die Küche.

Ich war so durstig, dass ich Wasser vom Hahn trank…

21.09.2007

In der Nacht liess aus Versehen mein Handy zwischen Wand und Bett herunter fallen, worauf das Schnarchen der Oma so abrupt stoppte, dass ich schon befürchtete, sie umgebracht zu haben. Es hatte nämlich nicht so getönt, als wäre das Handy auf den harten Boden gefallen. Die Alte begann aber irgendwann wieder zu schnarchen, ich wagte wieder, die stickige Luft zu atmen und schlief weiter.

Am Morgen weckte ausnahmsweise mal ich alle, weil mein Handy unter dem Bett piepste und ich es unbedingt haben wollte, wozu ich unter das Bett kriechen musste und ein zweites Handy gebrauchte, um mich selbst anzurufen, damit ich das Gerät orten konnte.

Ich hatte schon befürchtet, es sei eine Nachricht von Kerubo, die mich in einer Stunde im Büro haben wollte. Doch es war der übliche Gutenmorgengruss von Philip. Ich brauche in letzter Zeit unglaublich viel Geld fürs Handy, so wie die kenianischen Jugendlichen. Jeder Rappen wird in Kredit umgewandelt, wo er nicht lange bleibt. Ich brauche so viel Kredit, weil ich zu gut bin und auf all die „pleas call me, thank you!“ Nachrichten reagiere. Wenn ich dann den Cousin Simon anrufe, und er nur wissen will, wie es mir geht, werde ich schon wütend, aber dann ist es schon zu spät; ich hatte angerufen.

Cecilia aus Dänemark und ich wollten eigentlich in den Nationalpark Nairobis oder sonst etwas unternehmen heute, denn sie arbeitet auch noch nicht, weil sie noch Kiswahiliunterricht in einer Sprachschule nimmt.

Ich war natürlich wieder sehr früh in der Stadt, auch wenn ich eine zweite Portion Kleider gewaschen hatte und sich eine der Tanten nach drei Wochen endlich mal dazu herabgelassen hat, mir zu zeigen, wie man es richtig macht. Ich hatte allerdings Mühe, nicht zu schreien, wenn ich ihr zuschaute, wie sie mit meinen Kleidern umgeht! Ob sauber oder nicht, wenn ich meine Sachen so einseife und wasche wie sie es tut, habe ich in einem Monat keine mehr!

Cecilia schrieb mir, sie sei nach der Schule ins Bett zurück gekehrt, sie fühle sich nicht gut, also fiel der Tag ins Wasser. Ich hatte wieder mal keine Ahnung, was ich mit dem restlichen Tag anfangen sollte, fuhr zurück nach Westlands, ging ins Office und fand heraus, dass ich tatsächlich im Projekt von Angelina werde arbeiten können (oder jedenfalls sehrwahrscheinlich), aber sie erst noch eine Gastfamilie für mich finden müssen. Ich bin sicher, ich werde noch eine Woche oder sogar mehr hier schmoren, ich brauchte Kerubo nur anzusehen, wie sie an ihrem Schreibtisch sass UND ZEITUNG LAS!!! anstatt all die Leute anzurufen, von denen sie mir erzählte und die vielleicht Gastfamilie sein würden.

Ich ging nach Hause und verbrachte den restlichen Nachmittag am Computer, der mich erst unglaublich schockte, weil ich ihn nicht einschalten konnte. Es musste aber bloss gewesen sein, weil ich den Strom noch nicht eingeschaltet hatte und der Computer so lange nicht mehr angeschlossen gewesen war, dass der sowieso nicht funktionierende Akku auf dem totalen Nullpunkt angelangt war.

Es tat gut, nach einer ganzen Woche endlich wieder mal zu schreiben, obwohl meine Finger jetzt wieder schmerzen, und diesmal nicht vom Waschen, sondern von über vier Stunden tippsen (=

1 Kommentar 22.9.07 13:00, kommentieren

22.09. - 28.09.2007 Das Projekt

22.09.2007

 

Samstag… wie es darauf ankommen würde, ob Wochenende ist oder sonst ein Tag. Ich verbrachte den Morgen mit UNO-Spielen. Janet wird langsam wirklich gut und ich brauche nicht mehr absichtlich zu verlieren (= Ich ging dann Schokolade für uns beide kaufen, und wir naschten sie ganz für uns allein hinter dem Haus, wo uns nur die Hühner sehen konnten. 

Um 13.00 traf ich mich mit Pedro in der Stadt, wir gingen ins Internetkaffee und ich liess meinen Laptop ans Internet anschliessen. Es dauerte eine Stunde, bis die Verbindung endlich zu Stande kam, doch als sie erst mal da war, klappte alles super. Internet ist billiger und schneller, wenn man den eigenen Computer bringt, aber ich werde es wohl trotzdem nicht all zu oft tun, weil ich mich nicht all zu gut fühle, das Gerät durch Nairobi zu schleppen und Matatufahren einfach zu ungesund ist für alles, das kaputt gehen kann.

Eric kam vom College zurück in die Stadt, sass zwei Stunden neben mir während ich tippte und wartete auf ich-weiss-nicht-was. Der Computer meiner Gastfamilie kann seine Arbeit nicht ausdrucken, doch ich kann ihm da nicht weiterhelfen, ich weiss auch nicht, wie es funktioniert… Nimmt mich schon wunder, was er jetzt vorhat, denn die Arbeit hätte er ja schon vor langer Zeit abgeben sollen, und nun hat er sie immer noch nicht.

Pedro und ich gingen ins Java essen, latschten danach ziellos in der Stadt herum weil wir beide nicht nach Hause wollten und gingen dann doch beide heim.

Der Rest des Tages schleppte sich unglaublich zäh dahin und ich war froh, als ich um halb neun schlafen durfte… (=

 

23.09.2007

 

Ich weiss nicht, ob ich das schon erzählt habe: Während unserer zweiten Woche im Einführungscamp flog Malena nach Dänemark zurück, weil ihr Vater im Sterben lag. Er hatte Krebs und wusste, dass er nicht mehr lange leben würde, wollte aber, dass Malena trotzdem nach Afrika in den Austausch ging wenn sie wollte, auch auf das Risiko hin, dass sie ihn nie wieder sehen würde…

Sie kam letzten Freitag zurück nach Kenia und wir wollten sie heute besuchen gehen, um ihr zu zeigen, dass wir alle für sie da sind, wenn sie uns braucht.

 

Um 10 Uhr war ich in der Stadt (wieder mal geflohen von daheim). Eine Stunde schlug ich auf dem Internet tot, dann marschierte ich durch die Stadt und inspizierte die Magazine, die an jeder Ecke feilgeboten werden. Ich kaufte schliesslich ein Geologiemagazin aus dem Jahre 1998, das sich unter anderem mit dem Klimawandel auseinandersetzt. Sogar Bilder der schmelzenden Gletscher aus der Schweiz waren drin (= Jedenfalls hat mich das Heft unterhalten, bis die anderen eintrudelten (alle zu spät, auch Debbie, die den Besuch organisiert hat *lol*).

Mit einem Matatu fuhren wir nach Buruburu. Malena wohnt im Moment noch bei der gleichen Gastfamilie wie Lisa, das heisst bei einer Gastmutter und deren drei Nichten.

Lisa hat wirklich Glück gehabt: Ihre Gastmutter ist toll! Und Lisa hat sogar ihr eigenes Zimmer (und das Haus hat eine Warmwasserdusche… *hach).

Wir wurden alle mit Tee, Soda, Marmeladenbroten und Früchten bedient, drängten uns etwa zu zwanzigst auf Sofas und Stühlen im Wohnzimmer und schwatzten.

Etwa um fünf brachen die meisten von uns wieder auf. Ich wollte nicht. Ich wollte nicht weg von den anderen, wollte nicht in meine Gastfamilie zurück. Ich sass zu hinterst im Matatu und wollte für ewig fahren, wollte einschlafen, aufwachen und in der Schweiz sein.

Es war schon nach 18 Uhr, als wir in der Stadt ankamen. Ich war noch nie so „spät“ hier gewesen. Die Stimmung war einfach toll, das Licht zwischen den Häusern, unbeschreiblich. Und ich musste weiter. Es war dunkel, als ich die Strasse zum Haus der Familie hoch ging. Ich wusste, dass ich mich jetzt wirklich beeilen sollte, doch ich konnte einfach nicht…

 

24.09.2007

 

Um halb neun sollte ich im Büro sein, damit mich jemand ins Projekt bringen konnte. Ich stand um 7 Uhr auf, fand in der Küche eine einzige trockene Scheibe Brot, spülte sie mit Tee hinunter und ging dann aus dem Haus, um mir irgendwo Frühstück zu organisieren.

Kerubos Mann liess mich ins Büro, wo ich eine halbe Stunde auf Priska wartete. Ich fand heraus, dass noch niemand von ICYE im Projekt war, um es zu „überprüfen“, sich also anzuschauen, ob ich dort arbeiten kann. Debbie werde das heute tun, meinte Priska. Ookay… Debbie brachte mich zum Projekt und ärgerte sich über mich, weil ich den Weg nicht wusste. Das Problem war, dass Omo und ich letzten Mittwoch mit einem anderen Matatu eine andere Strecke gefahren waren, ich mich also unmöglich an irgendwelche Häuser oder Shops erinnern konnte, an denen Debbie und ich vorbeikamen. Wir fanden das Projekt dann aber doch relativ schnell und Debbie liess mich allein.

 

Zwei Frauen betreuen die Kinder; Betty und Maria. Maria leistet hier selbst Volontärarbeit, um Erfahrung für das anschliessende Studium in Social Work zu sammeln. Das heisst, sie sitzt da und beobachtet die Babies, wie sie friedlich glucksend auf dem Teppich herumkrabbeln und das demolierte Spielzeug herum schieben.

Ich hätte es eigentlich wissen sollen… ich würde hier nicht wirklich Arbeit haben… Die Kids sind so friedlich, dass sich auch Betty alleine um sie kümmern könnte. Doch ich hatte Angst gehabt, dass Kerubo die Bestätigung vom Projekt in Eldoret (mehr als 6 Stunden von Nairobi entfernt) erhält und mich dort hin schickt, bevor ich etwas in der Nähe finde, und mir wurde plötzlich klar, was dies heissen würde: Abgeschnitten sein von all meinen Freunden hier in Nairobi… Wiedersehen in einem halben Jahr im Midyear camp…

Ich verbrachte den Morgen damit, mit den Kindern zu spielen. Sie sind wirklich niedlich, auch Diana, die niemals lacht. Es ist erst ihre zweite Woche im Baby Care, sie fragt dauernd nach ihrer Mama und weigert sich, zu spielen. Sie steht einfach da und wartet, auf dass sie nach Hause kann.

Um halb zehn gab es Uji (Porridge), auch für mich. Die Kinder sassen auf dem Boden und wurden ständig laut aufgefordert, zu trinken. Wer dem nicht schnell genug nachkommt, dem wird das Gebräu gewaltsam eingeflösst.

So ging es auch mit dem Mittagessen; die Kinder werden gezwungen, Unmengen an Reis zu essen. Sie dürfen sich auch nicht Zeit nehmen mit Essen, wer selbst mit den Händen nicht schnell genug ist, dem wird mit dem Löffel nachgeholfen. Es wird ihnen zu allen Löchern hereingeschaufelt, auch wenn sie weinen und fast daran ersticken.

Wenn Betty entscheidet, dass ein Kind genug gegessen hat, wird es ausgezogen und auf eines der Betten gelegt, wo es dann schlafen soll. Das funktionierte tatsächlich, alle bis auf Diana, die sitzen und auf Mama warten wollte, waren alle im Nu eingeschlafen.

Nachdem auch Maria, Betty und ich gegessen hatten, blieb gar nichts mehr zu tun für uns und wir setzten uns draussen in den Schatten, wo wir blieben, bis nach 15.00 die ersten Kinder wieder aufwachten.

Ich machte mich kurz darauf auf den Heimweg, weil ich so weit weg wohne und den Feierabendverkehr meiden wollte. Ich liess mich von einem Matatu aufladen und stieg aus, als ich glaubte, ein Gebäude gesehen zu haben, das ich kannte…doch bemerkte zu spät, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich war… Die Kenianer haben eine Nase dafür: Ein verlorener Muzunguuuuu, yessss! Darum versuche ich, immer so zu tun, als wisse ich, wo ich bin und hin will, doch heute gelang es mir nicht… und prompt werde ich von einem Typen angesprochen, der mich fragt, wo ich hin will. Ich fragte also nach der Richtung, um ins Zentrum zu gelangen, und er offerierte, mich hinzubringen, wenn ich ihn bezahle. Wir waren inzwischen schon losgelaufen und um eine Ecke gebogen, wo ich prompt das Gebäude entdeckte, das ich beim Vorbeifahren erkannt hatte; ich wusste, wo ich war! Mein Begleiter liess sich aber nicht abschütteln, stellte sich mit Namen vor, wollte wissen, wen ich denn im Zentrum treffen wolle, ob er meine Nummer haben könne usw. Beim Hilton angekommen wurde er dann wütend, weil ich ihm weder Soda kaufen noch 50 Schillinge geben wollte; er sei doch so weit gelaufen… Ich fühlte mich zwar nicht besonders gut, beharrte aber darauf, dass ich ihm ganz klar gesagt hatte, er hätte mich nicht begleiten müssen… Das hatte ich auch wirklich getan, doch er hatte mir natürlich nicht zugehört.

 

Ich hatte den ganzen Tag nichts getrunken und ging mir Wasser kaufen. Es nimmt mich schon wunder, wie gutes Wasser schmeckt, habe es vergessen…

 

Der Gastvater wollte am Abend mit mir sprechen. Was los sei, die anderen sagen, ich sei nicht glücklich. Ich sagte, ich sei einfach müde, wenn ich heim komme, darum gehe ich ins Bett, doch er sagte, ich müsse lernen, müde zu sein und solle mich zu den anderen in die Küche setzen. Meinetwegen.

 

25.09.2007

 

Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich von Westlands nach Ziwani, wo das Projekt ist, gebrauchen würde. Um viertel nach sieben war ich dort, also viel zu früh. Betty sagte, ich brauche nicht vor halb neun zu kommen…

Der Tag gestaltete sich analog gestern. Ich bekam wieder meinen Plastikbecher mit Uji… Uji ist übrigens recht scheusslich. Und wenn man nichts zum Umrühren hat, dann bildet sich eine Haut auf der Oberfläche der zähflüssigen Brühe (ich habe keine Ahnung, wie ich den Geschmack beschreiben könnte, sorry)… Und wenn man diese Haut in den Mund bekommt, dann ist es nur noch zum Würgen…

 

Irgendwann musste ich aufs Klo, das sich etwa zweihundert Meter von der Baby Care Baracke entfernt befindet und sich als ein Loch im Boden eines Bretterverschlages entpuppte. Ausserdem muss man jedes Mal einen Schlüssel im Sekretariat abholen, um das Vorhängeschloss zu knacken. Ich war nur einmal dort, seither verschwinde ich wie Maria und Betty hinter der Schulbaracke und hoffe, dass keines der sieben Kinder, die gleich neben dem Baby Care zur Schule bzw. in den Kindergarten (es nennt sich Pre-Unit) gehen, gerade in dem Moment auf die selbe Idee kommt…

 

Zum Mittagessen gab es Ugali und Sukumaviki, obwohl auf dem Speiseplan, den ich entdeckt hatte, Kartoffeln und Karotten stand…Ausserdem sollte es jeden Tag Früchte geben, Ananas, Mango, Bananen... Ich fragte nach und Betty erklärte, dass der Plan aus Geldmangel nicht eingehalten werden könne. Ich frage mich schon, wo die 100 Schillinge pro Kind und Pro Tag hingehen, welche die Eltern bezahlen, damit ihre Babies hier auch mit anständigem Essen versorgt werden… Angelina, die Projektleiterin, hatte mir gesagt, dass die Kinder hier keine Schuluniformen tragen müssen, doch alle 7 sind Uniformiert, wenn auch nicht so streng wie in anderen Schulen. So ist etwa die Farbe der Socken und des Unterleibchens nicht vorgeschrieben. Sie hatte mir auch gesagt, wie wenig die Eltern bezahlen müssen, um ihre Kinder hier zu lassen, doch 100 Schillinge am Tag ist eine Menge Geld… und dann kriegen die Kleinen nicht einmal anständiges Essen davon! Korruption in jeder Ecke.

 

Als die Kinder schliefen pflanzten wir uns wiederum draussen in den Schatten. Maria stutze mit einer Rasierklinge erst Bettys Augenbrauen und dann meine (sie hatte eine irre Freude, als ich keinen Einspruch erhob). Als sie dann herausfand, dass mein Haar echt und nicht aufgesetzt ist, musste ich versprechen, es ihr zu bringen, sobald ich es schneiden lasse (= Unsere Haare versetzen die Kenianer immer wieder ins Staunen, sie müssen es erst anfassen und gründlich untersuchen, um sich davon zu überzeugen, dass es nicht angesetzt ist, wie sie es machen, sondern wirklich so aus unseren Köpfen herauswächst.

Plötzlich tauchte Omo mit einer Gruppe deutscher Studenten im Projekt auf. Sie werden alle nach Eldoret gehen und Volontärarbeit leisten, doch Omo wollte ihnen erst die Arbeit seiner Freundin Angelina vorführen. Betty war überzeugt, es müsse sich bei der näher rückenden Gruppe um Amerikaner handeln. Sie erklärte mir, dass sie erst gedacht hätte, alle Weissen seien gleich, dann aber herausgefunden hatte, wie hässlich die Amerikaner sind (=

Ich unterhielte mich mit zwei der Mädchen und sie sagten, ich könne auch nach Eldoret kommen, wenn ich hier zu wenig zu tun habe, es seien noch Plätze frei…

 

Kurz nach vier Uhr brachen Maria und Kingsley, ein Mitarbeiter im Projekt (keine Ahnung, worin sein Job besteht, er verbringt ziemlich viel Zeit damit, bei uns herum zu sitzen) auf in die Stadt. Maria wollte mir den Weg Zeigen, damit ich mir die 10 Schillinge Matatugeld sparen könne.

Der Weg führte zwischen den Häusern Ziwanis hindurch, nicht eine wirklich arme Gegend, aber alles andere als Wohlhabend. Spätestens als wir uns einen Durchgang durch eine gaffende Menschenmenge schlagen mussten, die um zwei Männer herumstanden und zuschauten, wie sie sich prügelten, beschloss ich, NIE alleine hier durch zu laufen, auch wenn ich mich an die verworrenen Wege erinnern würde. Mein Entschluss wurde dann bestätigt, als wir einen zweiten wenn auch weitaus kleineren Menschenauflauf passierten, der sich um einen am Boden liegenden, aus einer Platzwunde am Kopf blutenden Mann gebildet hatte.

 

Ich fühlte mich immer noch nicht gut und hatte keine Ahnung, wie sich die Dinge mit dem Projekt und der wenigen Arbeit, die dort zu tun war, entwickeln würden.

 

Es ist nun Sommerzeit hier in Kenia. Das Licht hat sich verändert, wenn die Sonne untergeht, wird die Stimmung unbeschreiblich schön (und die Temperatur sinkt rasant auf angenehme 20 Grad), denn irgendwie verstärkt das Dämmerlicht die Farben.

Ich sass vor dem Sarit Centre  beim Eingang A Kwala Street auf meinem Stammplatz neben der Mülltonne, trank meine Strawberry Milk und ass meinen Schokoriegel wie praktisch jeden Abend, versank in den Klängen, Gerüchen, Farben und träumte mich nach Hause.

 

26.09.2007

 

Langsam beginne ich zu glauben, dass ich es hier im Projekt gut haben kann. Heute kamen zwei neue Kinder dazu und brachten Leben in die unter der Hitze der Mittagssonne knackende Wellblechbaracke. Innerhalb von drei Tagen habe ich die wichtigsten Floskeln gelernt, die den Kindern gegenüber gebraucht werden, und kann daher nun auch helfen, ihnen Essen aufzuzwingen:

            Kula!                           Iss

            Kunya                                    Trink

            Meza                          Schluck

            Fungua Mdommo    Öffne den Mund

            Wewe! Kula ugali!   Du! Iss dein Ugali! (=

            Maliza Uji                  „finish“… trink dein Uji aus

            Shika Vikombe         Nimm den Becher

 

Und wenn sie dann in Rekordzeit ihre Riesenportion verschlungen haben:

 

            Mtoto nzuri!               Gutes Kind!

 

Weitere wichtige Wörter:

 

            Enda qwa potty        Geh aufs Töpfchen

 

Bis auf zwei oder drei pinkeln alle in die Hose, und zwar dauernd, obwohl alle regelmässig auf den Hafen gesetzt werden, wo sie bleiben, bis sie etwas produziert haben. Gut, es beruhigt mich schon fast, dass sie alle so viel herumpieseln, denn zu trinken bekommen die Kids nebst dem Uji, das mehr zäh als flüssig ist, nichts. Keine Ahnung, wo sie all die Flüssigkeit hernehmen, aber jedenfalls ist sie da (=

 

            Ball uko wapi?          Wo ist der Ball?

            Rudisha ball             Wirf den Ball

            Rudisha dolly           Räume die Spielsachen auf

            Watcha                      Lass dass. Oder auch: warte

            Hapana                      Nein

            Kutcha (hapa)          Komm (hierher)

            Pole pole                   langsam (Pole allein heisst Entschuldigung, sorry)

Wewe!                       Du! Wird ermahnend ausgesprochen, wenn jemand tut was er nicht sollte

 

 

Die Kinder schliefen, ich döste… plötzlich hörte ich ein Geräusch, hob den Kopf und sah eine Ratte unter einem der Betten verschwinden. Nicht so ein Schmusetierchen, wie sie die Punks in Bern auf der Schulter herumtragen, sondern ein RIESENVIEH von einer Ratte, so wie aus den Filmen, die im mittelalterlichen New York spielen.

(Fänä, Ratte heisst übrigens Panja *gg). Nun, ich hoffe mal, sie war nur auf der Durchreise…

 

27.09.2007

 

Das erste was ich sah, als ich in Westlands aus dem Haus ging, war ein Matatu, das mit total zersplitterter Windschutzscheibe auf eine Weise am Strassenrand stand, die es offensichtlich machte, dass es dort hingeschleudert und nicht hingeparkt wurde. Ich versuchte, die riesigen roten Flecken am Boden zu ignorieren und mir nicht vorzustellen, was hier geschehen sein mochte.

Nicht recht bei der Sache wie ich war, holte ich mir selbst fast eine blutige Stirn, als ich in der Stadt aus dem Matatu sprang und mir den Kopf am Dach anstiess. Der Mataukondukteur entschuldigte sich dafür bei mir, das war in den 30 Schilling inbegriffen, die ich aus irgend einem Grund an diesem Morgen anstatt den üblichen 20 zu bezahlen hatte.

 

Die Arbeit wird langsam zum Alltag, ich habe mich an die Kinder gewöhnt und sie sich an mich. Ich habe jetzt auch viel mehr zu tun, weil sie auf mich zu rennen, sobald ich ankomme, und mich ziemlich auf Trab halten. Gut so (=

 

Maria und Kingsley zeigten mir eine andere Rute in die Stadt, die ich mir zwar gehorsam einprägte, aber genauso wenig jemals alleine gehen werde wie diejenige zwei Tage zuvor.

 

28.09.2007

 

Ich stand um sechs Uhr auf, weil ich unbedingt waschen musste. Da ich die Pläne fürs Wochenende noch nicht kenne, weiss ich nicht, ob ich morgen Zeit dazu haben werde. Zum Glück waren die Tanten noch nicht auf um mir zu sagen, dass ich noch viel länger schrubben muss, als ich es tat.

 

Eigentlich war ich heute eine halbe Stunde zu spät im Projekt, der Verkehr war das reinste Standbild, ich hatte über eine Stunde, um die Strecke Westlands – Ziwani zurückzulegen. Zudem musste ich heute ein besonders langes Stück Strasse zurücklaufen, denn weil ich mir den Kiswahliliname der Brücke nicht merken kann, bei der ich aussteigen sollte, muss ich immer den Kondukteur auf mich aufmerksam machen, und bis der dann schnallt, was ich will, sind wir schon Meilen weiter, denn gerade eben auf diesem Strassenstück hat es früh morgens kaum Verkehr, worauf die Matatus sofort zu rasen beginnen.

Also, eigentlich war ich zu spät… doch die Uhr im Baby Care zeigte aber erst halb neun und niemand bemerkte den Irrtum (= Ich stellte die Uhr dann richtig, als gerade niemand guckte.

 

Nebst der Art und Weise, wie die Kids zu Essen haben, verstehe ich weiter nicht, warum sie mindestens eine halbe Stunde auf dem Hafen zu sitzen haben, nachdem sie in die Hose gepinkelt haben… Die Babies riechen bereits nach Urin, wenn sie ankommen, einige mehr als andere. So zum Beispiel Lee, der immer hochgehoben werden will. Ich komme seinem Wunsch ungern nach, weil wenn ich ihn Sekunden später wieder absetzte, riechen meine Arme nach Kinderpipi.

Die Hosen werden nicht immer ausgezogen, wenn sie nass sind, denn bei diesem Wetter trocknen sie schnell…

 

Weil das Wetter aber gerade heute das erste Mal diese Woche nicht sooo gut war (das heisst, es war einfach ein wenig Bewölkt, so dass man sich aus dem Schatten wagen kann), konnten wir mit den Kindern nach draussen, wo es eine Rutsche und Schaukel gibt.

Eines der Kinder pinkelte sich neben der Schaukel in die Hose, und weil es dann dort schon nass war, mussten die anderen Jungen demonstrieren, wie sie im Stehen pinkeln können – oder eben noch nicht können. Heute war es besonders schlimm mit dem In-die-Hose-machen und ich war überzeugt, dass auf dem Heimweg alle Leute im Matatu mich verdächtigten, selbst in die Hose gemacht zu haben. Hoffentlich habe ich den Geruch nur in der Nase und für immer im Gedächtnis und nicht wirklich so sehr an mir und in meinen Kleidern, wie ich das Gefühl habe…

 

Maria lackierte mir die Nägel, sie tut das für alle weiblichen Mitarbeiterinnen im Projekt (und wahrscheinlich auch für Kingsley *lol), sie ist eine richtige Meisterin darin. Meine Zehennägel sind jetzt Glitzerrosa und haben ein kunstvolles weisses Punktemuster darauf. Ich versuchte, nicht all zu entsetzt zu schauen, als Maria mir freudig erklärte, der Lack bleibe bis zu einem Monat drauf…

 

Als die Kinder gefüttert und in den Betten versorgt waren, ging ich Christin und Erin besuchen, die in dem fünf Gehminuten entfernten San Bridgets Hospital arbeiten. Ich hatte mich nicht angemeldet und sass eine Viertelstunde bei den wartenden Patienten auf dem Vorplatz, wo ich mit skeptischen Blicken gemustert, aber in Ruhe gelassen wurde, bis die Beiden schliesslich auftauchten.

Ich erzählte ihnen, dass Kerubo plant, mich in einem Einzimmerhaus mit einer Lady zu platzieren, die jeden Morgen um 7 Uhr das Haus verlässt und erst spät wieder kommt. Kerubo hatte mir gesagt, ich werde nebst dem Haushalt schmeissen auch kochen müssen, und als ich entgegnet hatte, ich könne kein Ugali und all das andere Zeugs kochen, hatte sie nur gemeint, wer essen könne, der könne auch kochen… Erin und Christin waren entsetzt. Sie sagten, ich müsse sofort zu Kerubo gehen und ihr klar machen, dass ich nicht das neue Hausmädchen dieser Frau sein wolle…

Ich kehrte in mein Projekt zurück und erzählte auch Betty, was Kerubo plante. Sie wollte wissen, von welchem Stamm Kerubo sei, begann auf mein Antworten hin über alle Kisii in Afrika zu wettern, entschuldigte sich, dass sie mir nicht helfen konnte und versprach, für mich zu beten.

 

Kerubo bekam einen Anfall, als ich auftauchte und redete eine geschlagene halbe Stunde auf mich ein (sie kann auch länger reden, ich hatte also Glück, und man kann sie nicht unterbrechen, wehe dem, der es wagt!). Ich kann kaum genauer erläutern, was sie mir sagte… ich solle hingehen und es mir anschauen und nicht von Anfang an sagen, ich könne es nicht (könne was nicht?). So könne ich ja keine Erfahrungen machen (hä?)…

 

Im Sarit Centre kaufte ich mir anstatt Schokolade ein riesiges Gebäck, gefüllt mit Schlagsahne und Marmelade. Es war einfach himmlisch und ich bin jetzt froh, dass ich Westlands bald verlassen werde und den sogenannten Jamdoughnut nicht früher entdeckt hatte, denn er ist nicht gerade die perfekte Ergänzung meines Speiseplanes und ich könnte nicht widerstehen… (= Der Parkplatzwächter winke mir heute zu und grüsste, als ich schliesslich von meinem Platz aufstand und an ihm vorbeischlenderte – ich bin eindeutig zu viel hier, der kennt mich schon!

 

Daheim war eine der Tanten gerade dabei, Janets Haar zu entflächten. Ich wurde aufgefordert, die Arbeit zu übernehmen und tat es gerne; so gestaltete sich die monatliche Prozedur für das arme Kind für einmal nicht so schmerzhaft. Einfach ist es allerdings nicht, das widerspenstige satt geflochtene Haar mit einem Zahnstocher aufzutrennen, ohne zu fest zu zerren und reissen...

 

Der Gastvater geht übers Wochenende ins Zuhause auf dem Land. Wir mussten uns im Wohnzimmer versammeln, um zu beten.

 

Was ich vergessen habe: Meine Gastfamilie weiss, dass ich bald ausziehen werde. Sie verstehen, dass ich den Weg nach Ziwani nicht jeden Tag zurücklegen kann. Meine Gastmutter sagte, dass ich dann aber at least jedes Wochenende auf Besuch kommen werde… mal sehen… (=

Für Janet tut es mir leid, ich hab sie wirklich lieb bekommen und wir haben viel Spass zusammen. Sie kann zwar ganz schön anstrengend werden wenn sie müde ist, doch auch wenn sie mir wie heute Abend beim Herumtanzen in der Küche die Schüssel aus der Hand schlägt und mich über und über in Reis und Bohnen bespritzte, kann ich ihr nicht böse sein.

 

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